Comeback des Straight-Edge

Hardcore aus der Veganerszene – Refused spielt wieder auf

4:54 min

13 Jahre nach ihrer Auflösung gibt die schwedische Hardcore-Punk-Band Refused ihr Comeback. Die außergewöhnliche Band aus dem nordschwedischen Umeå wird unter anderem im Frühjahr in Berlin und im Sommer in August in Göteborg auftreten. Die Erwartungen bei den Fans sind nach ersten Gerüchten eines Revivals riesig.   

Sie waren bekannt für ihren harten, kompromisslosen Sound, ihre provozierenden Auftritte und ihre Texte ohne Respekt und Anstand. Na klar, könnte man meinen: „irgendsoeine Drogenpunkband aus England oder Kalifornien“. Doch das ist ein Trugsschluss. Refused haben ihren Ursprung in der Veganerszene im nordschwedischen Umeå – mit einem ökologisch ausgeglichenen Leben ohne Drogen, ohne Fleisch und mit reichlich Kapitalismus- und Gesellschaftskritik als Hintergrund.

Refused hatten Legendenstatus, wie Evelina Burström, bestätigt. Die Unterhaltungsredakteurin der Tageszeitung Västerbottens-Kuriren in Umeå hat die Karriere der Band begleitet: „Für ein paar Jahre in den 1990er Jahren hatten sie die Augen der ganzen Welt auf sich gerichtet. Sie spielten mit Hardcore in einem Genre, das es schon gab, aber sie haben dieses Genre tiefgreifend verändert, ja revolutioniert. Sie waren sehr kreativ mit der Gestaltung ihrer Musik. Das haben andere Bands nie erreicht – weder vorher oder nachher. Aber sie waren auch ein Name in der Jugendkultur. Die Texte waren sehr politisch. Das ist eigentlich nicht Neues. Ungewöhnlich war nur, dass so eine Band so populär wurde.“

In den 1990ern war Umeå die Hochburg der Veganer nicht nur in Schweden sondern ganz Europas. Refused hat dieses Milieu in sich aufgesogen und der Bewegung neuen Schwung gegeben, wie Burström feststellt: „Es ist schwer zu sagen, was zuerst da war. Aber die Hardcore-Szene hat die Veganer-Bewegung und die Straight-Edge-Kultur beeinflusst.  Das gab es alles vor Refused, aber sie haben erst das Feuer richtig entfacht und lösten vor allem hier in Umeå eine richtige Welle aus, die man auch heute noch spürt.“

Stecker raus

Straight-Edge, die Subkultur, die den Punk mit der Veganer- und Ökobewegung sowie dem Anarchismus verbindet, war die Botschaft von Dennis Lyxzén, Kristoffer Steen, Jon Brännström und Davis Sandström. Genauso dramatisch wie ihre Musik,  war auch das Ende von Refused im Jahr 1998. Bei einem Auftritt in den USA, wo unter anderem der umstrittene Titel „Rather be Dead“ gespielt werden sollte, platzte die Polizei mitten ins Konzert und zog den Stecker raus. Aus.

Seitdem herrschte bei Refused Totenstille. Schuld an der Auflösung war jedoch nicht das Einschreiten der Polizei, so Burström: „Das waren wohl interne Streitigkeiten, die dazu geführt haben. Sie waren viel auf Tour und waren müde und überdrüssig. Es hat einfach nicht mehr miteinander geklappt.“

Wollen noch besser werden

Jetzt, nach über 13 Jahren und viel Geheimnistuerei, feiert die Band ihre Wiederauferstehung. Vor allem Leadsänger Dennis Lyxzén hatte in der Zwischenzeit Erfahrungen mit anderen Bands wie etwa The International Noise Conspiracy gesammelt. Die Erwartungen jetzt an die wieder auferstandenen Refused sind hoch, nicht nur bei Evelina Burström.

„Sie haben gesagt, dass sie ihrem Erfolgsalbum „The Shape of Punk to Come“ gerecht werden wollen. Dass das Album, als es herauskam nicht so gut wurde, wie sie es eigentlich wollten. Und jetzt meinen sie, dass sie das Album so spielen können, wie es eigentlich ist. Das wäre schon super.“

Geplant sind Auftritte unter anderem in San Francisco, New York, Berlin, Mailand und auf dem Way Out West-Festival im August in Göteborg. Das sind zum Teil große Gigs, die zuvor nicht so sehr das Metier von Refused waren. Die Band bevorzugte kleinere Clubs, wo sie die Fans auf ihren Konzerten so richtig mitreißen konnte. Jetzt also der Schritt ans große Publikum Allein die Nachricht der Reunion lässt die Herzen alter und neuer Refused-Fans wieder schneller schlagen.

Dieter Weiand


Tourneedaten

13. April: Coachella Music Festival, Indio Kalifornien

18. April: The Warfield, San Fransisco, Kalifornien

20. April: Coachella Music Festival, Indio Kalifornien

23, April: Terminal 5, New York

27. April: Monster Bash, Berlin

29. April: Groezrock, Meerhout, Belgien

4. Juni: Arena Fiera Di Rho, Mailand

9. August: Way Out Festival, Göteborg

10. August: Öya Festival, Oslo

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