Wenn nur wenig nachwächst, machen sich die Forstunternehmen am Naturwald zu schaffen (Foto: Mikael Fritzon / Scanpix).
Protestbriefe an Forstunternehmen

Robin Wood: „SCA holzt Naturwälder ab"

Protestbriefe an SCA
7:17 min

Der schwedische Naturschutzverband und die Umweltorganisation Robin Wood richten scharfe Kritik an das schwedische Forstunternehmen SCA. SCA ist einer der größten Waldeigentümer und scheint, wie viele andere schwedischen Unternehmen der Branche, die Regeln und Anforderungen des Umweltzertifikates Forest Stewardship Council FSC sträflich zu missachten, wie Dr. Rudolf Fenner von Robin Wood gegenüber Radio Schweden erklärt. Fenner ist nach Schweden gereist, um zusammen mit dem Naturschutzverband eine Protestliste zu übergeben.

„Wir können nicht akzeptieren, dass in Schweden immer noch Naturwaldgebiete eingeschlagen werden. Und wir sind noch mehr empört, dass FSC-zertifizierte Betriebe an der Zerstörung dieser Urwaldartigen Gebiete teilnehmen. Dieser Vorwurf gilt allen schwedischen großen Forstunternehmen, aber wir haben in den letzten Jahren immer wieder feststellen müssen, dass SCA am häufigsten an diesen Zerstörungen beteiligt ist. Deswegen haben wir uns entschieden, diesen Protest an SCA zu richten“, sagt Dr. Rudolf Fenner.

Diese Behauptung will SCA jedoch nicht gelten lassen. Der Informationschef der Forstabteilung bei SCA, Björn Lyngfelt, betont das Umweltengagement seines Unternehmens: „Wir sind der Meinung, dass die Erhaltung schützenswerter Gebiete unser wichtigstes Umweltziel ist. Wir arbeiten mit Methoden wie der ökologischen Landschaftsplanung, um dies sicherzustellen. Ungefähr zehn Prozent des wertvollen Waldes wird der Forstwirtschaft vorenthalten, um diese Natur zu erhalten.“

Lyngfelt beruft sich dabei auch auf den FSC, den Forest Stewardship Council, bei dessen Beurteilungen SCA in der letzten Zeit gut weggekommen ist: „Der FSC hat uns 2007 kritisiert. Dort wurde festgestellt, dass unser Spitzenniveau nicht den Ansprüchen genügt. Danach haben wir viel Mühe darauf verwendet, nicht nur im Durchschnitt gut zu sein, sonder die ganze Zeit und überall. Wir haben unter anderem fünf Ökologen eingestellt, die unsere tägliche Forstarbeit überwachen. Die letzte Durchsicht hat ergeben, dass wir den FSC-Standard sehr gut erfüllen. Wir finden, dass wir hier eine gute Arbeit machen.“

Kritik am FSC

Robin Wood und der schwedische Naturschutzverband machen deshalb beim FSC eine Schwachstelle aus. Die Organisation gebe der schwedischen Forstindustrie zu sehr nach, so Dr. Fenner: „Wir haben bei unserer Arbeit feststellen müssen, dass der FSC in Schweden sehr schwach ist. Es gab sehr viele Beschwerden, die meisten davon wurden nur gering geahndet. SCA hat lediglich vor drei Jahren einmal eine Abmahnung bekommen. Insgesamt ist unser Eindruck, dass die großen Forstkonzerne, die übrigens alle FSC zertifiziert sind, doch relativ frei entscheiden können, welche Regeln sie einhalten und welche nicht.“

So ist auch zu verstehen, dass der Naturschutzverband aus der Zusammenarbeit mit dem FSC ausgetreten ist. Dazu Rudolf Fenner: „Das ist auch eine Kritik an den FSC, wie er hier in Schweden auftritt, ist. Das war nicht nur Frustration, dass der Schwedische Naturschutzverband aus dem FSC ausgetreten ist, auch der Jugendverband ist schon zuvor ausgetreten. Andere Organisationen haben sich gebildet. Der FSC scheint hier sehr schwach zu sein und die Konzerne sehr stark.“

