Blütezeit oder Eiszeit? Vielerorts werden sich Schulen und Pastoren nicht einig darüber, wie eine Abschlussfeier in der Kirche abgehalten werden soll. (Foto: Scanpix)
Schulabschluss in der Kirche

Traditionell oder zu religiös?

„Ich bin nicht religiös neutral.“
3:08 min

Der Juni ist der Monat, in dem in Schweden die Sommerferien beginnen. Für die Schüler hierzulande endet das Schuljahr mit einer Abschlussfeier, die traditionell in der Kirche stattfindet. Doch seit Staat und Kirche in Schweden getrennt sind, verbietet das Schulgesetz jegliche religiösen Einflüsse. Die Abschlussfeier wird als Tradition weiterhin akzeptiert, nicht jedoch ihre christliche Anknüpfung.

„Den blomstertid nu kommer” – die Blütezeit, sie kommt jetzt. Mit diesem Lied werden in diesen Tagen Tausende schwedische Schüler in den Sommer verabschiedet. Doch auch an ihm lässt sich ablesen, welcher Konflikt sich vielerorts zwischen Schulen und Kirchen aufgetan hat. Während die erste Strophe von der „lebhaften Wärme“ und den Sonnenstrahlen handelt, die „alles wiederauferstehen lassen“, besingen die folgenden Verse Jesus Christus sowie den „Reichtum von Gottes Güte“. Seit der Abkehr von der Staatsreligion im Jahr 2000 ist der Unterricht an staatlichen Schulen konfessionsfrei zu halten. Claes-Göran Aggebo von der Schulbehörde sagt, man sei jedoch davon ausgegangen, dass die Abschlussfeier in der Kirche eine derart starke Tradition sei, dass sie dazu nicht im Widerspruch stehe.

Schulbehörde: Beisammensein statt religiöser Traditionen

Doch so leicht ist es offensichtlich nicht. Beim Choral über die Blütezeit verständigen sich Kirchen und Schulen oft darauf, einzig die erste Strophe zu singen. Schwierig wird es, wenn die kirchliche Zeremonie grundsätzlich in Frage gestellt wird. Laut Schulgesetz sind schulische Feiern in einer Kirche erlaubt, wenn „die Betonung auf dem Beisammensein und nicht auf religiösen Traditionen“ liege. Für Claes-Göran Aggebo bedeutet das: Ein Schulrektor muss sich vergewissern, dass die Abschlussfeier ohne konfessionelle Bezüge durchgeführt wird.

„Es gibt immer Möglichkeiten, einzelne Bestimmungen unterschiedlich auszulegen. Aber das Schulgesetz lässt keinen Raum zuzulassen, dass ein Pastor Kinder segnet.“

Für Berth Löndahl ist damit eine Grenze überschritten. Löndahl ist Pastor in Bunkeflo bei Malmö. Die Grenze, die er zieht, lautet: Niemand außerhalb der Kirche darf bestimmen, was er zu sagen hat.

Kirche: Falsches Verständnis im Schulgesetz

„Wir können das nicht mittragen, denn ich bin nicht religiös neutral. Ich bin Pastor der Schwedischen Kirche. Das Problem entsteht, wenn jemand mir sagt: Du darfst nicht beten und du darfst nicht segnen.“

Während für Löndahl die Eingriffe in seinen Beruf zu weit gehen, sehen andere Kirchenvertreter das Problem darin, dass dem Schulgesetz ein falsches Verständnis zu Grunde liegt. Eine Kirche ohne religiöse Bezüge und Traditionen sei einfach nicht denkbar, sagt Åsa Carmesund, Pastorin im südschwedischen Hjärsås:

„Die ganze Kirche ist christlich geprägt. Die Bilder, das Kreuz, die Malereien am Dach erinnern uns an Gott. Wie kann man überhaupt eine Kirche betreten, ohne festzustellen, dass sie christlich geprägt ist?“

So hängt viel davon ab, wie sich Schulen und Kirchen vor Ort verständigen. Anderenfalls droht aus der Blütezeit eine Eiszeit zu werden.

Jan Kröger

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