Voraussetzung für das Arbeitslosengeld: Man muss arbeitssuchend gemeldet sein. Und, man muss eine Versicherung abgeschlossen haben. (Foto: Scanpix)
Soziale Sicherung

Ende des „schwedischen Modells“?

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Die Zuwendungen der sozialen Sicherungssysteme in Schweden sind in den vergangenen fünf Jahren drastisch gesunken. Wie eine Studie im Auftrag des Reichstags ergab, liegt Schweden heute nur noch im Mittelfeld der OECD-Länder. Insbesondere bei der Arbeitslosenversicherung ist das Erstattungsniveau deutlich gesunken. Während die Arbeitslosenversicherung in Schweden im Jahr 2005 noch im Durchschnitt 69 Prozent des Nettoeinkommens eines Industriearbeiters ersetzte, werden Arbeitslosen nur noch durchschnittlich 54 Prozent des Lohns ausbezahlt.

Laut der Leiterin der Studiengruppe, Irene Wennemo, ist es an der Zeit, sich von dem Bild von Schweden als im Bereich der Sozialversicherungen führender Nation zu  verabschieden: „Wir bilden uns oft ein, das schwedische Modell sei unglaublich stark und sehr viel großzügiger als die Systeme anderer Länder. Aber das ist heute nicht mehr so.“

Nur Arbeitslosengeld bei Versicherung

Tatsächlich liegt das Erstattungsniveau der schwedischen Arbeitslosenversicherung heute im Ranking der OECD-Mitgliedsländer nur noch auf Platz 12. Angeführt wird die Liste von der Schweiz, gefolgt von Belgien und Deutschland. Zudem gilt: Arbeitslosengeld erhält in Schweden nur, wer auch tatsächlich eine Versicherung abgeschlossen hat. Und dies sind bei weitem nicht alle, denn es besteht keine allgemeine Versicherungspflicht.    

Auch in der Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung sind die Erstattungsniveaus seit 2005 deutlich gesunken, so die Verfasser der Studie. Grund seien zum Einen, dass der Höchstbetrag nicht an die Einkommensentwicklung angeglichen wurden, zum anderen wurden aber beim Krankengeld auch regelrechte Senkungen durchgeführt. Die bürgerliche Mitte-Rechts-Regierung hatte sich eine Reform der Krankenversicherung auf die Fahnen geschrieben und in den ersten Jahren deutliche Begrenzungen vorgenommen. Ihre These war, dass ein nicht unerheblicher Teil der Krankgeschriebenen mit finanziellen Anreizen ins Arbeitsleben zurückgelockt werden könnten. Daher führte man in mehreren Schritten Steuerfreibeträge für Berufstätige ein, um Arbeit zu prämieren.

Trend besteht seit 20 Jahren

Allerdings, so Irene Wennemo, sei nicht allein die bürgerliche Regierung für das Absacken Schwedens in der Sozialversicherungs-Wohlstandliga verantwortlich: „Zwar hat die drastischste Entwicklung in den letzten fünf Jahren stattgefunden, aber die Grundrichtung deutete sich schon seit langem an.  Das ganze fing eigentlich schon mit der Wirtschaftskrise Anfang der 1990er-Jahre an. Was Arbeitslosigkeit anbelangt müssen wir langsam einsehen, dass wir Schweden schlecht versichert sind.“

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