Noch warten die alten Brennstäbe im Wasser vom AKW Oskarshamn auf ihren endgültigen Bestimmungsort (Foto/Copyright: SKB)
Neue Argumente für die Kernkraft?

Schwedische Endlagerlösung macht Schule

2:15 min

Liegt die Lösung eines der größten Umweltprobleme im schwedischen Fels 500 Meter unter der Erde? Die Pläne für das atomare Endlager beim AKW Forsmark stoßen in anderen Ländern auf großes Interesse. Vor allem die Atomindustrie verspricht sich von diesem schwedischen Modell auch eine höhere Akzeptanz für Kernkraft in anderen Ländern.

Kernkraft ist in Schweden kaum ein Reizwort. Das Thema ist seit der Volksabstimmung 1980 durch. Das Volk wollte einen Ausstieg auf Zeit und den bekommt es – aller Voraussicht nach so gegen 2045. Proteste und Kundgebungen nach der Katastrophe in Fukushima hielten sich in Grenzen.

Das Endlagerprojekt im mittelschwedischen Östhammar beim Kernkraftwerk Forsmark stößt deswegen auf wenig Widerstand, auch wenn sich jetzt einige Kontrollinstanzen kritisch zu Wort gemeldet haben.

Svensk Kärnbränslehantering (SKB), ein gemeinsames Unternehmen der Atomindustrie, möchte den radioaktiven Abfall in von Lehm ummantelten Kupferbehältern in 500 Metern Tiefe im schwedischen Fels deponieren. Eine Methode, die international Beachtung findet, wie Jean-Pol Poncelet von der Branchenorganisation der europäischen Kernkraftindustrie Foratom dem Schwedischen Rundfunk bestätigt.

Modellfall für Europa?

„Wenn wir hier eine Lösung für die Endlagerung finden, wird die Akzeptanz für Atomkraft auf 60 bis 80 Prozent klettern“, meint Poncelet. Die europäische Atomindustrie verfolgt daher die Entwicklung in Schweden sehr aufmerksam. Schweden könnte zum Modellfall für Europa werden. Poncelet wünscht sich auch eine europäische Zusammenarbeit, weiß aber gleichzeitig, dass der Weg dahin noch weit ist.

„Wir sollten diesen Weg einschlagen, aber da gibt es noch politische Hindernisse“, meint Poncelet. In der Tat können sich die meisten Länder kaum vorstellen, radioaktiven Müll aus anderen Ländern zu entsorgen.

Atomindustrie hofft auf Signalwirkung

Falls die schwedische Lösung tatsächlich umgesetzt wird, hätte dies jedoch für den Rest von Europa Signalwirkung, hofft Poncelet und spricht gar vom schwedischen Benchmarking für den Rest von Europa.

Das Genehmigungsverfahren läuft derweil in Schweden. Mehrere Instanzen haben Bedenken angemeldet. Sie wollen mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass die Behälter tatsächlich die geforderten 100.000 Jahre dicht halten.

 Pelle Zettersten/Dieter Weiand

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