Nicht das Gelbe vom Ei: Konserve (Foto: Leif R Jansson/ Scanpix Schweden)
Nach viel beachteter Studie

Rot-Grün will Schadstoff Bisphenol A ächten

„Die Gefahr wird unterschätzt"
3:00 min

Die rot-grüne Opposition will den hormonellen Schadstoff Bisphenol A in sämtlichen Lebensmittelverpackungen verbieten. Anlass ist eine viel beachtete Untersuchung, bei der sich Versuchspersonen kurzzeitig vor allem von Lebensmitteln aus der Dose ernährten – mit beunruhigenden Folgen.

„Ich hatte mir schon gedacht, dass man etwas sehen würde, aber dass die Auswirkungen so groß sind, hat mich überrascht“, so Christian Lindh. Der Dozent für Arbeits- und Umweltmedizin an der Universität Lund hat das Experiment überwacht, das vier Reporter von Svenska Dagbladet mit sich selbst als Versuchspersonen unternahmen und das die schwedische Öffentlichkeit aufgeschreckt hat. Zwei Tage lang lebten die Vier von Essen aus Konservendosen – und somit auch von Sonderrationen Bisphenol A, das in der Innenbeschichtung der Dosen enthalten ist und sich bei Kontakt mit Lebensmitteln lösen kann.

Verdacht: Krebs erregend

Bisphenol A steht im Verdacht, Krebs erregend zu sein, und darf daher seit 2011 EU-weit nicht mehr in Babyfläschchen verwendet werden. In Dosen aber schon: Bereits im Laufe der zwei Versuchstage stiegen die Bisphenol A-Werte im Körper der Reporter dramatisch an – bei einem der Beteiligten wurde nach Abschluss des Versuchs gar der bisher höchste Wert in Schweden gemessen. Seine Urinprobe zeigte eine Steigerung der Werte um 4600 Prozent. Für Matilda Ernkrans, umweltpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, ist die Schlussfolgerung klar: „Es gibt hinreichende Gründe dafür, die Verwendung von Bisphenol A für alle Produkte zu untersagen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Das aktuelle Experiment belegt das.“ Sozialdemokraten, Grüne und Linkspartei sähen sich durch das Experiment in langjährigen Forderungen bestärkt, so Ernkrans, die den Ball an Umweltministerin Lena Ek von der Zentrumspartei weitergibt: Ein entsprechender Gesetzesvorschlag könne mit einer Mehrheit im Reichstag rechnen.

Vorbild Schweden und Druck in Europa

Doch die Ministerin wiegelt vorerst ab: „Es ist schwierig, mit einem Verbot auf nationaler Ebene Gehör zu finden. Weitaus besser ist es, die Frage innerhalb der EU zu verfolgen, und das tun wir.“ Doch das Tauziehen in Brüssel, begleitet von beschwichtigenden Worten der Lebensmittelindustrie, dauert Schwedens rot-grünen Politikern zu lange. Sie verfolgen nun zwei Ziele: zum einen ein Verbot hier in Schweden, das dann seinerseits als Vorbild für Europa gelten kann. Zum anderen will man innerhalb der EU noch mehr Druck machen. So hat der grüne EU-Parlamentarier Carl Schlüter sämtliche Studien angefordert, die in den Mitgliedsländern zum Thema Bisphenol A erstellt worden sind. Hormonschädigende Chemikalien , so Schlüter, seien eines der größten Probleme unserer Zeit. Gleichzeitig werde es enorm unterschätzt – bisher auch von der EU-Kommission.

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