Mit dem Projekt First sollen mehr Menschen gleichzeitig gerettet werden (Foto: Bild Adam Ihse/Scanpix).
Konferenz zur Seenotrettung in Göteborg

Wer zuerst kommt, hilft zuerst

„Du bist nicht gerettet, bevor du an Land bist."
3:56 min

Am heutigen Dienstag ist in Göteborg eine internationale Konferenz zur Seerettung zu Ende gegangen. Die International Maritime Rescue Federation, kurz IMRF, konnte Teilnehmer aus 76 Ländern begrüßen. Bei dem Treffen der Seenotrettungsorganisationen und –behörden ging es unter anderem um Rettungsmaßnahmen bei Fähr- und Kreuzfahrtunfällen.

Fähren sind gebaut, um viele Passagiere aufzunehmen und im Falle eines Unglücks schnell evakuiert zu werden. Doch was, wenn eine Fähre zum Beispiel einem untergehenden Kreuzfahrtschiff zur Hilfe eilen soll? Die heutigen Passagierschiffe fassen tausende von Menschen. Wenn so schnell so viele Menschen gerettet werden müssen, sind alle Schiffe um den Unglücksort gefordert, so Andreas Arvidsson von der  Schwedischen Seenotrettungsgesellschaft.

„Wir und unsere Partnerorganisationen in der Welt sehen das Problem, wie man die Leute schnell an Land kriegt. Es gibt viele Regeln, die vorschreiben, wie schnell man eine Fähre evakuieren können muss, und wie effektiv das gehen soll, das ist reguliert, aber das ist nur die halbe Rettung. Du bist nicht gerettet, bevor du an Land bist.“

Neues System der Massenrettung

Damit Fähren oder andere Schiffe, die zuerst am Unglücksort eintreffen, auch bei der Seenotrettung schnell viele Passagiere an Bord hieven können, hat die schwedische Seerettungsgesellschaft zusammen mit zwei Schifffahrtsunternehmen ein neues System mit dem Namen First entwickelt. Die Abkürzung steht für First Independent Responder Safe Transfer.

„Normalerweise haben Fähren Rettungsboote, die schwer und nicht leicht zu hantieren sind. Also wollen wir die Fähre mit einem schnelleren, simpleren Rettungsboot versehen, das man leicht zu Wasser lassen kann und worauf sich die Menschen retten können. Dann gibt es einen Kran auf der Fähre, der das Floß mit bis zu 39 Passagieren aus dem Wasser an Bord hieven kann. Auf diese Weise können wir 300 bis 400 Passagiere pro Stunde retten.“

Zum Vergleich: ein Helikopter schafft es in einer Stunde 8 bis 9 Menschen aus dem Wasser zu holen. Bei immer größeren Passagierschiffen kann ein solches System also helfen, im Notfall viele Menschenleben zu retten. Es international durchzusetzen, ist allerdings nicht leicht, weiß Arvidsson.

„Das ist ein langer Prozess, viele Länder müssen zustimmen. Aber wir hoffen darauf, dass die Kreuzfahrtbranche, die Fährindustrie und Reedereien proaktiv Verantwortung übernehmen und sich die Problematik ansehen. Und dass neue Regeln kommen.“

Unterschiede bei den Problemen

Die UN-Seefahrtsorganisation IMO stellt weltweit Vorschriften für die Seerettung auf. Regeln sind eine Sache – laut Andreas Arvidsson wurde in den Diskussionen während der Konferenz außerdem deutlich, dass die Probleme je nach Weltregion unterschiedlich sind.

„Wir sehen hier in den Medien viel von der Costa Concordia, aber selten Fährunglücke in den Philippinen, wo es viel mehr Menschen betrifft, wo es keine Rettungsorganisationen gibt,  dort hat man nicht einmal begonnen, über die Probleme zu sprechen, daher ist es wichtig, eine Diskussion anzuregen. Den Behörden klarzumachen, dass es wichtig ist.“

Unglücke von Fährschiffen mit bis zu 6.000 Passagieren an Bord sind nicht leicht zu hantieren, speziell, wenn die Infrastruktur zur Rettung fehlt.

„Man muss sich unterschiedliche Lösungen ansehen, in abgelegenen Gegenden kann man etwa andere Alternativen wählen, wie das so genannte ‚voyage pairing‘, wobei zwei Fähren gleichzeitig fahren, sodass sie sich im Notfall gegenseitig helfen können. Wichtig ist auch, dass es eine engere Zusammenarbeit zwischen Ländern gibt. Hier in Göteborg zum Beispiel hatten wir eine Fähre einer italienischen Reederei zu Gast, wir sollten wissen, dass sie gerade hier sind, sollte etwas passieren.“

Die am heutigen Dienstag zu Ende gegangene Konferenz zeigt also deutlich: Es gibt unterschiedliche Ansätze, die Massenrettung auf See zu verbessern. Dazu gehören nicht nur neue Regeln und Systeme sondern auch, die Aufmerksamkeit der Behörden und Unternehmen auf die Probleme zu lenken.

Bettina Rehmann

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".