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Von der alten Matratze auf die Haut ist es nur ein kleiner Schritt
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Lässt sich nur schwer aufhalten
Ungeziefer auf dem Vormarsch

Kakerlaken und Hauswanzen breiten sich aus

Kakerlaken und Hauswanzen treiben ihr Unwesen in Schweden
4:43 min

Schwedens Großstädte kämpfen mit dem Ungeziefer. Dem größten Schädlingsbekämpfungsunternehmen Anticimex zufolge ist die Zahl der Einsätze gegen Hauswanzen in den vergangenen Jahren explosionsartig in die Höhe geschnellt. Auch Kakerlaken breiten sich immer weiter aus. Vor allem in großen renovierungsbedürftigen Mietshäusern wachsen sich die Schädlinge zunehmend zu einem Problem aus.

In der Einkaufsgalerie des Stockholmer Vororts Rinkeby geht das Ungeziefer um. Für umgerechnet fast dreieinhalbtausend Euro Monatsmiete betreibt Jainaba Davidsson in dem Einkaufszentrum eine Kleiderboutique. Schon seit Langem plagt sie sich mit Kakerlaken herum, erzählt sie Radio Schweden.

„Ich musste mein gesamtes Lager ausräumen und die Sachen vernichten, weil dort Kakerlaken genistet hatten. Kunden haben Kleidungsstücke reklamiert, was extrem peinlich war. Wir haben nun entschieden, keine Miete mehr zu zahlen, bis die Fehler behoben werden. Dafür wurden wir nun beim Amtsgericht angezeigt, doch wir haben bereits Einspruch dagegen erhoben."

Gegen den zunehmenden Verfall der Räumlichkeiten tut der Vermieter, das Immobilienunternehmen Fast Partner, nichts, kritisiert die Ladenbesitzerin. Fast Partner macht dagegen geltend, dass keinerlei Klagen eingegangen seien - bis auf eine, die jedoch erst vergangene Woche.

Millionen-Programm kommt mit Sanieren nicht nach

Bekannt für seine Probleme mit Ungeziefer ist auch das Viertel Herrgården im Malmöer Vorort Rosengård. Schon vor vier Jahren sorgte das Wohngebiet für Schlagzeilen, als das Schwedische Fernsehen gravierende Missstände in Form von Schimmel und Parasiten aufdeckte. Einer der verantwortlichen Vermieter hat seitdem rund 900 Wohnung mit Kakerlakenfallen ausgerüstet - mit mäßigem Erfolg. Der Sprecher der Wohnungsgesellschaft, Fredrik Andersson, betonte, die Mieter trügen selbst eine gewisse Verantwortung.

„Das Problem ist, dass viele in ihre Heimatländer verreisen und von dort Kakerlaken einführen. Weil eine Kakerlaken-Population groß ist, verbreitet sich das Problem sehr schnell."

Hauptproblem Kommunikation

Dass die Mieter für den Zustand in ihren Wohnungen verantwortlich sind, stimmt so nicht, erinnert Håkan Kjellberg vom Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen Anticimex. So sei es laut Gesetz die Aufgabe des Vermieters, derlei Probleme schnellstmöglich zu beheben. Auch den Vorwurf, dass besonders einwandererstarke Vororte von der Ungeziefer-Invasion betroffen seien, lässt er nicht gelten.

Gegenüber Radio Schweden sagte er: „Dass sich Kakerlaken besonders in den Wohnsilos der so genannten Millionen-Programme ansiedeln, können wir nicht bestätigen. Kakerlaken machen auch vor einem Schloss nicht halt. Eine Schwierigkeit bei den großen Wohnkomplexen ist aber durchaus, dass man mit so vielen Menschen Kontakt aufnehmen muss, um das Ungezieferproblem in den Griff zu bekommen. Das ist die komplexeste Aufgabe unserer Sanierungsarbeit."

Wichtig ist etwa, dass in einem Treppenaufgang sämtliche Bewohner an einem Strang ziehen, um es der Kakerlake schwer zu machen. Als Zivilisationsfolger liebt das Insekt jede Behausung, die auch Menschen bevorzugen, soll heißen, viel Platz sowie Zugang zu reichlich Essen und Trinken. Um es der Kakerlake so ungemütlich wie möglich zu machen, müssen also Nahrung und Wasser außer Reichweite gebracht und marode Wände und Kacheln repariert werden.

„Kakerlaken sind demokratisch"

Wenn die Mehrzahl der Mieter aus unterschiedlichen Gründen nicht ansprechbar ist, entsteht unweigerlich ein Problem, meint der Ungeziefer-Experte. Dies schließt jedoch nicht aus, dass auch wohlhabende Stadtteile vor ähnliche Schwierigkeiten gestellt werden.

„Egal, wo man wohnt und zu welcher Gesellschaftsschicht man sich zählt, so sind die Kakerlaken sehr demokratisch und bevorzugen niemanden."

Wanze zieht mit gebrauchten Möbeln um

Ein wachsendes Problem in Schwedens Ballungsgebieten ist auch die Bett- oder Hauswanze. Verzeichnete Anticimex vor 20 Jahren gerade einmal elf Bekämpfungseinsätze gegen Hauswanzen in Stockholm, so sind es heute an die 1.000 pro Jahr. Vor allem Hotels und Jugendherbergen sind demnach betroffen, aber auch zunehmend Privatwohnungen. Dem Seuchenschutzinstitut zufolge ist die Ursache für die Zunahme noch nicht geklärt.

Es wird jedoch angenommen, dass veränderte Reisegewohnheiten eine gewisse Rolle spielen. Außerdem verbreiten sich Hauswanzen über gebrauchte Möbel. Nicht belegt ist, ob ein Zusammenhang zwischen der Ausbreitung von Hauswanzen und dem verstärkten Kauf von Second-Hand-Mobiliar beispielsweise in ärmeren Stadtteilen besteht. Ebenfalls unklar ist, welche Bedeutung der Resistenz gegen Bekämpfungsmittel zukommt. Beim Nachbar Dänemark gibt es offenbar Hauswanzenpopulationen, denen mit herkömmlichen Giften nicht beizukommen ist.

Was die Sanierungen im Malmöer Viertel Herrgården angeht, so sagte ein Verantwortlicher von Anticimex gegenüber der Nachrichtenagentur TT, dass die Kakerlakenplage mittlerweile kein großes Problem mehr sei.

Liv Heidbüchel/Jenny Hallberg/Kasim Abdulkadir

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