Urteil vor Arbeitsgericht

Rausschmiss wegen Facebook-Seite nicht rechtens

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Die Kündigung eines Schulrektors wegen seiner auf Facebook veröffentlichten sexuellen Vorlieben war nicht korrekt. Zu diesem Schluss ist drei Jahre später das Arbeitsgericht gekommen. Damit fiel zugleich das erste Urteil in Schweden zur Benutzung von Facebook.

Drei Jahre ist es her, dass Rektor Anders Karlsson seinen Job verlor, weil er auf seiner Profilseite von Facebook mehrere Sexgruppen mit „Gefällt mir“ markiert hatte, darunter einschlägige Seiten wie „Kuscheln danach“ oder „Wir Sexbesessenen“. Dazu hatte Karlsson leichtbekleidet posiert. Das Facebook-Profil des Rektors beinhaltete zwar nichts Pornographisches. Sein Arbeitgeber befand dennoch, dass Karlsson mangelndes Urteilsvermögen an den Tag gelegt und damit eine Vertrauenskrise an der Schule hervorgerufen habe. Karlsson musste gehen. 

Eine Entscheidung, die nicht rechtens war, befand nun das Arbeitsgericht und bestätigte damit das Urteil des Amtsgerichts. Anders Karlsson reagierte im Schwedischen Rundfunk erleichtert: „Ich bin ganz zufrieden. Doch wie ich schon vorher erwartet hatte, bedeutet das Urteil für meine Jobsituation keine einschneidende Veränderung. Ein Stück weit ist es aber dennoch eine Wiedergutmachung.“ 

Umgerechnet knapp 90.000 Euro Schadenersatz muss das Gymnasium seinem ehemaligen Schulleiter nun zahlen. Erstmalig landete mit Rektor Karlsson ein Fall vor dem Arbeitsgericht, in dem geprüft wurde, was für einen Angestellten in sozialen Medien zulässig ist. Viel nackte Haut und die Begeisterung für Sex waren in diesem Fall für eine Kündigung nicht ausreichend.

Für Weg weisendes Urteil noch zu früh

Ronnie Eklund, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Stockholm, erklärte im Schwedischen Rundfunk: „Als Arbeitnehmer muss man seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein. Über seine Freizeit kann man jedoch frei verfügen. Wenn man sich in dieser Zeit Aktivitäten widmet, die in keiner Weise mit der Anstellung zu tun haben, genießt man recht große Freiheiten.“ 

Richtungweisend ist das Urteil aber noch nicht. Weitere Verfahren vor dem Arbeitsgericht sollen mehr Aufschluss darüber bringen, ob auch Personen, die stärker im Licht der Öffentlichkeit stehen in sozialen Medien privater sein dürfen, als es mit ihrer gesellschaftlichen Rolle vereinbar ist. Es wird jedoch voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern, bis entsprechende Richtlinien vorliegen.

Liv Heidbüchel/ Lisa Linder Lindberg