Nicht immer weiß das Arbeitsamt von freien Stellen
Arbeitsmarkt

Arbeitsämter auf Jobsuche

Arbeitsamt auf Arbeitsplatz-Kennlerntour
3:35 min

Das Arbeitsamt in dem einwandererstarken Stockholmer Vorort Spånga-Tensta besinnt sich auf seine Hauptaufgabe, nämlich dem Vermitteln von Jobs. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Arbeitsvermittler überhaupt von freien Stellen im Stadtteil Kenntnis haben. Sie ziehen nun von Unternehmen zu Unternehmen und erkundigen sich nach Anstellungsmöglichkeiten.

Schwedens Arbeitsämter sorgten vor einigen Jahren für Erschütterung, als klar wurde, wie wenige Stellen die zuständigen Sachbearbeiter vermitteln: Eine ganze Festanstellung pro Jahr bewerkstelligte jeder Arbeitsvermittler. Was die Vermittlung jedoch nicht gerade vereinfacht: Viele Firmen und Unternehmer melden sich gar nicht erst mit Jobangeboten beim Arbeitsamt ihres Vertrauens. 

Die Sachbearbeiter haben daher zwar einen guten Überblick über die Arbeitslosen und ihre Qualifikationen, über die verschiedenen Arbeitsplätze will man in Spånga-Tensta aber gern mehr wissen, erklärt Jobvermittler Mahad Malingur gegenüber Radio Schweden: „Wir kündigen uns bei den Firmen an und sagen ‚wir sind's, vom Arbeitsamt'. Wir gehen dorthin, um zuzuhören. Direkt am Arbeitsplatz bekommt man ein gutes Gefühl für die Atmosphäre dort, man sieht die kulturelle Vielfältigkeit, die Arbeitsaufgaben, das Umfeld. Wenn wir vom Arbeitsamt genau wissen, um was für einen Arbeitsplatz und um was für Aufgaben es sich dreht, kann sich der Arbeitgeber darauf verlassen, dass wir ihm die passende Person vermitteln können." 

Erfolgreiche Tour 

Malingur und seine Kollegen sind zufrieden mit der Ausbeute ihrer letzten Tour: Zehn neue offene Stellen, zehn Praktikumsplätze, dazu weitere Kontakte zu Arbeitgebern, die in naher Zukunft mehr Personal benötigen. Ziel des Projektes im Stadtteil Spånga-Tensta ist, an die rund 80 Prozent der Jobs heranzukommen, die gar nicht erst ausgeschrieben werden, sondern direkt durch persönliche Kontakte besetzt werden. Auf ihren Touren umwerben die Arbeitsvermittler nicht zuletzt ihre eigene Behörde, die bei Bedarf auch mit Lohnsubventionen zur Seite steht. Bislang konnte das Arbeitsamt vor allem Jobs in der Gastronomie, aber auch in Zulassungsberufen vermitteln, also etwa in der Apotheke. Der Erfolg gibt dem Arbeitsamt Recht, meint Malingur, und hofft, dass das Beispiel Schule macht. 

Mit 85 % hat der weitaus größte Anteil Arbeitssuchender in Spånga-Tensta Migrationshintergrund. Deshalb hält Mahad Malingur vornehmlich nach solchen Arbeitgebern Ausschau, die an kultureller Vielfalt interessiert sind. Ob die Arbeitslosen die richtige Kompetenz mitbringen, scheint nebensächlich. 

Perfekter Arbeitsplatz gesucht

„Oftmals konzentriert man sich darauf, den richtigen Arbeitssuchenden zu finden, dabei muss man auch den richtigen Arbeitgeber finden, damit es eine runde Sache ist. Das setzt voraus, dass ich den Arbeitsplatz kenne und dass es ein korrektes Unternehmen ist, bei dem es keine Diskriminierung gibt. Dann ist es auch wichtig zu wissen, dass der Arbeitssuchende auch wirklich arbeiten will und nicht dazu gezwungen wird. Wenn jemand nur widerwillig zur Arbeit geht, ist das für keinen schön. Es geht also darum sicherzustellen, dass die richtige Person zum richtigen Unternehmen findet." 

Obwohl viele Jobs vermittelt werden, ohne dass die Arbeitsämter ihre Finger im Spiel haben, ermahnt Mahad Malingur alle, nicht darauf zu warten, dass irgendwann ein Job den Weg zu ihnen finden möge. Wer Arbeit sucht, soll auf jeden Fall den persönlichen Kontakt zu Unternehmen suchen. Die Arbeitsvermittler haben dennoch klare Vorteile, meint Malingur: „Mit den Arbeitsämtern können die Firmen über den Bedarf in einem oder auch zwei Monaten sprechen. Zu einer Person, die hier und jetzt Arbeit braucht, sagt ein Arbeitgeber ja nicht, dass er oder sie vielleicht in drei Monaten jemanden benötigt. Wir denken nicht nur heute und jetzt gleich, sondern auch langfristig."

Liv Heidbüchel/ Kenadid Mohamed/ Anna Nell Florén

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".