Allgemeines Wahlrecht für Frauen 90 Jahre

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In aller Stille jubiliert das Frauenwahlrecht. Vor 90 Jahren durften mündige Schwedinnen zum ersten Mal ihre Stimme bei Parlamentswahlen abgeben. 1919 hatten sie das Wahlrecht erhalten und 1921 konnten dann endlich an die Urnen treten. Damit hatte Schweden als letztes skandinavisches Land das Frauenstimmrecht eingeführt.

Dem Wahlrecht für Frauen war ein Kampf über vier Jahrzehnte vorausgegangen. Bereits 1884 hatte der Liberale Fredrik Borg erstmals im Parlament einen Antrag auf das Stimmrecht für Frauen gestellt.

Anfang des 20. Jahrhunderts begannen immer mehr Schwedinnen, sich zu organisieren, und 1903 bildeten liberale und sozialdemokratische Frauen einen „Landesverein für das politische Frauenwahlrecht“ (Landsföreningen för kvinnans politiska rösträtt). 1907 erweiterten sie ihre Forderung nach dem Stimmrecht: Frauen sollten auch wählbar sein.

Kaum Unterstützung durch Männer

Damals hatten auch nicht alle Männer in Schweden das Stimmrecht. Wer nicht über das nötige Einkommen oder ein Vermögen verfügte, durfte auch nicht wählen.

„Es gab zwar schon 1880 Frauen, die bereit waren, gemeinsam mit den Männern zu kämpfen. Aber bei weitem nicht alle Männer wollten auch für die Sache der Frauen eintreten“ erläutert Josefin Rönnbäck von der Technischen Universität Luleå. „Damals war noch nicht selbstverständlich, dass Frauen und Männer dieselben Rechte und Pflichten haben.“

Meistens Mittelschicht

Rönnbäck hat ihre Dissertation über die Erlangung des Frauenwahlrechts geschrieben und nennt die Namen der wichtigsten Frauenrechtlerinnen: „Signe Bergman war eine aufrechte Vorkämpferin. Anna Wittlock, eine Lehrerin, die der Bewegung vorstand, intellektuell argumentierte und warb, war außerdem auch hinter den Kulissen tätig. Namhaft ist auch die Schriftstellerin Elin Wägner.“

Die Feministinnen gehörten zum großen Teil zur gebildeten bürgerlichen Mittelschicht. Aus der Arbeiterklasse kamen nur einige wenige: „In dem Teil der Frauenbewegung, den ich untersucht habe, stammten die meisten Frauen aus der Mittelschicht“, so Rönbäck. „Auch wenn das Spektrum insgesamt breiter war. Die größte Berufsgruppe waren Lehrer.“

Zu ihnen gehörte auch Selma Lagerlöf, die später eine der berühmtesten schwedischen Schriftstellerinnen und Nobelpreisträgerin wurde.

Verlust der Spitzenposition

40 Jahre dauert der Kampf, bis Frauen das Stimmrecht bei Reichstagswahlen hatten und selber wählbar waren. Danach dauerte es fast noch einmal 40 Jahre, bevor sie in der Politik auch auf die vordersten Ränge kamen. „Bis Schweden eine gleichberechtigte Repräsentation im Parlament erreicht hatte, vergingen also insgesamt ungefähr 70 Jahre. Inzwischen hat sich das Bild wieder gewandelt. Die skandinavischen Länder gelten im Bereich Gleichberechtigung ja oft als beispielhaft, aber ich glaube nicht, dass wir heute noch zur Spitzengruppe gehören.“

Frauenwahlrecht im Norden

- Finnland führte 1906 als erstes europäisches Land das Wahlrecht für Frauen ein.

- 1913 erhielten Norwegerinnen das Wahlrecht

- 1915 gewährten Dänemark und Island den Frauen Wahlrecht.

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