Neue Studie

Kinder oft zuverlässige Zeugen

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Kinder im Alter von 7 bis 8 Jahren sind häufig zuverlässigere Augenzeugen als bisher gemeinhin angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie an der Universität im südschwedischen Lund. Wichtig sei es jedoch, dass dabei die richtige Interviewtechnik zur Anwendung komme, so die Verfasserin der Studie gegenüber dem Schwedischen Rundfunk.

Es ist die erste Studie in Schweden über das Verhalten von Kindern bei Zeugenaussagen. Die Psychologin Gunilla Fredin räumt dabei mit bisher gehegten Vorurteilen auf. „So junge Kinder mit sieben, acht Jahren können sehr genaue Angaben machen", stellt die Forscherin fest. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, müssten Kindern, die Zeuge eines Verbrechens geworden sind, die richtigen Fragen auf richtige Art und Weise gestellt werden, so Fredin: „Kinder möchten gerne helfen. Wenn man zwei Alternativen vorgibt, glauben sie, dass der Erwachsene erwartet, dass eine davon zutrifft. Kinder sind sehr suggestiv. Deshalb muss man beim Interview vorsichtig sein, dass sie nichts von Erwachsenen aufschnappen."

Sparsam, aber korrekt

Gunilla Fredin hat selbst 16 Jahre bei der Polizei gearbeitet und an der Polizeihochschule unterrichtet. Sie hat drei Altergruppen untersucht: 7- bis 8-Jährige, 11- bis 12-Jährige und Erwachsene. Dabei haben die Erwachsenen die Realität häufig ausgeschmückt, und auch die 11- bis 12-Jährigen erwiesen sich nicht als sehr zuverlässig, so Fredin: „Sie waren sehr von ihren Angaben überzeugt, obwohl sie häufig nicht korrekt waren. Die 7- bis 8-Jährigen machten nicht so viele Angaben, aber die waren korrekt."

Den Zeugen selbst erzählen lassen

In Schweden kommt heutzutage eine so genannte sequentielle Zeugenkonfrontation zur Anwendung. Dabei werden dem Zeugen immer wieder die gleichen Bilder vorgelegt. Diese Methode weist allerdings Mängel auf, denn die Hälfte der in der Studie untersuchten Personen gaben dabei Unschuldige an. Gunilla Fredin möchte, dass man besser auf die Zeugen eingeht und offene Fragen stellt. „Man sollte vorsichtig mit dieser kognitiven Verhörsmethode sein und damit beginnen, dass der Zeuge selbst erzählen soll, bevor man zu konkreten Fragen übergeht."

Dieter Weiand