Kernkraft

Vattenfall schlechtester Kernkraft-Erzeuger Europas

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Die vom staatlichen schwedischen Energieunternehmen Vattenfall betriebenen Kernkraftwerke haben den niedrigsten Standard in ganz Europa. Laut einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA waren die Vattenfall-Reaktoren in Schweden und Deutschland in den Jahren 2009 und 2010 nur zu 55 Prozent nutzbar. Verantwortlich für die schlechte Bilanz waren Sicherheitsmängel, die häufig Abschaltungen mit sich führten.

Das Schwedische Fernsehen ist die jüngste Statistik der IAEA über die 27 europäischen Reaktor-Betreiber durchgegangen. Fazit: Einsames Schlusslicht ist Schwedens Energieriese Vattenfall. In den beiden vergangenen Jahren schöpften die hiesigen zehn Reaktoren nur gut die Hälfte ihrer Kapazität aus. Die AKW Forsmark und Ringhals durchliefen zu diesem Zeitpunkt umfassende und langwierige Modernisierungen. Horrende Strompreise waren die Folge. 

„Selbstverständlich war unser Betrieb der Kernkraftwerke nicht zufriedenstellend“, räumt Generaldirektor Øystein Løseth ein. „Mir sind die Zahlen bekannt, und Vattenfall hat nur ein einziges Ziel: dass wir besser werden.“

Um zur Konkurrenz aufzuschließen, hat Vattenfall noch einen weiten Weg vor sich: Tabellenführer ist der finnische Betreiber TVO, dessen Reaktoren bis auf kürzere Unterbrechungen im Sommer mit voller Kraft arbeiteten. Die Nutzung lag damit bei 94 Prozent. Mit immerhin noch rund 70 Prozent Reaktornutzung konnten sich die deutsche RWE, British Energy und die französische EDF brüsten. Nur 64 Prozent erreichte der britische Atomkraft-Erzeuger Magnox, der eine Reihe ältere Reaktormodelle betreibt und sich dennoch deutlich vor Vattenfall platzieren konnte.

Betreiberfragen ins Hintertreffen geraten

Auch in Deutschland blickt Vattenfall mit den Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel nicht gerade auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Laut führender schwedischer Kernenergieexperten gibt es einen gemeinsamen Nenner bei den Problemen in Deutschland und Schweden. 

„Von Leitungsseite hat man sich zu wenig auf Betreiberfragen konzentriert“, meint Lars G Larsson, der als jahrelanger Berater Vattenfalls Einblick in die Unternehmensstruktur gewonnen hat. „Vattenfall hat der Wirtschaftlichkeit, dem Markt und dem Ausbau des Unternehmens mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dann auch noch zu kontrollieren, dass der Betrieb reibungslos läuft, hat man offenbar nicht bewältigt.“ 

Um den gravierenden Problemen beizukommen, hat die oberste Leitung unter den Chefs aufgeräumt und will damit Ordnung in den Kernenergie-Zweig bringen. In Deutschland kam der Bescheid über den endgültigen Ausstieg, bevor sich Vattenfall mit Eon auf eine Übernahme Krümmels einigen konnte. Das staatseigene Unternehmen rechnet mit Milliarden-Ausfällen. 

Generaldirektor Løseth weist die Verantwortung von sich: „Eine Reihe unglücklicher Umstände hat dazu geführt, dass wir aus der Negativspirale nicht herausgekommen sind. Das bedeutet, dass wir auf andere Lösungen angewiesen sind.“

Liv Heidbüchel