Englisch ja, Deutsch: nö (Foto: Erik G Svensson/Scanpix)
Fremdsprachenkenntnisse

Englisch ist nicht alles

"Schweden ist auf dem falschen Weg"
3:32 min

Viele Schweden sind zu Recht stolz auf ihre guten Englisch-Kenntnisse. Mit anderen Fremdsprachen sieht es hingegen vergleichsweise trübe aus. Nun schlagen Wissenschaftler Alarm: Die wachsende Sprachlosigkeit über das Englische hinaus könne das Land ins Abseits führen - politisch, kulturell und nicht zuletzt ökonomisch.

„Wir finden, Schweden ist auf einem schlechten Weg", sagt Camilla Bardel, Professorin für moderne Sprachen an der Universität Stockholm. „Über lange Zeit waren wir ja im Hinblick auf Fremdsprachen vergleichsweise gut, schließlich war uns immer bewusst: Wir sind ein kleines Land, Schwedisch wird nur von wenigen gesprochen. In letzter Zeit scheint es aber so, als macht man sich darüber kaum mehr Gedanken - man meint, Englisch wird schon reichen." Schweden, kritisiert Camilla Bardel, wolle als weltoffenes Land erscheinen, während die Schulen gleichzeitig signalisierten, dass Fremdsprachen nicht so wichtig seien.

Weg des geringsten Widerstands

Viele Schüler wählen den Weg des geringsten Widerstands: In dem Land, das in vielen Bereichen sehr stark von den USA beeinflusst ist und wo Filme grundsätzlich in der Originalfassung mit Untertiteln laufen, lernt sich Englisch ein wenig wie von selbst. Unterdessen wird auch an Universitäten und Hochschulen der Trend deutlich, auf Englisch zu setzen und andere Fremdsprachen abzuwickeln, so in Örebro, Karlstad, Gävle, in Södertörn bei Stockholm und in Göteborg. In Göteborg sind Tschechisch, Bulgarisch, Niederländisch, Polnisch und Hebräisch bereits verstummt, mit Italienisch ist auch bald Schluss, und weitere Sprachen gelten als Wackelkandidaten. „Natürlich kann es sein, dass eine Hochschule mit knappen Ressouren kämpft und deshalb eben einige Bereiche abwickeln muss", so Camilla Bardell. "Aber im Moment scheint man gerade Fremdsprachen als überflüssig einzustufen, im Gegensatz zu anderen Fächern."

Teure Ignoranz

Schwedische Unkenntnis schlägt sich mittlerweile ganz praktisch in Verlusten in Kronen und Öre nieder: Laut Forschung der Verhaltensforscherin Ingela Bel Habib scheitern in etwa 20 Prozent der kleineren und mittelgroßen schwedischen Betriebe Geschäftsabschlüsse an mangelndem Verständnis - in Dänemark liegt die entsprechende Zahl nur bei vier Prozent. Mit ihrer Kritik an schwedischer Ignoranz steht Camilla Bardel denn nun auch keineswegs allein. Warnende Worte kamen in jüngster Zeit nicht zuletzt aus der Wirtschaft. Dort ist man vor allem über die schwache Stellung des Deutschen in Schweden bekümmert. Jedes dritte schwedische Unternehmen hält Deutsch laut Arbeitgeberverband für die wichtigste Sprache in der Schule - gleichzeitig hat das Interesse der Schüler an Deutsch aber radikal abgenommen.

Schwerpunkt Deutsch

Im vergangenen Herbst forderte der Landesverband der Lehrer gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband denn auch mehr Engagement für die deutsche Sprache. Metta Fjelkner, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, sagte aus diesem Anlass gegenüber Radio Schweden: „Lange Zeit hieß es, Deutsch zu lernen sei unmodern. Im Gegenteil ist Deutsch aber eine große, wichtige Sprache,die Sprache eines unserer wichtigsten Handelspartner. Wir müssen in der Lage sein, mit Deutschen zu kommunizieren. Englisch reicht da eben oft nicht aus. Letzten Endes geht es darum, einen Job zum Beispiel in Deutschland zu bekommen."

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