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Das Duo Peter Eriksson und Maria Wetterstrand (hier bei der Präsentation eines Elektroautos) hat Schwedens Grüne in den vergangenen acht Jahren sehr erfolgreich geführt. Wer übernimmt nun das Steuer? (Foto: Scanpix)
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Gustav Fridolin. Foto: Lars-Gunnar Olsson/Sveriges Radio
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Streiten um den Vorsitz: Mikaela Valtersson (links) und Åsa Romson.
Parteitag in Karlstad

Grüne sehen sich als „Dritte Kraft"

Grüne vor Parteitag
5:22 min

Schwedens Grüne stellen an diesem Wochenende eine neue Mannschaft auf. Auf der Tagesordnung des Kongresses in Karlstad in der westschwedischen Provinz Värmland steht vor allem die Wahl eines neuen Führungsduos zur Nachfolge des extrem erfolgreichen Gespanns Maria Wetterstrand/Peter Eriksson. Außerdem will die Partei ihre neu formulierte Richtung als dritte Kraft in der schwedischen Politik abstecken.

„Wir befinden uns mitten auf dem Weg dazu, eine breite Volkspartei zu werden für all diejenigen, die jetzt einsehen, dass Schweden die größte Verwandlung seit dem Bau des ,Volksheims’ durchlaufen muss. Die nötigen Veränderungen sind eigentlich sehr praktisch: Wir müssen Millionenen in den Bau neuer Eisenbahnschienen investieren, wir müssen Wohnungen bauen und Schulen modernisieren, und wir müssen neue Energiesysteme entwickeln“, so formuliert Gustav Fridolin die Aufgaben, die den schwedischen Grünen in nächster Zeit bevorstehen.

Gerangel um die Macht

Der 28-jährige Lehrer gilt als unbestrittener Anwärter auf den männlichen Part im neuen Führungsduo. Traditionell wird die Partei, die in diesem Jahr ihr 30jähriges Bestehen feiert, von zwei Vorsitzenden - oder „Sprechern“ – geführt, einem Mann und einer Frau. Im Unterschied zu den Sozialdemokraten, wo das Spiel um den Vorsitz ein Ränkeschmieden hinter den Kulissen ist, streiten die Grünen offen um die Macht. So wird am Samstag eine Kampfabstimmung entscheiden, ob die vom Wahlkomitee vorgeschlagene Vorsitzende der Stockholmer Grünen, Åsa Romson, oder die wirtschaftspolitische Sprecherin im Reichstag, Mikaela Valtersson, künftig neben dem jungen Fridolin an der Spitze steht.

Einigkeit in der Sache

Eine Entscheidung, die der Kongress unaufgeregt angeht, und die auch für die Standpunkte der Partei wenig Bedeutung haben wird, so die Reichstagsabgeordnete und Valtersson-Anhängerin Maria Ferm. „Beide Kandidatinnen haben große Ambitionen, die Grünen zur dritten politischen Kraft zu machen. Bei uns Grünen ist es außerdem nicht so, dass die Sprecher die Politik steuern, sondern die Linie wird bei den Mitgliedern fortlaufend verankert. Die Mitglieder werden die Politik und die Standpunkte gemeinsam weiterentwickeln, zu diesem Zweck führen wir im Laufe der Legislaturperiode mehrfach und regelmäßig Parteitage durch“, so Maria Ferm.

30 Jahre Löwenzahn

In ihren 30 Jahren auf der politischen Bühne haben sich die schwedischen Grünen von einer Art Sekte für mehr oder weniger weltfremde Umweltfreunde, radikale Kernkraftgegner und Stadtflüchtlinge in Sandalen zu einer Partei für die umweltbewusste Mittelklasse der Großstädte entwickelt. In manchen Stockholmer Innenstadtbezirken konnte die Partei bei der letzten Wahl die meisten Stimmen auf sich versammeln - einer misslungenen Kooperation mit Sozialdemokraten und Linken  zum Trotz. Nun haben die Grünen ganz offensiv einen eigenen Weg eingeschlagen.

Atomkraft untergeordnetes Thema

Während in anderen Ländern – nicht zuletzt Deutschland – das Kernkraftunglück in Japan der Umweltbewegung und auch den Grünen einen akuten Anschub gegeben hat, kann Schwedens Umweltpartei von solchem Ansporn nicht profitieren. Fukushima hat vergleichsweise wenige Reaktionen ausgelöst. Stattdessen resultiert der Erfolg aus einer längerfristigen Trendwende, meint Gustav Fridolin: „Man sieht in der ganzen Welt, dass die grünen Parteien an Gewicht gewinnen. Das liegt nicht daran, dass sich die grünen Parteien verändert hätten, sondern daran, dass die Probleme, die grüne Parteien seit langem ansprechen, den Menschen näher gerückt sind und dass immer mehr Menschen merken, es ist an der Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und etwas zu unternehmen.“

Verhandlungs-Linie

Grüne Werte in allen Politikbereichen, das hat die Umweltpartei mit dem Löwenzahn als Parteisymbol in den letzten Jahren im Reichstag zunächst durch die Kooperation nach links umgesetzt und seit der Wahl im vergangenen Herbst schließt man pragmatische Deals mal mit der Regierung und mal mit den anderen Oppositionsparteien. So stützen die Grünen weite Teile der Steuerpolitik der bürgerlichen Regierung und haben eine Grundsatzübereinkunft über die Einwanderungspolitik getroffen, gleichzeitig hat man gemeinsam mit der Opposition wichtige Arbeitsmarktfragen im Reichstag abgeschmettert.

Vorbild Deutschland

Das Ziel für die Zukunft ist, nicht nur auf Themen zu reagieren, sondern auch die Tagesordnung mitbestimmen zu dürfen. In den letzten Wochen haben grüne Politiker sogar erstmals erwähnt, dass eine voll-grüne Regierung durchaus in den Rahmen angestrebter Ziele fällt. Die grün geführte Regierung in Baden-Würtemberg mag da Inspiration sein, auf jeden Fall ist deutsche Umweltpolitik generell den schwedischen Grünen ein Vorbild. Nochmals Gustav Fridolin: „In Deutschland arbeiten heute mehr als zwei Millionen Menschen in der Umwelttechnikbranche. Das sind mehr als die Mitarbeiter in der Automobilindustrie. In Deutschland hat man bewusst begonnen, die Gesellschaft umzustellen, das ist das Ergebnis. Man hat Systeme geschaffen, die das Heranwachsen umweltgerechter Technologien und Unternehmen begünstigen, solche Systeme müssen wir in Schweden auch schaffen.“ 

Luise Steinberger

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