Schnelle und richtige Hilfe tut oft not (Foto Sjöfartsverket/räddningshelikopter/Scanpix)
Sicherheit auf den Meeren

Seerettung: Ruf nach neuen Regeln

"Mehr hätten von der Estonia gerettet werden können"
3:03 min

Bei einem Schiffsunglück sind statt der Seerettung meist Handelsschiffe zuerst vor Ort. Diese sollten deshalb besser ausgerüstet sein, um in Seenot geratenen Menschen schneller und effektiver helfen zu können. Dies schreiben Vertreter der schwedischen Seerettungsgesellschaft und des Verbandes der Schiffsoffiziere in der Tageszeitung Dagens Nyheter. Sie setzen sich für eine Änderung der internationalen Regeln ein.

Die Kreuzfahrtbranche boomt. Immer mehr Menschen befinden sich auf den sieben Weltmeeren auf großer Fahrt. Die Sicherheitsstandards wurden in der Seefahrt enorm verbessert. Dennoch kann ein Unglück nicht ausgeschlossen werden. Wenn dann in Seenot geratene Menschen dringend schnelle Hilfe brauchen, sind es meist Handelsschiffe, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Der Helikopter oder das Einsatzschiff der Seerettung treten erst später auf den Plan.

Umso wichtiger, dass auch ein Handelsschiff schnell und effektiv bei der Bergung Schiffbrüchiger helfen kann, meint Rolf Westerström von der schwedischen Seerettungsgesellschaft:„Es geht doch darum, möglichst schnell viele Menschen aus dem Wasser zu bergen. Dazu muss man in der Lage sein, ganze Rettungsinseln mit einem Kran hochzuhieven. Und das gibt es heutzutage sehr selten.“

Keine geeignete Ausrüstung

Die meisten Schiffe haben nicht die Ausrüstung, um dies leisten zu können. Auch ist die Mannschaft nicht dafür ausgebildet. Ein schreckliches Beispiel ist der Untergang der Estonia.

Die in der Nähe befindlichen Schiffe tauschten sich per Funk aus, wie sie Rettungsinseln in der damals stürmischen Ostsee zu Wasser lassen sollten. Die See war eiskalt damals im September 1994. Viele Menschen erfroren im Wasser oder in den überschwemmten Rettungsinseln. Über 800 Menschen sind damals ums Leben gekommen. Rolf Westerström ist davon überzeugt, dass mehr Menschen hätten gerettet werden können.

„Es gab erhebliche Probleme. Mit einer besseren Ausrüstung hätte man einen besseren Job machen können“, meint Westertröm. Er will sich mit seiner Organisation und dem Verband der Schwedischen Seeoffiziere für eine Änderung im internationalen Regelwerk der Schifffahrt einsetzen. Es soll festgelegt werden, dass eine angemessene Ausrüstung zur Bergung Schiffbrüchiger an Bord sein muss, und dass die Besatzung eine entsprechende Ausbildung erhält.

Hinderniss Bürokratie

Die technische Durchführung sei eigentlich nicht so kompliziert, meint Westerström. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass die Einführung in ein internationales Regelwerk andere Hürden zu bewältigen hat: „Da ist ja viel Bürokratie im Spiel, wenn alle Länder daran beteiligt sind - und manche meinen, dass diese Regeln nicht nötig sind.“

In der kommenden Woche tagen die Seerettungsorganisationen und -behörden der Welt im westschwedischen Göteborg. Bei diesem zweiten Treffen der International Maritime Rescue Federation (IMRF) wollen die Schweden ihr Anliegen präsentieren. Damit wäre der erste Schritt getan, um die Regeln bei der Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen (IMO) durchzusetzen.

Alexander Gagliano/Dieter Weiand

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