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Auch das Gebäude des für Abba gebauten Polar Studios gehört zur Stadtwanderung in Stockholm (Foto: Fredrik Persson / Scanpix Schweden)
Stadtgeschichte im Zeichen der Siebziger

Abba-Stadtrundgang in Stockholm

„Abba hat Stockholm ja wirklich bekannt gemacht!"
6:03 min

Das Stockholmer Stadtmuseum bietet jetzt eine neue Themenwanderungen durch die Hauptstadt an: Abba. Mit der Stadtwanderung zu Orten, die mit dem Leben dieser Supergruppe der Siebziger verknüpft sind, möchte das Museum den Besuchern das Leben und die Stimmung im Stockholm jener Jahre näherbringen. Filippa Norman vom Stadtmuseum nimmt uns zur Baggensgatan 21 in der Stockholmer Altstadt mit:

Filiz Kayalitz, Stockholmbesucherin aus der Türkei, weiß sofort was Sache ist, wenn sie nach Abba gefragt wird: „I like it!“ strahlt sie in die Kamera des Schwedischen Fernsehens.

Die ABBA-Tour beginnt ganz zentral in der City am Stadthaus. Philippa Norman hat die Rundwanderung für das Stockholmer Stadtmuseum erarbeitet:

„Abba hat Stockholm ja wirklich bekannt gemacht. Es gibt viele Fotos auf denen die Gruppe vor Stockholmer Sehenswürdigkeiten posiert. Ein besonders bekanntes Bild ist Abba vor dem Stadthaus.“

Im Stadthaus ist Benny als Achtjähriger zum ersten Mal in seinem Leben aufgetreten. Wesentlich später ist ihm dort die Ehrendoktorwürde verliehen worden.

Disko-Glamor

„Unsere Wanderung geht dann am Hotel Sheraton vorbei. In der Suite  sind 1977 Teile von ‚Abba - der Film’ gedreht worden. Auch das ist mit interessanten Ereignissen der Stockholmer Geschichte verbunden. Das Hotelgebäude selbst ist so zeittypisch, dass die Stadtverwaltung ihm denselben Grad von Denkmalschutz gegeben hat, wie dem königlichen Schloss. In dieser Gegend wurden in den Siebzigern 400 Gebäude abgerissen, um einem neuen Stadtzentrum Platz zu machen. Deswegen ist sie auch über die Abba-Story hinaus sehr interessant“, lotst Philippa Norman die Hörer des Schwedischen Rundfunks geschickt wieder zu den anderen historischen Aspekten der Rundwanderung.

„Die Poppgruppe Abba war ein Teil des Glamours jener Zeit. Aber damals in den Siebzigern geschahen ja auch umwälzende politische Dinge“, erklärt Philippa das Thema des zweistündigen Spaziergangs.

„Jetzt sind wir in der Altstadt vor dem Haus Baggensgatan 21. Her haben Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad Anfang der Siebziger gewohnt.“

Heruntergekommene Gegend

Vor dem Haus steht eine wunderbare Kastanie in voller Blüte und – wie um zu verhindern, dass alles in rosarote Abba-Romantik abdriftet – werden gerade mit Hochdruckreinigern höchst zeitgenössische Schmierereien von den Wänden entfernt.

„Damals war die Altstadt bei weitem noch nicht so pittoresk. Damals fingen die Renovierungen hier gerade an. Die Gegend hier war fast ein Slum, und richtig heruntergekommen.“

Prominente als Zugpferde

In die Baggensgata verirrt sich sonst selten ein Tourist. Das ist einer der Gründe, warum die Stadtwanderung gerade hier verläuft. Mit seinen zahlreichen Themenrundgängen – der Stieg-Larsson-Wanderung, der königlichen Tour oder dem Abba-Rundgang - möchte das Stadtmuseum nicht nur auf den Spuren wirklicher oder fiktiver schwedischer Promis wandeln:

„Wir – das Stadtmuseum – zeigen natürlich auch gern einige weniger bekannte Straßen in Stockholm und in der Altstadt.“

Zeichen der Zeit

Auf den Namensschildern des Mehrfamilienhauses Baggensgatan 21 steht heute weder Andersson noch Lyngstad. „Nein, die Ex-Abbas wohnen hier längst nicht mehr. Dann würden wir das Haus auch gar nicht zeigen“ versichert sie im Schwedischen Rundfunk. „Schließlich wollen wir ja, dass alle, auch Prominente, ungestört in unserer Stadt wohnen können.“

„Interessant ist aber auch ein Werbefilm, der in der Dachwohnung von Benny und Anni-Frid gedreht worden ist. Darin sitzen die beiden Frauen lesend auf dem  Sofa und ziehen die Füße hoch, damit die Männer, die gerade staubsaugen, auch unter dem Sofa sauber machen können. Diese Szene illustriert was die Siebziger waren: ein Jahrzehnt, in dem die Menschen anfingen, mehr über Gleichstellung zu reden. In Schweden wurde damals auch der Erziehungsurlaub für Väter eingeführt.“

Mit dem Werbefilm wurde das Image des modernen schwedischen Manns, der sich um die Kinder kümmert und Hausarbeit erledigt, weltberühmt.

Wie die Siebziger – wieder „in“

Philippa Norman findet, die Zeit für einen Abba-Rundgang ist reif:

„Wir haben immer wieder  Anfragen aus dem Ausland bekommen, warum das Museum nichts über die wohl bekannteste schwedische Popgruppe anbietet. Diese Wanderung handelt von Abba und vom Stockholm der Siebzigerjahre. Also der Zeit, zu der die Abba-Mitglieder hier in Stockholm lebten und arbeiteten.“

In Schweden waren zunächst bei weitem nicht alle von der Dringlichkeit einer ABBA-Rundtour überzeugt. Typisch, findet Philippa Norman: „Als ich anfing, mit der Abba-Wanderung zu arbeiten, meinten viele, das Thema sei passé. Aber ich finde im Gegenteil, dass die Zeit jetzt reif für einen Rückblick ist. Auch für die Schweden!“

Bilder die Stockholm bekannt machten

Das einschlägige Buch „Der Abba Reiseführer nach Stockholm“ kann als Fingerzeig auf die geringe Wertschätzung der Schweden für ihre Pop-Prominenten gelten. Der Band ist nur auf Englisch und Deutsch erschienen, auf Schwedisch gibt es ihn nicht. Seite 56 dieses Abba-Führers zeigt Agneta + Anni-Frid auf einer Parkbank. Die Bank und den Park in dem sie steht, gibt es noch immer!

„Das hier ist eine gute Gelegenheit, selbst ein Foto zu schießen und einem Abba-Gegenstand richtig nahe zu kommen“ empfiehlt Philippa Norman, bevor die Stadtwanderung ihrem Ende auf der Insel Djurgården entgegengeht. Dort, wo demnächst vielleicht ein Abba-Museum entstehen soll.  


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