Jeppe Wikström ruft zum weltweiten Dokumentieren auf
Digitales Tagebuch

Schwede bringt weltweite Foto-Doku ins Rollen

„Das waren wir am 15. Mai 2012"
3:05 min

Unter dem Namen „A Day” hat der schwedische Fotograf Jeppe Wikström am heutigen Dienstag weltweit zum Fotografieren aufgerufen. Dokumentiert werden soll damit das Alltagsleben, das Menschen in anderen Teilen der Welt ansonsten verborgen bliebe. Eine Auswahl der Fotos soll in einem Bildband erscheinen und auf eine Wanderausstellung mit Premiere in Schweden gehen.

Schon vor neun Jahren startete der Stockholmer Fotograf Jeppe Wikström ein ähnliches Projekt mit dem Titel „A day in the life in Sweden“ – ein großer Erfolg hierzulande, ebenfalls begleitet mit einem Buch und einer Ausstellung. Der Aufruf von Wikström und seiner Fotografenkollegin Marika Stolpe nun ist um einiges größer. Aus 190 Ländern haben sich bereits Teilnehmer auf einer speziellen Homepage (www.aday.org) registriert, auf der sie ihr ganz besonderes oder auch alltägliches Foto vom 15. Mai hochladen.

Gegenüber Radio Schweden erzählt Jeppe Wikström vom tieferen Sinn des Projektes: „Wir richten uns sowohl an die Gegenwart als auch an die Zukunft. Für die Gegenwart ist es fantastisch zu sehen, wie Menschen auf der anderen Seite der Erde oder auch die Nachbarn leben. Aber auch für die Zukunft ist es interessant, wenn wir die Bilder an kommende Generationen verschicken und zeigen können: ‚Das waren wir am 15. Mai 2012‘.“ 

Unvergessliche Augenblicke 

In vielleicht etwas naiver Manier gehen die Initiatoren davon aus, dass die Teilnehmer seriöse Absichten haben. Nirgends etwa steht auf aday.org, dass man beispielsweise von Anstößigem Abstand nehmen sollte. Wählen können die Fotografen der Welt zwischen den Kategorien „Zuhause“, „Arbeit“ und „Verbindungen“, womit alles von Familie, über Religion, Politik und Technik bis zu Lifestyle gemeint ist. 

Wikström unterstreicht, dass man trotz des Wunsches nach Alltäglichem nicht wahllos drauflos fotografieren sollte: „Kein Augenblick ist unwichtig, und jedes Bild hat eine Bedeutung. Man muss auch absolut kein Profi sein, aber man sollte schon sicherstellen, dass man etwas wirklich Wichtiges schildert, etwas, worüber man sagt: ‚Das ist etwas, was die Menschen in einem anderen Erdteil sehen sollen‘ oder etwas, an das man sich in Zukunft erinnern soll.“ 

Digitalisierung sei Dank 

Auch wenn das Projekt heute weitaus umfassender ist als die auf Schweden begrenzte Aktion, sei dank der Digitalisierung heute alles viel einfacher, betont Wikström: „Damals kamen die meisten Fotos als Dias oder als entwickelte Bilder. Heute ist alles digital, alles wird übers Netz abgewickelt und dort gucken wir die Fotos auch an. Das wird ein großartiger Fotoschatz, mit dem man die Welt und seine Mitmenschen erforschen kann.“ 

Eine Auswahl der Bilder wird in einem Fotoband gesammelt und zunächst im Kulturhaus Stockholm und dem Weltkulturmuseum Göteborg gezeigt. Anschließend geht die Sammlung auf Welttournee. Um diesen Fotoschatz, wie Jeppe Wikström es nennt, auch tatsächlich sicher für kommende Generationen bewahren zu können, gibt es eine Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Stockholm. 

„Ein paar tausend Bilder werden ausgedruckt und zusammen mit dem Ausstellungskatalog und eventuell einer Festplatte in einer Kiste aus Titan und rostfreiem Stahl aufbewahrt, die in die Kupferbergwerke von Falun gebracht wird. Bleibt abzuwarten, ob jemand die Kiste in 500 oder 1 000 Jahren öffnet.“

Liv Heidbüchel/ Olgica Lindquist

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