Trautes Heim - ein teures Gut
Finanzkrise

Schwedische Schuldenkrise in Sicht?

"Schweden befindet sich inmitten einer Blase"
3:47 min

Wenn es um die Verschuldung der Privathaushalte geht, landet Schweden in mehreren internationalen Studien auf vorderen Plätzen. Grund sind vor allem die steigenden Preise für Wohnungen. Welche Auswirkungen hat das für die Wirtschaft des Landes insgesamt? Der niederländischen Forscher Dirk Bezemer hat die Entwicklung in Schweden von 1990 bis heute untersucht. Sein Urteil ist hart.

„Ich denke, Schweden befindet sich inmitten einer Blase. Die Schulden der Haushalte sind im Verhältnis zum Umfang der Gesamtwirtschaft unhaltbar hoch geworden“, so Bezemer im Schwedischen Fernsehen. In den vergangenen Jahren hat der Ökonom von der Universität Groningen den Verlauf der Schulden- und Finanzkrise in einer Reihe von Ländern unter die Lupe genommen. Bei Wohnungsdarlehen und privater Verschuldung liege Schweden an der Weltspitze, gemeinsam mit Ländern wie den USA, den Niederlanden und Irland, betont Bezemer. In allen anderen Ländern habe die Verschuldung zum Platzen der Immobilienblase und einer Schuldenkrise geführt – nur in Schweden noch nicht.

Düstere Bilder am Arbeitsmarkt

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise greift in jüngster Zeit allerdings verstärkt auch auf Schweden über. Am Dienstag erst vermeldete das Statistische Zentralamt einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 7,2 Prozent, für die erste Hälfte des nächsten Jahres rechnen Analysten der Großbanken mit einem weiteren Anstieg auf acht Prozent. Der Kaufrausch am Wohnungsmarkt hält derweil unvermindert an. Befördert wird er zumal in Stockholm durch die katastrophale Situation am Markt für Mietwohnungen, bei gleichzeitig stetig wachsendem Zuzug aus dem Ausland und aus dem übrigen Schweden. Überdies laden die schwedischen Spielregeln für den Wohnungskauf förmlich zum Zocken ein: So sind die Kreditraten steuerlich absetzbar und Forderungen nach Abzahlung unerheblich. Laut einem Bericht der Tageszeitung Dagens Nyheter zahlt beispielsweise die Hälfte aller Stockholmer für ihre Wohnung überhaupt nichts ab.

Junge Leute in der Kreide

Laut einem Bericht des Kredit-Informationsunternehmen UC mitteilte sind die auf dem Wohnungsmarkt gemachten Schulden seit 2006 um über 120 Prozent angestiegen. Dabei verschulden sich vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. In Stockholm etwa nehmen junge Wohnungseigentümer Schulden auf sich, die viermal höher liegen als ihr Jahresgehalt. Warnende Töne kommen nun von Reichsbankchef Stefan Ingves und der Chefökonomin der Swedbank, Cecilia Hermansson. „Ich denke, wir sind auf dem Weg in eine unhaltbare Situation“, sagt Stefan Ingves. Man müsse ernsthaft diskutieren, wann der Punkt erreichbar sei, dass ein weiterer Schuldenanstieg sich nicht mehr rechtfertigen lasse. Auch Cecilia Hermansson nennt die Lage „beunruhigend“. Allerdings verweisen beide darauf, dass die Finanzinspektion im Herbst 2010 immerhin ein kleines Rotlicht-Signal setzte: Seither dürfen Wohnungen nur noch bis zu 85 Prozent ihres Wertes beliehen werden, statt vordem zu 90 Prozent.

„Kann ernste Folgen haben“

Ein schwacher Trost, findet der Niederländer Dirk Bezemer. Im Gegensatz zur Schwedischen Reichsbank und dem Gros der Wirtschaftsinstitutionen arbeitet er mit neuen ökonomischen Modellen, die sich darauf konzentrieren, auf welche Weise Schulden sowie der Banken- und Finanzsektor die Wirtschaft eines Landes als Ganzes beeinflussen. Laut Bezemers Analyse der schwedischen Entwicklung entsteht nun das Bild eines Landes, das mit enormer Geschwindigkeit große Schulden angehäuft hat. Parallel dazu flössen insbesondere seit der Jahrtausendwende immer mehr Kreditgelder in einen wachsenden Finanzsektor und dienten dazu, die Wohnungspreise anzuheizen – statt der „echten“ Wirtschaft zu Gute zu kommen, also Unternehmen und Konsumtion. „Schulden an sich sind kein Problem. Sie sind eine Voraussetzung für Investitionen und Wirtschaftswachstum. Probleme gibt es, wenn die Schulden schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft“, so Bezemer. „Schwedisches Wirtschaftswachstum wird immer mehr von Schulden angetrieben. "Schon jetzt ist die Verschuldung insgesamt so hoch, dass man Wachstum nicht mehr auf einem wachsenden Finanzsektor aufbauen kann. Wenn Schweden so weitermacht, sehe ich ein großes Risiko, dass die Blase platzt. Die Konsequenzen können sehr ernst werden.“

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