Nach Urteil gegen Saab

Muller kämpft mit Rücken zur Wand

3:05 min

Saab wird am Montag offiziell die Berufung gegen die Ablehnung des Gläubigerschutz durch das Amtsgericht Vänersborg einreichen. Während sich Unternehmenschef Victor Muller trotz dieses Rückschlages kämpferisch gibt, sehen weite Teile der schwedischen Öffentlichkeit den Kampf um die Traditionsmarke als verloren an. Derweil hat Muller offenbar auch Probleme mit dem Gerichtsvollzieher. Der Gerichtsvollzieher hat stark auf Äußerungen des Saab-Chefs reagiert, dass Geld für die Auszahlung von Löhnen offenbar vorhanden sei. Entlastung kommt derweil von den Gewerkschaften, die offenbar auf einen Konkursantrag verzichten – vorerst.

„Mach dem Leiden ein Ende, Muller“, titelte die größte Tageszeitung Dagens Nyheter am Freitag nach der Entscheidung des Amtsgerichts von Vänersborg, dem Antrag von Saab auf ein Konkursverfahren unter Gläubigerschutz nicht stattzugeben. Nach fünf Monaten Produktionsstopp, nicht bezahlten Rechnungen und ausgebliebenen Löhnen scheint das Ende nahe für die Traditionsmarke, auch wenn Unternehmenschef Viktor Muller nicht aufgeben will, wie wer gegenüber dem Schwedischen Fernsehen erklärt:

„Wir sind bei Plan C, weil Plan B nicht geklappt hat. Und falls die Berufung nicht klappt, haben wir Plan D. Wir haben mit dieser Entscheidung nicht gerechnet. Unserer Meinung nach haben wir einen angemessenen Antrag eingereicht. Das Gericht sah das anders. In der Berufung werden wird noch genauer beschreiben, was wir vorhaben, damit das nicht wieder passiert. Dann sehen wir weiter.“

Gericht nicht überzeugt

Viktor Muller gibt nicht auf. Doch der rettende Strohhalm ist weit weg. So hat es auch das Amtsgericht gesehen. Die von Saab vorgelegten Sanierungsmaßnahmen haben nicht überzeugt, außerdem sei auch erkennbar, dass die Rekonstruktion aus dem Jahr 2009 nicht wirklich funktioniert habe, so das Gericht.

Entlastung kommt unterdessen von Seiten der Gewerkschaften. Die teilten nach längerer Beratung am Freitagnachmittag im Schwedischen Rundfunk mit, dass sie wegen der ausgebliebenen Augustlöhne zunächst nicht den Konkurs gegen Saab beantragen wollen.

Zuvor hatte Muller angedeutet, dass Geld für die Auszahlung von Löhnen da sei. Diese Ankündigung verwundert dagegen das Amt für Betreibung „Kronofogden". Gerichtsvollzieher Hans Ryberg fragt sich, woher dieses Geld kommen solle.

„Die Frage habe ich früher gestellt und da wurde gesagt, dass man kein Geld habe" erklärt Ryberg gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Falls es sich wirklich um Geld handele, dass die Saab-Leitung dem Gerichtsvollzieher vorenthalten habe, muss Muller mit einer Gefängnisstrafe rechnen, so Ryberg. Denn schon seit Monaten steht Kronofogden mit Saab in Verbindung, um die Forderungen der Zulieferer begleichen zu können. Wenn also Geld da ist, so hat Muller darüber gar keine Kontrolle mehr und kann nicht entscheiden wer wie viel ausbezahlt bekommt.

Muller bleibt nur noch die Hoffnung, doch noch den Gläubigerschutz zu erreichen. Am Montag wird Saab offiziell die Berufung einreichen. Innerhalb von drei Wochen muss der Fall dann dem Oberlandesgericht vorliegen. Rechtsexperten wie die Dozentin für Zivilrecht an der Handelshochschule in Göteborg, Maria Karlsson-Tuula, sehen jedoch kaum Chancen für Saab:„Ich will der Prüfung des Oberlandegerichts nicht vorgreifen, aber es sieht nicht gut aus, weil das Amtsgericht in seinem Urteil sehr deutlich ist."

Saab braucht dringend Geld und zwar sehr viel – und das ist in weiter Ferne. Eventuelle Investoren in China sind zwar in Aussicht, doch ist nicht sicher, ob die chinesische Regierung dem Geschäft zustimmt und wie lange ein Bescheid aus Peking auf sich warten lassen wird. Darüber hinaus wären die in Aussicht gestellten 250 Millionen Euro auch nur eine Übergangslösung, weil Saab zurzeit wegen des eingebrochenen Absatzes kaum eigenes Geld verdient, sondern immer mehr Schulden macht.

Dieter Weiand