Medienaufgebot vor dem Amtsgericht Solna
Urteil in viel diskutiertem Prozess

Freispruch für Ärztin im Sterbehilfe-Fall

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Die Ärztin, die sich wegen der vermeintlichen Sterbehilfe an einem schwerstbehinderten Baby verantworten musste, ist am Freitag freigesprochen worden. Dem Urteil am Amtsgericht Solna bei Stockholm zufolge konnte der Angeklagten eine Straftat nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der Fall, der für enorme Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist damit zumindest vorerst ad acta gelegt.

Untersucht wurde in diesem einzigartigen Fall, ob die Ärztin dem Kind eine Überdosis Betäubungsmittel in der Absicht verabreicht hat, es zu töten - und nicht in der Absicht, Schmerzen zu lindern. Letzteres ist gestattet, selbst wenn auch diese Maßnahme lebensverkürzend wirken kann. Die Ärztin hatte jedoch stets bestritten, das Narkosemittel verabreicht zu haben.

Die vorliegenden Beweise hätten jedoch für eine Verurteilung nicht ausgereicht, heißt es in dem Urteil. So könne nicht nachgewiesen werden, dass die Ärztin das Betäubungsmittel Thiopental gespritzt und damit den Tod des Babys verursacht habe. Weiter stellte das Gericht in Frage, wie hoch die Konzentration des Medikaments gewesen ist.

Staatsanwalt Peter Claesson, der eine einjährige Gefängnisstrafe wegen Totschlags gefordert hatte, reagierte enttäuscht auf die Bekanntgabe. Im Schwedischen Rundfunk sagte er: „Ich kann nur feststellen, dass das Amtsgericht die Analyseergebnisse der Behörde für Rechtsmedizin offenbar nicht als ausreichend zuverlässig betrachtet. Das Amtsgericht kommt da zu einem anderen Schluss als ich. Die Anklageschrift basiert auf den Analyseergebnissen. Als Anwalt muss ich mich auf die Auskünfte der zuständigen Behörde verlassen können."

Ob Claesson gegen das Urteil in Berufung gehen wird, ließ der Anwalt am Freitag offen.

Beim Schwedischen Ärzteverband reagierte man dagegen erleichtert auf das Urteil. Die Vorsitzende, Marie Wedin, erklärte gegenüber Sveriges Radio International: „In medizinischer Hinsicht hat das Urteil keine Konsequenzen. Ärzte sowie anderes medizinisches Personal sind so professionell, dass sie sich von dem jetzigen Fall nicht beeinflussen lassen. Ob sich das Urteil allerdings auf das Vertrauen der Allgemeinheit in die medizinische Versorgung mit ihren unvermeidbaren Fehlern auswirkt, bleibt abzuwarten. Eine Entwicklung wie in den USA, wo man zur Polizei geht, wenn man sich falsch behandelt fühlt, gilt es zu vermeiden."

Langwieriger Prozess

Der Fall hatte für erhebliches Interesse in Medien und Öffentlichkeit gesorgt. Vor eineinhalb Jahren war die als erfahren geltende, heute 57-jährige Ärztin wegen mutmaßlicher Sterbehilfe angeklagt worden. Bereits im September 2008 war das drei Monate alte Mädchen, das 15 Wochen zu früh geboren worden war und an schweren Gehirnschäden litt, auf der Intensivstation des Astrid-Lindgren-Krankenhauses gestorben. Die auf Wunsch der Eltern durchgeführte Obduktion hatte eine Überdosis des Betäubungsmittels Thiopental nachgewiesen, die zum Tod des Kindes führte.

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