LKABs Erzgrube in Kiruna
bergbau

Seltene Mineralien im Abfall

Vision: Iphone mit Rohstoffen aus Lappland
4:28 min

Mit der Ausbeutung seltener Mineral-Vorkommen will der staatliche Konzern LKAB neue Märkte gewinnen. Nachdem die Preise für seltene Rohstoffe allein in den letzten Monaten um 1.000 Prozent gestiegen sind, ist die Gewinnung von Elementen wie Dysbrosium und Ytterbium für den Konzern wirtschaftlich interessant geworden. Denn diese Metalle lagern in den Abfallhalden des Eisenerzabbaus. Doch die Pläne stoßen in Expertenkreisen auf Kritik.

Wenn Per-Erik Lindvalls Diensthandy klingelt, erinnert ihn das gewissermaßen doppelt an seinen Job, denn der Vibrationsalarm funktioniert dank eines Metalls, das sein Arbeitgeber in Nordschweden zuhauf hat. Per-Erik Lindvall ist technischer Direktor beim staatlichen Konzern LKAB.

„Was da im Telefon vibriert, ist der Dysbrosium-Magnet, der ist nur 0,26 Gramm leicht. Und Dysbrosium haben wir, vielleicht vibriert in ein paar Jahren ein Iphone mit Rohstoffen aus Lappland.“

Dysbrosium ist Element Nummer 66 im Periodensystem der Elemente und eines von 17 Metallen aus den sogenannten seltenen Erdelementen, die für die Herstellung von Smartphones, Batterien für Elektroautos und Generatoren für Windkraftwerke benötigt werden. Sie werden unterteilt in zwei Gruppen, in leichte und schwere Metalle, und Dysbrosium ist ein schweres Metall, geringe Mengen reichen aus, um die erwünschte magnetische Wirkung zu erzeugen. In den Abfallhalden der Erzproduktion in Kiruna, Svappavaara und Malmberget lagern ebenjene seltenen Erdelemente, wie Abteilungsleiter Per-Erik Lindvall erklärt:

„Wir wollen unsere Abfallhalden wiederverwerten und aus den Apatit-Resten zwei neue Produkte herstellen. Denn Apatit, Restprodukt der Erzgewinnung, lässt sich zum einem zu einem Rohstoff für die Produktion von Dünger veredeln und zum anderen wollen wir Rare Earth Elements, seltene Erdelemente daraus gewinnen. Unser Vorteil ist, dass wir die Kosten für die Ausbeutung durch die Erzproduktion schon gedeckt haben. Die seltenen Rohstoffe haben wir quasi gratis.“ 

Stetig steigende Nachfrage?

So ist LKAB in einer sehr vorteilhaften Lage. Denn bisher ist China der dominierende Akteur auf dem Weltmarkt der seltenen Erdmetalle. Experten sprechen von 90 bis 97 Prozent der Weltproduktion, und China drosselt den Export zuweilen, was schon die Welthandelsorganisation auf den Plan gerufen hat. Doch inzwischen besinnen sich auch die USA und Australien auf ihre Vorkommen von seltenen Erdelementen, und auch in Schweden wird ein vielversprechendes Vorkommen in Gränna am Vätternsee erkundet. So selten wie der Name vermuten lässt, sind die Metalle nicht. Deshalb warnt der Experte Magnus Ericsson, Professor für Mineralökonomie an der Universität Luleå, vor allzu großen Erwartungen:

„Ich glaube, das wird für LKAB nur ein kleiner Nebenerwerb. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass die Nachfrage nach seltenen Erdmetallen abnimmt. Der Mangel an diesen Metallen wird ziemlich bald behoben sein. In ein paar Jahren ist der Markt gesättigt, weil sich inzwischen viele Unternehmen weltweit damit beschäftigen. Mein Rat an LKAB: untersucht erst mal die Marktlage, bevor ihr damit anfangt.“

Dieser Expertenrat ruft beim Technischen Leiter von LKAB ein süffisantes Lächeln hervor, Per-Erik Lindvall habe gewiss seine Hausaufgaben gemacht, versichert er:

„Dem Kollegen Magnus Ericsson gebührt großer Respekt, er hat Kompetenz auf vielen Gebieten, auf manchen aber eher nicht. Er weiß wohl nicht, wie unsere seltenen Erdmetalle beschaffen sind. Er hat recht, dass die Nachfrage nach leichten Metallen abnehmen wird, wir haben aber schwere Metalle. Und da sieht es zurzeit so aus, dass niemand außer China den Bedarf nach schweren Metallen befriedigen kann.“

Herstellung unklar

Ein weiteres Problem ist die Gewinnung der seltenen Elemente aus der Erde. Sie sind in unterschiedlicher Weise an Oxide gebunden, viele chemische Prozesse sind nötig, um die seltenen Erdelemente zu bekommen. Zudem kann Radioaktivität freigesetzt werden. Auch bei LKAB hat man noch keine endgültige Lösung dafür gefunden. Per-Erik Lindvall erklärt, man sei noch im Erkundungsprozess:

„Wir haben ja noch nicht gesagt, dass wir es machen wollen. Wir sind dabei, die Möglichkeiten zu untersuchen, ein weiteres Geschäftsfeld zu erschließen. Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres weiter sind und genügend Fakten für oder gegen die Gewinnung der Rohstoffe auf dem Tisch haben.“

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