Småland unter Wasser

Mit dem Hochwasser steigt Kritik an Gemeinden

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Die Überschwemmungen der vergangenen Tage haben viele Hausbesitzer in Småland schwer getroffen. Wie die Dachorganisation der Versicherungsunternehmen, Svensk Försäkring, zeigt, sind Großteile der kommunalen Abflusssysteme gar nicht auf derartige Wassermassen eingestellt. Gleichzeitig schätzt die schwedische Katastrophenschutzbehörde das Risiko für große Überschwemmungen als gering ein.

Martin Johansson aus Myresjö bei Vetlanda im Herzen Smålands gehen langsam die Ideen aus, wie er sein Haus vor den ständigen Überschwemmungen schützen soll. Wie die meisten Hauseigentümer ist auch Johanssons Eigenheim vor allem durch das angestaute Wasser bedroht, das durch das unterdimensionierte Ablaufsystem nicht abfließen kann. 

„Ich weiß nicht, die wievielte Überschwemmung das ist“, erzählt Martin Johansson im Schwedischen Rundfunk. „Erst im vergangenen Jahr haben wir neue Rohre verlegt. Nach dem Winter war erst mal alles gut. Aber jetzt war es wieder zu viel Wasser, die Garage ist vollgelaufen.“ 

Kostenpunkt: 30 Millionen Euro 

Die Branchenorganisation der Versicherer, Svensk Försäkring, ist kritisch gegenüber den Kommunen. Sie sollten mehr zum Schutz besonders gefährdeter Gebäude tun, meint Staffan Moberg, Jurist bei der Organisation. Immerhin belaufen sich die Kosten für Überschwemmungsschäden auf umgerechnet gut 30 Millionen Euro im Jahr. In 80 Prozent der Fälle ist der Rückstau das Hauptproblem. 

„Die Gemeinden sollten unserer Ansicht nach einen Plan zur Klimaanpassung aufstellen, soll heißen, dass man feststellt, welche Gebiete bei starkem Niederschlag besonders anfällig sind. Bei den Immobilien, die besonders ungünstig liegen, sollten die Kommunen vielleicht besondere Maßnahmen ergreifen, beispielsweise Rücklaufventile montieren oder Pumpsysteme installieren.“ 

Warten auf Geldregen 

Beim Verband der Kommunen und Provinziallandtage ist man sich durchaus darüber im Klaren, dass das Abwassersystem oftmals zu wünschen übrig lässt. Für die einzelne Gemeinde ist dieses Problem jedoch rein finanziell unmöglich zu lösen, erklärt Gunilla Glasare vom Verband: „Dafür stehen im Prinzip keinerlei Mittel zur Verfügung. Es wäre erfreulich, könnte es staatliche Zuschüsse geben, so dass sich die Gemeinden für diese Art von Wolkenbrüchen rüsten können. Den Bedarf gibt es schon lange, und mehrere Gutachten sind zu dem Schluss gekommen, dass diese Investition sinnvoll wäre. Trotzdem passiert nichts.“ 

Die Lage bleibt vor allem in der Region um Hultsfred weiter angespannt. Der Wetterdienst SMHI hält an der Höchstwarnstufe Drei fest, nachdem der Wasserstand im See Huligen gemessen wurde. Im Schwedischen Rundfunk sagte Wetterexperte Bengt Göransson: „Zunächst haben wir das Ergebnis angezweifelt, weil der Pegel weit höher war als angenommen. Allein während der Stunde, in der gemessen wurde, stieg das Wasser um fünf Zentimeter an. Für einen so großen See wie den Huligen ist das viel und es dämmert einem, dass es hier Probleme geben wird.“ 

„Kaum Hochwasser-Risiko“ 

Weniger alarmiert klingt man dagegen bei der zuständigen Behörde für Katastrophenschutz. Ein Bericht kam zwar kürzlich zu dem Ergebnis, dass insgesamt 18 Städte in Schweden bei schweren Überschwemmungen vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt wären, darunter Stockholm, Göteborg und Uppsala. 

Allerdings sei das Risiko für Hochwasser dieser Größenordnung – den Erkenntnissen der Klimaforschung zum Trotz – sehr gering, betont Analystin Barbro Näslund Landemark gegenüber Radio Schweden. Die Katastrophenbereitschaft in Schweden sei generell sehr hoch. „Die Lage in Småland war deshalb schwer unter Kontrolle zu bringen, weil der Niederschlag so extrem gewesen ist. Innerhalb weniger eines Tages kam ja die doppelt so viel Regen wie sonst in einem Monat.“ Warum dies künftig nicht häufiger passieren sollte und welche Schutzmaßnahmen angebracht wären, ließ Näslund Landemark unbeantwortet. 

Liv Heidbüchel/ SR Ekot

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