Wolfpolitik

Ausgesetzte Lizenzjagd sorgt für Kritik

„Lizenzjagd nur vorläufig ausgesetzt"
2:53 min

Der Regierungsbeschluss vom Mittwoch, die Lizenzjagd auf Wölfe in diesem Winter auszusetzen, ist bei Schwedens Jägern und Viehzüchtern auf ein erwartbar negatives Echo gestoßen. Auch Umweltminister Andreas Carlgren selbst scheint unzufrieden damit, der EU-Kommission klein beigeben zu müssen. Daher plant die Regierung nun, zum Ausgleich die Schutzjagd auszuweiten.

Naturschützer haben sich möglicherweise zu früh gefreut. Zwar wird es zunächst keine Lizenzjagd geben und damit eine feste Abschussquote, doch die Bestimmungen für die Schutzjagd sollen im Gegenzug deutlich gelockert werden. Um Strafen von Seiten der kritischen EU-Kommission zu umgehen, hat sich Umweltminister Andreas Carlgren zu dem Beschluss durchgerungen. Dem angedrohten Verbot einer Lizenzjagd in diesem Winter kam der Minister damit zuvor. Dazu sagte Carlgren im Schwedischen Rundfunk: 

„Hätten wir die Lizenzjagd jetzt nicht ausgesetzt, hätte die Kommission das Ruder übernommen. Dies hätte uns vor erhebliche Probleme gestellt. Nun wollen wir zum einen die Voraussetzung dafür schaffen, dass die Entscheidungsgewalt in Schweden bleibt und nicht nach Brüssel verlagert wird. Zum anderen wollen wir die generelle Möglichkeit zur Jagd behalten. Die Aussetzung der Lizenzjagd ist nur vorläufig. Von 2013 an soll die lizensierte Jagd wieder möglich sein.“

„Vorsichtig optimistisch" 

Der schwedische Naturschutzbund sieht das Einlenken Carlgrens dennoch als deutliches Entgegenkommen, erklärt Oscar Alarik, Umweltjurist bei der Organisation. „Es gibt nach wie vor ein paar dunkle Wolken am Horizont. Trotzdem sehen wir die Entscheidung der Regierung als Öffnung nach Jahren des Stillstands in der Wolffrage. Die Wolfgegner haben sehr viel bekommen, die Wolfschützer hingegen recht wenig. Wir freuen uns und sind vorsichtig optimistisch.“ 

Bei der Interessenvertretung der Bauern fiel die Reaktion negativ aus. Es sei „äußerst bedauerlich“, dass die EU-Kommission Schweden zu einem Abweichen von ihrer Raubtierpolitik gezwungen habe, die breite Unterstützung im schwedischen Reichstag genieße, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Bauernverband hofft nun auf eine umfassende Schutzjagd, so dass die erlittenen Verluste insbesondere der Schafzüchter minimiert werden.

Wolf des Jägers größte Konkurrenz

Auch der Jägerverband reagierte wenig begeistert auf die Aussicht, in der kommenden Jagdsaison nur mit Sondergenehmigung besonders störende Wölfe erlegen zu dürfen. Magnus Bjernered ist Jäger in Värmland, wo die Wölfe seiner Meinung nach immer zahmer und damit zur Belastung für die Bevölkerung werden. 

„Ich bin auf jeden Fall für eine Lizenzjagd, denn ich bin bei meiner Jagd mit dem Hund ja eingeschränkt. Der Raubtierdruck ist in Värmland heute schon viel zu groß. Jagen ist mein Hobby, und wenn ich in den Wald ziehe, spielt es schon eine Rolle, ob dort viele Wölfe sind oder nicht.“ 

Seitens der EU-Kommission begrüßt man Schwedens Einlenken und die Einführung eines Lizenzjagdstopps in der kommenden Saison. Ob die schwedische Regierung eine ausgeweitete Schutzjagd durchführen dürfe, bleibe jedoch noch abzuwarten, sagte der Kommissions-Pressechef in Schweden dem Schwedischen Rundfunk.

Liv Heidbüchel

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