Gespanntes Warten vor dem SAS-Gebäude auf dem Kopenhagener Flughafen Kastrup (Foto: Johan Nilsson/Scanpix)
Verhandlungen abgeschlossen

SAS legt Sparprogramm auf

"Die Konkurrenz ist hart"
4:34 min

Die schwer angeschlagene skandinavische Airline SAS fliegt vorerst weiter. Das Unternehmen hat sich mit sämtlichen acht Gewerkschaften auf teils drastische Gehaltskürzungen geeinigt. Ob die neuen tariflichen Vereinbarungen ausreichen, um SAS wieder auf Kurs zu bringen, ist freilich ungewiss.

Noch lebt die Hoffnung auf den Fortbestand der traditionsreichen Airline. Im Moment sieht es ganz so aus, als sei SAS dem drohenden Tod noch einmal von der Schippe gesprungen. Das ganze Wochenende über hatten die Tarifpartner um eine Lösung gerungen. Am Montagnachmittag lenkte mit dem dänischen Kabinenpersonal die letzte Gewerkschaft ein – unter anderem werden die Dänen jährlich auf einen Monatslohn verzichten. Die Gewerkschaften, die Mitarbeiter aus Dänemark, Schweden und Norwegen repräsentieren, durften sich gleichsam zwischen Pest und Cholera entscheiden: dem harten Sparkurs oder dem endgültigen Aus. Konzernchef Rickard Gustafson hatte vor Verhandlungsbeginn mit aller gebotenen Deutlichkeit erklärt, bei einem Scheitern werde SAS keine Bankkredite mehr erhalten und somit unmittelbar vor den Konkurs gestellt.

Steinharte Konkurrenz

„Ein sehr, sehr schwerer Beschluss“, fasst Cecilia Fahlberg zusammen, deren Gewerkschaftsverband Unionen rund 600 schwedische Kabinenangestellte vertritt. Sie müssen zwar keine Lohnsenkungen hinnehmen. Dafür steigt aber ihre Arbeitszeit markant an, und das Rentenalter wird erhöht – von bisher 60 auf 65 Jahre. „Für uns war es wichtig, die Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Cecila Fahlberg. „Das war auch vorrangiges Anliegen der Mitarbeiter, mit denen wir im Gespräch waren. Außerdem kam es uns darauf an, keine Lohnsenkungen zu akzeptieren. Und das ist uns gelungen. Ja, es war ein schwerer Beschluss, aber gleichzeitig haben wir auch eine neue Situation in der Luftfahrtbranche. Es herrscht sehr harte Konkurrenz“, fasst die Gewerkschafterin zusammen.

Insbesondere der Vormarsch der Billigflieger macht SAS zu schaffen. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hatte die 1946 gegründete Airline nahezu ausschließlich Verluste verbuchen müssen. Eine betrübliche Kostensituation teilt sie mit anderen Schwergewichten der Branche, so mit der französischen Air France, der spanischen Iberia und nicht zuletzt der Lufthansa, die in jüngster Zeit sämtlich weit reichende Sparpakete auflegten. Das Sparen bei SAS werden nun nicht zuletzt die Piloten zu spüren bekommen. Sie müssen pro Jahr, ebenso wie das dänische Kabinenpersonal, nahezu einen gesamten Monatslohn abtreten. Außerdem warten ebenfalls Verschlechterungen bei Renten und Arbeitszeiten.

„Ein müder Pilot ist kein guter Pilot“

„Das wird zweifellos große Veränderungen und ein härteres Arbeitsklima mit sich bringen“, sagt Sören Skoog, Vizevorsitzender der Schwedischen Pilotenvereinigung. Torsten Elfhag, Pilot und Gewerkschaftsverantwortlicher für Arbeitsschutz, ist ebenfalls beunruhigt: „In meiner Arbeit als Arbeitsschutzverantwortlicher sehe ich schon jetzt, dass es mehr und mehr Krankschreibungen gibt. Viele Mitarbeiter stoßen an ihre Grenzen. Nun werden diese Grenzen weiter ausgedehnt. Wir gehen einer 60-Stunden-Arbeitswoche entgegen. Aus Sicht der Flugsicherheit ist das negativ. Müde Piloten sind keine guten Piloten.“

Nach der Übereinkunft der Tarifpartner ist der Konkurs nun noch keineswegs vom Tisch. Zunächst muss die Konzernleitung prüfen, ob die angedachten Maßnahmen ausreichend sind, um sich langfristig in der Konkurrenz vor allem der Billigflieger behaupten zu können Nein, meint so mancher Branchenkenner. So hatte der Chef der norwegischen Airline Norwegian, Björn Kjos, in der vergangenen Woche einen Vergleich der Kosten angestellt, die einzelne Airlines pro Flugsitz investieren. Laut Kjos senkt SAS mit dem Sparpaket die Kosten pro Person und Kilometer von rund 78 auf 71 Öre, also von 9 Cent auf 8,30 Cent. Im Vergleich dazu liege Norwegian bei 42 Öre, der Billigflieger Ryanair gar bei 25 Öre. Trotz unterschiedlicher Firmenstrukturen gebe dies einen Fingerzeig für die Kostenlage. Zum Aufatmen ist es für die SAS-Angestellten noch zu früh.

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