Geplatzte Wasserleitung: Nur 80% des gereinigten Wassers in Schweden erreicht den Konsumenten, 20% gehen unterwegs verloren. So manch unerwünschte Bakterien und Viren gelangen dabei auch in die Leitung hinein. (Foto: Fredrik Persson/Scanpix)
Steigender Wasserbedarf

World Water Week in Stockholm eröffnet

„Zur Armutsbekämpfung müssen wir die Wasserfrage lösen"
2:33 min

Unter dem Motto „Wasser in einer urbanisierten Welt“ ist die World Water Week in Stockholm eröffnet worden. Bis zum kommenden Sonntag werden Forscher, Wirtschaftsfachleute und Politiker aus aller Welt den brennenden Fragen nach der Wasserversorgung der Zukunft nachgehen.

Stockholm Water Institute, das die Veranstaltung seit nunmehr 20 Jahren ausrichtet, schlägt Alarm – und steht mit seinen Befürchtungen kaum allein da: Wasser ist eine begrenzte Ressource, in vielen Gegenden der Welt ist die Grenze bereits überschritten, betont der Direktor der Weltwasserwoche, Jens Berggren, gegenüber Sveriges Radio International. Insgesamt vier Jahre lang widmet sich die Weltwasserwoche dem Thema, wie auf globale Veränderungen reagiert werden kann. In diesem Jahr bildet die Urbanisierung den Schwerpunkt. 

„Die Welt wird immer städtischer. Inzwischen wohnen, global betrachtet, mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Diese Entwicklung wird sich explosionsartig fortsetzen, meinen Experten. Das zukünftige Bevölkerungswachstum wird zu 95 Prozent in den Städten stattfinden. Deshalb richten wir dieses Jahr unser Hauptaugenmerk auf die Städte und ihre Wasserversorgung.“ 

Zusammenhang zwischen Wassermangel und Armut 

Nur drei Prozent des Wassers auf der Erde sind Süßwasser, zwei Drittel davon sind in Gletschern gebunden. Der Organisation Water Aid Schweden zufolge haben eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. 2,6 Milliarden leben ohne Sanitäranlagen. Viertausend Kinder sterben täglich an Durchfallerkrankungen, hervorgerufen durch verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygiene. 

Schwedens Entwicklungshilfeorganisation Sida hat die Gelder zur Verbesserung von Wasserqualität und Hygiene in den vergangenen Jahren deutlich zusammengestrichen. Statt 60 Millionen Euro im Jahr 2009 wurden 2010 nur noch 30 Millionen für diesen Bereich veranschlagt. Weltwasserwochen-Direktor Jens Berggren bedauert diese Entscheidung. 

„Weil das Wasser in so vielen Teilen unseres gesellschaftlichen Lebens eine große Rolle spielt, bedeutet ein sicherer Zugriff auf Wasser, dass wir uns anderen Zielen widmen können. Wer sich um die Wasserbeschaffung nicht zu sorgen braucht, hat Kapazitäten frei, um sich für demokratische Tätigkeiten zu engagieren oder auch einfach einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Reines Wasser verringert die Gefahr, krank zu werden. Kranke können zu Hause besser betreut werden. Wenn wir uns stärker auf die Lösung der Wasserfrage konzentrieren würden, könnten wir viel für die Armutsbekämpfung tun und damit mehr für eine bessere Welt.“

Liv Heidbüchel/Ingrid Forsberg

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