Die Vereinigung der Afroschweden demonstrierte gegen die „Sklavenauktion" an der Universität Lund. (Foto: Bertil Ericson / Scanpix Schweden)
Universität Lund

Proteste gegen studentische „Negerauktion“

Proteste gegen studentische „Sklavenauktion"
2:04 min

Ein geschmackloser Studentenscherz in Lund hat unerwartet große Aufmerksamkeit erregt. In Stockholm, Lund, Malmö und Göteborg demonstrierte gestern der Verband der Afroschweden gegen eine Verulkung von Sklavenauktionen durch Studenten der Universität Lund. Bei der schwedischen Regierung sind auch aus dem Ausland Protestschreiben gegen den vermeintlichen Studentenstreich eingegangen.

Was ist passiert?

Mitte April organisierte die Abteilung Halland an der Universität Lund ein Studentenfest unter dem Motto „Dschungel“. Bei der Feier trieb ein als „Sklaventreiber“ verkleideter Student drei gefesselte, schwarz geschminkte Kommilitonen durch den Festsaal und versteigerte sie in einer gestellten Auktion. Keiner der Anwesenden protestierte oder griff ein.

Die Mitteilung über das rassistische Spektakel verbreitet sich in Windeseile über Facebook und Twitter. Alsbald brechen dort Proteststürme los.

Der schwedische Soziologe und Spezialist für soziale Netzwerke Martin Berg vermutet, dass die große Verbreitung von Facebook und Twitter in Schweden die Diskussion über die „Sklavenauktion von Lund“ und die Aufmerksamkeit fördern. Gerade junge Menschen tauschten sich über diese Kanäle gerne schnell aus.

Aufstachelung zum Rassenhass

In der Studentenzeitung „Lundagård“ betonen mehrere Studenten, die „Sklavenauktion“ sei nicht etwa ein Zeichen der Unkenntnis einiger weniger. Vielmehr sei das Bubenstück symptomatisch für einen versteckten Rassismus an der Universität Lund.

Die Vereinigung der Afroschweden in Lund hat polizeiliche Anzeige wegen Aufstachelung zum Rassenhass erstattet.

Die Veranstalter des fraglichen Festes zeigten sich zerknirscht. Mit einer gebührend reuigen Entschuldigung der Verantwortlichen - in Schweden „Pudel“ genannt - sind hierzulande fast alle Frevel vergeben und vergessen, gleichgültig ob in der Schule, bei Verstößen von Behörden, Ungereimtheiten in Unternehmen oder Entgleisungen der Parteien.

Internationale Ablehnung

International hat sich jedoch noch keine Ruhe eingestellt. ENRA, das European Network Against Racism in Brüssel, reagierte in einem offenen Brief an die schwedische EU-Ministerin Birgitta Ohlsson mit Abscheu.

Der US-amerikanische Bürgerrechtler und frühere Präsidentenkandidat Jesse Jackson forderte Bildungsminister Jan Björklund auf, dem „Rassismusspektakel an der respektierten Hochschule“ auf den Grund zu gehen.

Bisher schweigen die Minister.

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