Jas-Gripen: Geschäfte im Dunkeln?
rüstungsindustrie

Jas-Gripen: Neue Bestechungsvorwürfe

"Wenn das stimmt, müssen rechtliche Schritte geprüft werden"
2:27 min

Das ursprünglich als Exportschlager gewertete Jas-Gripen-Kampfflugzeug des Saab-Rüstungskonzerns verkauft sich nicht so leicht wie erhofft. Schon des Öfteren geriet das Unternehmen in Verdacht, bei schwierigen Verhandlungen mit Schmiergeld nachgeholfen zu haben. Jetzt gibt es neue Bestechungsvorwürfe.

Es ist eine bekannte Begleiterscheinung der freien Marktwirtschaft, dass Geschäftsabschlüsse durch Zahlung gern auch größerer Schwarzgeld-Beträge für den Kunden in spe attraktiver gemacht werden. In vielen Ländern, darunter auch Schweden, ist diese geschmeidige Art von Big Business zwar verpönt und illegal, doch wird immer wieder verbotenes Tun ruchbar.

So wartete jetzt der schwedische Privatkanal TV 4 mit Belegen dafür auf, dass 1999 beim Verkauf von 28 Jas-Gripen-Kampfflugzeugen an Südafrika umgerechnet fünf Millionen Euro an Bestechungsgeldern geflossen sind.

Wie der Sender berichtet, erfolgten die Zahlungen über Konten eines Tochterunternehmens des Saab-Rüstungskonzerns, der die Jas-Flugzeuge herstellt. Empfänger war demnach ein enger Berater des damaligen südafrikanischen Verteidigungsministers.

Saab-Direktor Håkan Buskhe sagte dazu gegenüber TV 4:

„Ich betrachte es als sehr ernst, dass man eine Vereinbarung gefunden hat, die offenbar von einer Person unterzeichnet wurde, die nicht bei Saab angestellt ist, aber für das Unternehmen arbeitet. Wir betrachten das als äußerst ernst. Im Übrigen ist für uns nicht ersichtlich, ob tatsächlich Geld gezahlt wurde.“

Schwedens Oberster Staatsanwalt Gunnar Stetler erklärte inzwischen, er werde prüfen, ob der jetzt gemeldete Sachverhalt neue Ermittlungen erfordere.

Die Justizbehörden hatten schon vor mehreren Jahren gegen den Saab-Konzern ermittelt, doch wurden damals keine Beweise gefunden. Die Friedensorganisation Svenska Freds gab sich damit nicht zufrieden, sondern erstattete im September vergangenen Jahres Anzeige gegen Saab.       

Der Zeitpunkt der neuen Enthüllungen hätte kaum ungünstiger sein können. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hält sich zurzeit zu Gesprächen in Brasilien auf. Und weil es dabei auch um den möglichen Kauf von Jas-Kampfjets geht, hält sich der Regierungschef in der in der heiklen Frage der Bestechungsaffäre bedeckt. Gegenüber dem Schwedischen Rundfunk sagte er:

„Ich kann natürlich nicht zu Fragen Stellung nehmen, die viele Jahre zurückliegen, oder gar Verantwortung dafür übernehmen. Das ist Sache des Unternehmens selbst. Wenn sich die vorliegenden Angaben bestätigen, müssen rechtliche Schritte geprüft werden.“  

Besonders pikant: Reinfeldt und SAAB-Direktor Buskhe warben am Dienstag auf einem Seminar in Sao Paulo gemeinsam für das erhoffte schwedisch-brasilianische Flugzeug-Geschäft.

Klaus Heilbronner  

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