Ungeachtet der Kompetenz des FSC, behauptet SCA für sich, das Mögliche für die Erhaltung der Naturwälder zu tun. Björn Lyngfelt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dies keine leichte Aufgabe ist: „Wir schlagen ungefähr 5.000 Waldgebiete pro Jahr. Viele der FSC-Kriterien sind dabei schwer zu beurteilen. Deswegen ist es schwer, zu garantieren, dass hier nicht ein einziger Fehler gemacht wird. Und der FSC fordert ja auch nicht Perfektion. Der FSC will, dass man aus seinen Fehlern lernt. Und wir wollen einmal begangene Fehler nicht wiederholen.“

Unterschiedliche Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft in Schweden unterscheidet sich grundsätzlich von der in Deutschland. Die Flächen und Areale sind großflächiger, die Vegetation eine ganz andere. Große Kahlschläge bieten sich deshalb in Schweden eher an. Das ändere jedoch nichts an den Vorwürfen gegen SCA, so Rudolf Fenner: „Ich kenne sehr wohl den Unterschied zwischen den verschiedenen Waldzonen, und dass wir zumindest in Nordschweden eine ganz andere Waldvegetation haben als in Mitteleuropa. Trotzdem, diese Kahlschlagwirtschaft, die in Skandinavien seit vielen Jahrzehnten herrscht, hat wenig an Naturwald übrig gelassen. Das heißt, es gibt eine große Krise der Artenvielfalt. Die rote Liste der bedrohten Arten ist extrem lang, und das liegt daran, dass hier einfach flächendeckend intensiv eine Forstwirtschaft betrieben wird, die wenig Rücksicht auf die eigentliche Natur nimmt.“

Die Märkte in Deutschland, Großbritannien und anderer europäischer Länder schreien nach Papier und Kartonagen. Die schwedischen Forstunternehmen sättigen diese Nachfrage durch den Raubbau an den schwedischen Wäldern, so Fenner: „Ich habe den starken Verdacht, dass bei den Flächen, die in den letzten sechzig siebzig Jahren eingeschlagen worden sind, zu wenig übrig gelassen wurde, wo man ernten kann, ohne Altwald zu zerstören. In den letzten Jahrzehnten hat eine Übernutzung stattgefunden. Und jetzt müssen sie sich auf die letzten Waldgebiete stürzen, um dort zu ernten, bevor die anderen Kahlschläge nachwachsen.“

Unterschriften aus Deutschland

Rund 5.500 Unterschriften wird Robin Wood zusammen mit dem Naturschutzverband an SCA übergeben – verbunden damit sind Erwartungen, wie Rudolf Fenner erklärt: „Haupterwartung ist, dass sie wieder im Einklang mit den FSC-Regeln wirtschaften. Sie müssen den Einschlag in diesen schützenswerten Gebieten einstellen. Wir erwarten allerdings auch dass es eine Art Moratorium gibt, weil wir wissen, dass nicht alle Waldgebiete, die schützenswert sind, auch auf Karten erfasst sind. Und dass, bevor ein Gebiet eingeschlagen wird, mit den Umweltverbänden eine Einigkeit erzielt wird, welches denn die schützenswerten Gebiete sind, die erhalten bleiben müssen. Erst wenn diese Einigkeit da ist, kann SCA ohne Protest auch sein Holz ernten.“

Björn Lyngfelt von SCA hat unterdessen Gesprächsbereitschaft signalisiert: „Wir werden uns erst genauer die Argumente ansehen. Wir werden dass dann diskutieren. Wir haben bereits versucht, einen Termin mit Dr. Fenner und Robin Wood zu vereinbaren, um in unseren Wäldern auf die Einzelheiten eingehen zu können.“

Dieter Weiand

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