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GPS ortet Kindergartenkinder

Aktualisiert 14:50
Die Datenschutzbehörde (DI) will sich mit der elektronischen Überwachung von Kindern in Kindertagesstätten befassen. Das hat der DI-Jurist Jonas Agnvall angekündigt. Schwedische Kitas statten die Kinder zunehmend mit GPS-Sendern oder anderen virtuellen Überwachungsmöglichkeiten aus. Agnvall sagte der Nachrichtenagentur TT, seine Behörde habe bisher nur die Überwachung von Erwachsenen, nicht aber die von Kindern diskutiert. Eine Untersuchung erscheine "interessant".

Pär Ström von der Gedankenschmiede "Den nya välfärden" gab sich in der Frage gespalten. Einerseits biete die Überwachung in manchen Situationen praktische Vorteile. Andererseits würden die Kinder "schon enorm früh an ständige Überwachung gewöhnt". Zudem könne sich das Personal in "falscher Sicherheit wiegen", so Ström.  Unter den Eltern scheint sich erst langsam eine Diskussion dieser Überwachungsmaßnahme anzubahnen.

Zwischen 100 und 150 Vorschulen ziehen den Kindern inzwischen Reflexwesten mit dazugehörigen Radiosendern an.

Falls ein Kind sich aus einem vorher definierten „Sicherheitsbereich“ entfernt, schlägt ein elektronisches System bei den Erziehern Alarm. Das Gerät funktioniert ähnlich wie eine elektronische Fußfessel.

Elektronische Leine


Das Signal aus der Weste hat eine Reichweite von bis zu 1500 Metern. „Wenn ein Kind sich im Wald verlaufen sollte, kann man auf ein paar Meter genau orten, wo es sich befindet“, erläutert Sven-Erik Karlsson vom Reflexwestenhersteller Momenta das Prinzip. „Der Nachteil des Systems ist eigentlich nur, dass Kinder sich auch gern in Gebäuden verstecken, dann ist ein GPS-Signal nicht immer stark genug zur Ortung.“

Die mobile Vorschule Humlan in Borlänge bringt etwa 20 Kinder in einem Autobus unter und fährt zu verschiedenen Standorten. Humlans Kinder tragen seit zwei Jahren Reflexwesten mit eingeschweißten GPS-Sendern. „Die Sender erhöhen die Sicherheit“, lobt Erzieherin Pernilla Rundqvist. „Trotzdem zählen wir die Kinder selbstverständlich immer wieder durch.“

Bisher hat sich bei Humlan niemand zu weit von seiner Gruppe entfernt. Aber manchmal warnt der Sender schon, wenn ein Kind sich am Rande des Sicherheitsbereichs bewegt.

Arbeitserleichterung

Der Kindergarten Kronprinsens förskola in Malmö will ebenfalls alle Kinder mit GPS-Sendern ausrüsten. Die Leitung betont, dass technische Ausrüstung die Arbeit des Personals niemals ersetzen, wohl aber erleichtern könne.

Auch wenn die Ortung in manchen Fällen nützlich sein mag, stellt sich die Frage, wie frei sich Kinder noch fühlen können, wenn sie stets an der elektronischen Leine gehalten werden. Und wie aufmerksam beaufsichtigt das Personal, wenn ohnehin sicher ist, dass kein Kind abhanden kommt?