Forschungsleiter Bengt Winblad lässt hunderttausende Demenzkranke und ihre Angehörigen Hoffnung schöpfen (Foto: Karolinska/Scanpix).
Erfolgreiche Demenzforschung

Schweden testen Impfstoff gegen Alzheimer

Wenige Spritzen für lebenslangen Schutz vor Alzheimer?
2:33 min

Die schwedische Alzheimer-Forschung hat einen Durchbruch erzielt. Wie der Schwedische Rundfunk berichtet, ist am Karolinska Institut in Stockholm erfolgreich ein neuer Impfstoff getestet worden – ohne die üblichen schweren Nebenwirkungen.

Über drei Jahre hinweg testeten Professor Bengt Winblad und sein Team in ihrer Studie den Impfstoff an insgesamt 58 Patienten mit leichten bis mittelschweren Demenzsymptomen. Selbst über diesen langen Zeitraum hinweg begrenzten sich die Nebenwirkungen auf Kopfschmerzen und Hautrötungen. Schwere Nebenwirkungen blieben gänzlich aus - ganz im Gegensatz zu einer früheren Studie vor knapp zehn Jahren. 

Damals wurde am selben Institut schon einmal ein Impfstoff an 300 Patienten getestet. Diese Studie musste jedoch nach kurzer Zeit abgebrochen werden, da etliche Patienten eine Gehirnhautentzündung entwickelten, die in einigen Fällen sogar zum Tod führte. 

Demente entwickeln Antikörper 

Der Impfstoff in der neuen Studie nun ist auf die Alzheimer-Plaques ausgerichtet. Dies sind Eiweiß-Ablagerungen, die für das Absterben von Nervenzellen verantwortlich sind, was letztlich zu einer Demenz führt. Die geimpften Patienten entwickelten Antikörper gegen das Plaque, die Kontrollgruppe nicht, erklärt Studienleiter Winblad. 

„Obwohl es sich um ältere Patienten handelt, die bereits an Alzheimer erkrankt sind, bilden sie noch Antikörper, die ins Gehirn wandern. Dort versuchen sie, die Nervenzellen vom schädlichen Eiweißmolekül Beta-Amyloid zu befreien.“ 

Internationale Test-Studie soll Aufschluss bringen 

Für bessere Ergebnisse wird die Studie in Kürze ausgeweitet: Hunderte Patienten in insgesamt zehn Ländern sollen nun den Probe-Impfstoff testen. Gleichzeitig beobachten die Forscher auch, inwieweit sich der Impfstoff auf die intellektuellen und praktischen Fähigkeiten der Patienten auswirkt. 

Denn die Frage danach, ob der Impfstoff tatsächlich den Krankheitsverlauf beeinflusst, ist noch lange nicht beantwortet, betont Winblad: „Das lässt sich bislang nur erahnen, weil unsere Studie lediglich Risiken und Nebenwirkungen aufzeigen sollte. Dennoch werden die Fortschritte in den kommenden Jahren weitaus größer sein als jemals zuvor. Bei einer aktiven Impfung bräuchte man möglicherweise nur vier, fünf Injektionen zu verabreichen und hätte damit hoffentlich einen lebenslangen Schutz.“ 

Andere Forscher, die nicht an der aktuellen Studie beteiligt sind, warnen dagegen vor voreiligen Schlüssen. So meint etwa Yngve Gustafson am Uniklinikum Norrland in Umeå: „Es ist sehr erfreulich, dass man einen Impfstoff entdeckt hat, der kaum Nebenwirkungen hat. Doch von dort bis dahin zu glauben, dass damit das Alzheimer-Rätsel gelöst sein wird, ist es noch ein weiter Schritt.“

Liv Heidbüchel/ Anna Larsson

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