Schweden hat seine Eurovision-Ehre wieder hergestellt (Foto: Pontus Lundahl/Scanpix)
Populärer Ehrenretter Eric Saade (Foto: Pontus Lundahl/Scanpix)
Eurovision 2011

Eric Saade stellt Schwedens Schlager-Ehre wieder her

Schweden bei Eurovision aus Mittelfeld-Morast
4:33 min

Der dritte Platz von Eric Saades „Popular“ beim diesjährigen Eurovision Song Contest hat in Schweden eine regelrechte Euphorie ausgelöst. Wie wohl in wenigen anderen Ländern fieberte ein Großteil der Bevölkerung dem Finale in Düsseldorf entgegen, denn viel stand für Schweden auf dem Spiel. Als große Eurovision-Nation musste Schweden in den vergangenen Jahren einige peinliche Schlappen hinnehmen. Nun aber ist die Ehre wieder hergestellt.

Schwedens Schlager-Fans befinden sich wie alle direkt Beteiligten im Doppelsiegesrausch. Ein mehr als ehrenwerter dritter Platz für den erst 20-jährigen Eric Saade und seine Poptanznummer „Popular“ mit dem spektakulär zertrümmerten Glaskäfig und dann der Ruhm für Schweden durch den Sieg Aserbaidschans. Der Song „Running Scared“ stammt aus der Feder von Stefan Örn und Sandra Bjurman, auch die Chorsängerinnen sind Schwedinnen. 

Am erleichtesten zeigte sich Christer Björkman, der schwedische Delegationsleiter, auch Mister Melodifestivalen genannt. Im Schwedischen Rundfunk sprach er von einer süßen Rache: „Für uns war es wichtig, aus diesem Morast zu kommen. Das ist natürlich etwas übertrieben, denn die Plätze 17, 18, 19 sind bei 43 Ländern ja Mittelfeld. Trotzdem sind diese Platzierungen recht unsexy. Unter den Top Ten macht es einfach mehr Spaß. Auch wenn wir nicht immer dort landen können, und noch weniger unter den ersten Drei, so müssen wir zumindest die Ambition haben, es dorthin zu schaffen.“

Schweden hat die richtigen Schlüssel gefunden

Eric Saade schaffte mit „Popular“ und dem dritten Platz, was Schweden seit dem Sieg von Charlotte Nilsson 1999 mit „Take me to your heaven“ nicht mehr gelungen ist. Christer Björkman zufolge kann sich Schweden nicht zuletzt bei den neuen Regeln für den Vorentscheid bedanken. 

„Der Erfolg ist auch eine Quittung dafür, dass die Veränderungen sinnvoll waren. Wir haben mit unserem Melodifestivalen eine großartige Plattform für neue schwedische Musik in Schweden und entsprechende Hits, aber die richtigen Schlüssel zum Eurovision Contest hatten wir bislang nicht gefunden. Es war also richtig, die schwedischen Jurys mit Experten aus elf europäischen Ländern zu ersetzen, die die Songs schon vorab beurteilen. Als sich zeigte, dass elf Länder und das heimische Publikum den Song mochten, war klar: Die Richtung stimmt.“ 

Zeit zum Ausruhen hat Björkman nicht. Nach eigenen Angaben hat er bereits mit den Vorbereitungen für den schwedischen Auftritt in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku im kommenden Jahr begonnen. Auch für den schwedischen Stückeschreiber geht es jetzt erst richtig los. „Popular“- Liedtexter Fredrik Kempe ist aus dem schwedischen Eurovisison-Zusammenhang nicht wegzudenken. Alljährlich zieht Kempe entweder höchstpersönlich ins Rennen oder aber schickt gleich mehrere Songs.

Im vergangenen Jahr begann die Zusammenarbeit mit Eric Saade, dessen „Manboy“ damals auf dem dritten Platz im schwedischen Finale landete. Nun sieht Kempe zum einen Schwedens Ehre wiederhergestellt, freut sich aber auch über seinen eigenen Erfolg mit Aufträgen in den USA, Großbritannien und anderen europäischen Ländern im Gefolge von Saades Siegeszug. 

„Ich freue mich riesig und es ist eine Art Revanche für mich zu zeigen: Ich kann das. Seit 2006 haben wir uns nicht mehr sonderlich gut platziert. Endlich diese mittelprächtigen Ergebnisse zu schlagen, ist ein tolles Gefühl.“

Eric Saade will international durchstarten

Überwältigt vom Erfolg ist zweifelsohne auch Schwedens neuer Star Eric Saade. Dass er in Düsseldorf nicht gesiegt hat, ist ihm sogar recht. Der Gewinner bleibe oft ein One-Hit-Wonder, während dem Zweiten und Dritten eine internationale Karriere offen stehe.

„Ich habe schon vor einigen Wochen in mehreren Ländern Plattenverträge unterschrieben – und das hat was Magisches!“ 

Zu den Ländern, in denen Saades Debütalbum demnächst erscheinen wird, zählen die Nachbarländer Norwegen, Finnland und Dänemark, aber auch Russland ist dabei sowie Südafrika und Israel – übrigens neben Estland das einzige Land, bei dem sich Schwedens Beitrag für die begehrten „12 points“ bedanken darf. Für den Sommer hat der 20-Jährige seine erste Schwedentournee geplant. 

„Das wird ein genialer Konzertsommer und ich freue mich so darauf, endlich meine neuen Sachen herauszubringen“, so Saade, der derzeit getreu seinem Song einer der populärsten Musiker Schwedens ist.

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".