Auf ins Gefecht
Schwere Entscheidung

Shoppen oder nicht shoppen - das ist die Frage

Vier Wochen vor Weihnachten und pünktlich zur Gehaltsauszahlung für viele Schweden stellen sich die Shopping-Tempel von Malmö im Süden bis Kiruna im Norden auf einen heißen Samstag ein. Aber auch die Gegenseite macht mobil: Die Organisation mit dem beredten Namen „En köpfri dag"- „Ein shoppingfreier Tag" - appelliert an die Kaufwütigen, just an diesem Samstag die Geschäfte mit Nichtachtung zu strafen. Göran Hådén, Sprecher der Initiative, hofft auf eine landesweite Aktion mit Symbolwert:

„Hier handelt es sich ja vor allem um einen Manifestationstag, um grundsätzlich Interesse für das Prinzip zu wecken, weniger zu konsumieren. Man wählt einen speziellen Tag aus, um eine wichtige Frage zu beleuchten." Und wohlwollende Aufmerksamkeit scheint in der Zielgruppe auf jeden Fall vorhanden. Eine Umfrage des Schwedischen Rundfunks mitten im Stockholmer Vorweihnachts-Shoppingstress legt jedenfalls nahe, dass ein Tag ohne Einkaufen für viele durchaus vorstellbar ist: „Auf jeden Fall, ich glaube, das wäre kein Problem." „Ich denke viel an die Umwelt und muss nicht jeden Tag einkaufen." „Ja klar. Was ich brauche, kann ich ja am Tag davor oder danach besorgen."

Der „Buy Nothing"- „Kauf nichts"-Tag wurde erstmals 1992 im kanadischen Vancouver begangen. In Kanada und den USA findet er inzwischen jeweils nach dem großen Thanksgiving-Fest im Oktober beziehungsweise im November statt. In Schweden wie im übrigen Europa ist jedoch der letzte Samstag im November für den Verkaufsverzicht reserviert. Die Teilnehmer sollen dabei ganz bewusst 24 Stunden lang auch nicht den kleinsten Artikel kaufen und so dem allgegenwärtigen Diktat der Konsumgesellschaft ein Schnippchen schlagen.

Beim Thailand-Urlaub wird`s interessant

Kristina Ek, Umwelt- und Verhaltensforscherin an der Technischen Hochschule Luleå, sieht die Aktion mit gemischten Gefühlen. Wir sollten weniger auf das Schlechte am Konsum an sich fokussieren und uns stattdessen mehr Gedanken darüber machen, was genau wir für unser Geld erwerben: „Dadurch, dass wir einen Tag lang nicht shoppen, verändert sich ja im Grunde nichts. Am Tag danach, am Sonntag, wird schmutzige Produktion nicht verschwunden sein. Und wenn ich am Samstag keine Monatskarte fürs Fitness-Zentrum kaufe, passiert auch nichts Entscheidendes. Wenn ich hingegen sage: Nein, ich reise über Weihnachten und Neujahr nicht nach Thailand - dann ist das ein recht großer Gewinn für die Umwelt." Die befragten Käufer in Stockholm können da nur zustimmen:

„Man sollte nichts Unnötiges shoppen, sondern an die Umwelt denken und versuchen, lokale Waren zu kaufen, sodass die Produkte nicht über die ganze Welt transportiert werden müssen." „Ich kaufe vieles gebraucht und verwende die Sachen dann, bis sie kaputt gehen. Also, ich kaufe nicht, um zu kaufen."

Bei solch vorbildlichen Verbrauchern sollte in Schweden eine Aktion wie der shoppingfreie Tag ja eigentlich gar nicht nötig sein. Oder? Tatsache ist: In den zurückliegenden 17 Jahren ist der Umsatz im hiesigen Weihnachtsgeschäft Jahr für Jahr gestiegen. Laut Prognosen des Forschungsinstituts des Handels wird sich dieser verlässliche Trend auch in diesem Jahr fortsetzen - trotz Krise und wachsender Arbeitslosigkeit. Das Neun-Millionen-Volk wird demnach für einen Weihnachts-Umsatz von umgerechnet knapp acht Milliarden Euro sorgen. Setzt sich die jüngste Entwicklung fort, wird man dabei, ebenfalls in wachsendem Maße, auch vor dem Shoppen auf Pump nicht zurückschrecken. Auch der Januar 2013 dürfte dann wieder ein froher Monat für Schwedens Pfandleiher sein.

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".