Wer hält die Hand auf?
Einzigartiger Untersuchungsbericht

Korruption: Behörden sehen häufig durch die Finger

Wenig Augenmerk auf "Freundschaftsdienste"
3:08 min

Behörden und Wirtschaft versagen häufig bei der Entdeckung von Korruption auf kommunaler Ebene. Dies geht aus einem Bericht der Untersuchungsbehörde der Regierung hervor, der am Montag offiziell vorgestellt wurde. Demnach werden Fälle von Bestechung und Bevorteilung meist von Privatpersonen und Journalisten aufgedeckt. Der Bericht schlägt jetzt unter anderem vor, dass Angestellte die Korruptionsfälle melden, besser vom Gesetz geschützt werden.

Obwohl Schweden zu den am wenigsten durch Korruption belasteten Ländern zählt, glauben immerhin acht von zehn Kommunen, dass bei ihnen Bestechung und Vorteilsnahme vorkommt. Dennoch ist die Aufmerksamkeit bei den Behörden sehr gering, wie Johan Sørensson von der Untersuchungsbehörde der Regierung feststellt.

„In den kommunalen Unternehmen ist das Risikobewusstsein niedrig, obwohl es doch viel höher sein sollte,“ erklärt Sørensson gegenüber dem Schwedischen Rundfunk. Seine Behörde hat in einer bisher noch nie so durchgeführten Untersuchung große Mängel bei der Bekämpfung von Korruption ausgemacht.

So wurden von den zur Anzeige gebrachten Fällen 71 Prozent von Privatpersonen und Journalisten aufgedeckt. Nur selten kamen Behörden oder Arbeitgeber der Privatunternehmen den Betrügern auf die Schliche.

Männliche Dominanz

Die Schmiergeldzahler sind zu 94 Prozent Männer, bei den Empfängern liegt die männliche Quote bei 67 Prozent. Johan Sørensson hat eine natürliche Erklärung für diese Dominanz: „In den Bereichen, die wir untersucht haben, sind es meist Männer. Man muss einfach etwas weiter oben in der Erfolgsleiter stehen, weil man dann Einfluss auf Entscheidungen hat. Dann kann man Ausschreibungen beeinflussen oder eben beeinflusst werden.“

Dass Frauen eine bessere Moral hätten, gebe die Untersuchung leider nicht her, so Sørensson weiter. Nicht so oft wie vielleicht angenommen ist übrigens Bargeld im Spiel, nämlich in 12 Prozent der Fälle. Am meisten locken Reisen, mit 26 Prozent. „Freundschaftsdienste“ werden aber auch in Immobilien, Essenseinladungen und Dienstleistungen entgolten.

Schmiergeldaffären in Göteborg und Solna

In den letzten Jahren erlangten vor allem die Bestechungsaffären in Göteborg und rund um den Bau der neuen Nationalarena im Stockholmer Vorort Solna traurige Berühmtheit. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass Korruption viel häufiger vorkommt, als bis vor kurzem noch vermutet.

Die Untersuchungsbehörde schlägt deshalb eine Reihe von Gegenmaßnahmen vor. So müssten die so genannten „Whistleblowers“, also Angestellte die Unregelmäßigkeiten melden, besser durch das Arbeitsrecht geschützt werden. Gleichzeitig müsse die interne Kontrolle bei den Kommunen durch gesetzliche Maßnahmen verbessert werden. Darüber hinaus sollten Fälle von Korruption an die Öffentlichkeit gebracht und nicht intern geregelt werden.

„Wenn man mit der Aufdeckung von Korruption an die Öffentlichkeit geht, hat das einen abschreckenden Effekt“, meint Sørensson und bekommt Unterstützung vom ehemaligen Leiter der Antikorruptionseinheit der schwedischen Staatsanwaltschaft Christer van der Kwast. Erst wenn jede Kommune ihren eigenen großen Korruptionsskandal gehabt habe, würde man aufwachen, so der Experte gegenüber der Tageszeitung Svenska Dagbladet.

Elin Jönsson / Dieter Weiand

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