Kontroverser Vorschlag

Blitz-Ausbildung ohne Theorie für Schulmüde?

Um potenzielle Schulabbrecher zum Verbleib in der Gymnasialschule zu bewegen, hat Bildungsminister Jan Björklund einen umstrittenen Vorschlag präsentiert. Demnach soll die Gymnasialschule nach der neunjährigen obligatorischen Grundschule kurze Kurse anbieten, die ausschlieβlich auf die Vermittlung praktischer berufsbezogener Kenntnisse ausgerichtet sind und keine theoretischen Fächer enthalten. Ein entsprechender Vorschlag liege derzeit dem Bildungsministerium vor, sagte der Minister dem Schwedischen Rundfunk.

Hintergrund ist die hohe Zahl von Schulabbrechern in Schweden. Etwa ein Viertel der Schüler verlässt die dreijährige Gymnasialschule ohne Abschluss und somit ohne nennenswerte Chance auf dem Arbeitsmarkt. Nach einer Einschätzung der OECD aus dem Jahr 2010 ist die hohe schwedische Jugendarbeitslosigkeit , die gegenwärtig bei 21 Prozent liegt, zu weiten Teilen auf Versäumnisse des Bildungssystems zurückzuführen. Laut Björklund könnte eine praktische halb- bis einjährige Ausbildung mit Berufsschulabschluss den Jugendlichen neue Jobmöglichkeiten bieten.

Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Lärarförbundet, Eva-Lis Sirén, kritisierte, mit den vorgeschlagenen Ausbildungswegen gewännen junge Menschen keine Konkurrenzkraft auf dem Arbeitsmarkt. Ziel müsse stattdessen eine bessere Motivierung der Schulmüden sein. Jan Björklund seinerseits warnte davor, eine bestimmte Gruppe von Schülern aus ideologischen Gründen zu opfern. Nicht alle Berufe erforderten eine akademische Ausbildung, sagte der Minister. Wenn man unter Verweis auf den Gleichheits-Gedanken auf drei Jahren Gymnasialschule für alle bestehe, treibe man stattdessen viele in eine "groβe Isolation".