Kampf für gleiche Arbeitsbedingungen

Ikea-Angestellte gründen globale Gewerkschaft

Die Mitarbeiter des schwedischen Möbelriesen Ikea machen mobil. In einer gemeinsamen, weltumspannenden Gewerkschaftsallianz wollen sie für gleiche Arbeitsbedingungen auf allen Märkten kämpfen. Liv Heidbüchel berichtet.

Akzeptable Arbeitsverhältnisse bei umweltbewussten Zulieferern - das fordert Ikea bei der Herstellung der Produkte, nachzulesen auf der Homepage des Multikonzerns. Bei den Arbeitsbedingungen innerhalb der eigenen Filialen driften die Vorstellungen davon, was akzeptabel ist, offenbar auseinander. Während die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und dem Unternehmen hierzulande und auch bei den skandinavischen Nachbarn ohne Weiteres funktioniert, stoßen Arbeitnehmervertreter in anderen Ländern auf starken Widerstand.

Beispiel Türkei: Voraussetzung für einen Tarifvertrag ist dort, dass mehr als die Hälfte der Angestellten Gewerkschaftsmitglieder sind. Diese Zahl ist aber nur schwer zu erreichen, weil den gewerkschaftlich Aktiven härtere Schichten drohen und Beförderungen in weite Ferne rücken. Auch sind schon Mitglieder gekündigt worden, erklärt Eyüp Alemdar von der Gewerkschaft Koop-Iş im Schwedischen Rundfunk. „Das Signal an die Angestellten ist eindeutig: Wenn ihr der Gewerkschaft beitretet, riskiert ihr euren Job. Die Leitung hat auch klar gemacht, dass sie keine Gewerkschaft am Arbeitsplatz wünscht."

David Eklind ist bei der Einzelhandelsgewerkschaft Handels mit internationalen Fragen befasst. Er betont, dass Ikea als global Player mit Niederlassungen in 44 Ländern eine große Verantwortung zukommt. „Genauso wie man in jedem Ikea dieselben Fleischbällchen erwarten kann, muss man sichergehen können, dass sich der Konzern um grundlegende Rechte der Angestellten kümmert. Einem Mitarbeiter steht die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft zu, und die Gewerkschaft darf einen Tarifvertrag aushandeln."

Erste Gespräche

Am Dienstag trafen sich die Vertreter von 20 Gewerkschaften zur Gründung ihrer gemeinsamen Allianz in Istanbul. Die Wahl des Ortes galt als erste Solidaritätsbekundung. Seit 2010 versucht die Gewerkschaft in der Türkei für die rund 1.700 Angestellten der fünf Möbelhäuser des Landes einen Tarifvertrag auszuhandeln.

Für Donnerstag ist ein Bericht der Gewerkschaftsallianz angekündigt, der über die Managementpraktiken beim Möbelriesen aufklären soll. Gleichzeitig soll ein Treffen mit führenden Ikea-Vertretern stattfinden. Die schwedische Pressesprecherin, Ylva Magnusson, reagierte positiv auf die Initiative: „Uns ist wichtig, dass alle Mitarbeiter frei entscheiden können, ob sie einer Gewerkschaft beitreten oder nicht, ohne Angst vor Verwarnungen, Bedrohung oder Verfolgung haben zu müssen."

Liv Heidbüchel/ Katja Magnusson