Der Angeklagte Peter Mangs am Montag vor dem Landgericht Malmö. (Foto: Scanpix)
Prozessauftakt in Malmö

Mangs bestreitet Taten

"Es wird Anklage wegen Mordes erhoben"
3:26 min

In Malmö hat am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Serienschützen Peter Mangs begonnen. Er soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zwischen 2003 und 2010 drei Morde und zwölf Mordversuche ausgeübt haben. Mangs erklärte sich zum Auftakt der Verhandlung für nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft legt ihm unter anderem fremdenfeindliche Motive zur Last, da die meisten Opfer Einwanderer waren. Mangs war im November 2010 in seiner Wohnung in Malmö festgenommen worden.

Das Interesse ist groß. Schon früh am Morgen hatte sich eine Schlange vor dem Landgericht gebildet. Hinzu kamen Pressevertreter aus acht Ländern. Es geht um Schüsse, die im Herbst vor eineinhalb Jahren in Malmö dafür sorgten, dass sich viele Einwohner kaum vor die Tür wagten. Bis zum 6. November 2010, als die Polizei den mutmaßlichen Schützen Peter Mangs in seiner Wohnung festnahm. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war dies das Ende einer Verbrechensserie, die sieben Jahre zuvor mit einem Mord im Süden der Stadt begonnen hatte.

Insgesamt 20 Anklagepunkte

Staatsanwältin Solveig Wollstad verliest 20 Anklagepunkte: drei Morde, zwölf Mordversuche, dazu Morddrohungen und die Vorbereitung weiterer Taten. Peter Mangs bestreitet all dies. Er gesteht lediglich zwei Fälle von Sachbeschädigung. In den ersten Stunden der Gerichtsverhandlung fasst Staatsanwältin Wollstad die Fahndung der Polizei zusammen. Dann spielt sie eine Aufnahme von der Festnahme ein. Mangs wird von einem Polizisten angerufen, der erklärt, die Wohnung sei von Sicherheitskräften umstellt. Mangs solle sich ergeben. Am Ende des Gesprächs ist das Geschrei der Polizisten im Treppenhaus zu hören.

Während das Gericht in Malmö am ersten Tag damit beschäftigt ist, die Taten an sich aufzulisten, dreht sich die Diskussion außerhalb bereits um einen weiteren Gesichtspunkt: Die meisten Opfer waren Einwanderer. Schon zum Zeitpunkt der Taten wurde ein rechtsextremer Hintergrund vermutet. Die Staatsanwaltschaft will dies in ihrer Anklageschrift weder bestätigen noch verneinen. In den Verhören beteuerte Mangs, kein entschiedener Gegner von Einwanderung zu sein. Die Journalistin Anna-Lena Lodenius, die sich seit Jahren mit politischem Extremismus beschäftigt, teilt die differenzierte Ansicht der Staatsanwaltschaft:

Fremdenhass als Motiv weiterhin unsicher

„Er hat offenbar rechtsextreme Ansichten. Aber das Motiv der Taten ist keineswegs so deutlich wie etwa bei Anders Behring Breivik. Man kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ihn Fremdenhass zu diesen Taten getrieben hat.“

Peter Mangs selbst hat in den Polizeiverhören erklärt, am Asperger-Syndrom zu leiden, einer milden Ausprägungsform von Autismus. Daher denke er anders als andere Menschen und könne sich auch weniger gut in diese hineinversetzen. Mangs‘ Verteidiger Douglas Norking kritisierte bereits vergangene Woche, dass sein Mandant deutlich zu lange in Untersuchungshaft gesessen habe. Ein früherer Abschluss der Voruntersuchung wäre wünschenswert gewesen.

Der Prozess vor dem Landgericht Malmö soll etwa 25 Verhandlungstage umfassen und im Juli abgeschlossen werden.

Jan Kröger

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