Det blir Gina Dirawi och Danny Saucedo som leder melodifestivalen nästa år. Foto: Sveriges Radio.
Beliebte Bloggerin und Moderatorin (hier mit dem Co-Moderator des Vorentscheids, Danny Saucedo) (Foto: Sveriges Radio)
TV-Event Melodifestivalen

Eurovision-Moderatorin leistet sich erneut Antisemitismus-Patzer

TV-Talent ohne Urteilsvermögen darf bleiben
4:16 min

Die Moderatorin des größten Fernsehereignisses des Jahres in Schweden, dem Vorentscheid zum Eurovision Song Contest, hat erneut durch zweifelhafte Blog-Einträge für Schlagzeilen gesorgt. Wie bereits vor zwei Jahren hat sich die 21-jährige Gina Dirawi mit Aussagen profiliert, die sich zwischen antisemitisch und naiv-ungebildet bewegen. Das Schwedische Fernsehen will jedoch von Rufschädigung nichts wissen und hält an der beliebten Komikerin fest.

Israels Regierung mache dasselbe mit den Palästinensern wie dereinst Hitler, nur mit anderen Mitteln – so Gina Dirawi im Mai 2010. Unglücklich sei der Ausdruck gewesen, so die Bloggerin später, keinesfalls habe sie die Judenvernichtung herunterspielen wollen. 

Anfang November dieses Jahr war es wieder soweit: Unter der Überschrift „Abendlektüre“ ziert der Titel eines Buches des bekannten Antisemiten und Holocaust-Leugners Lasse Wilhelmsson Dirawis Blog. Zwar versehen mit den Worten, sie wisse nach neun Seiten gar nicht, wovon das Buch handle, sorgte der Eintrag dennoch für einiges Aufsehen. 

Antisemit bekommt 3.000 Likes gratis

3.000 Personen klickten auf „Gefällt mir“ – ein schwer wiegendes Problem, meint Jonathan Lehman von der antirassistischen Stiftung Expo im Schwedischen Rundfunk: „Dirawi ist eine angesehene Unterhaltungskünstlerin und Moderatorin und hat enormen Einfluss mit entsprechender Verantwortung. Dadurch, dass sie ihren Eintrag über das Buch gepostet hat, hilft sie, die Ideen des Autoren zu verbreiten, und das ist problematisch.“ 

Dirawi ruderte schnell zurück und entschuldigte sich für ihre Naivität. Sie habe niemanden kränken wollen, so das in Sundsvall geborene TV-Profil mit palästinensischen Wurzeln. Für das Schwedische Fernsehen reicht diese – wiederholte – Entschuldigung. Man habe großes Vertrauen in Dirawis Grundhaltung zu anderen Menschen, erklärte der zuständige Programmchef, Peter Nyrén, gegenüber Radio Schweden. 

„Die Grundhaltung Dirawis stimmt“ 

Dirawi habe inzwischen verstanden, dass ihr Eintrag ohne Urteilsvermögen gewesen sei und ohne Einsicht in die Tatsache, dass alle Äußerungen von ihr als inzwischen anerkanntes TV-Profil weitreichende Konsequenzen hätten. 

„Das Wichtigste ist, dass Dirawis Wertvorstellungen nicht von denen abweichen, die wir bei unseren Moderatoren voraussetzen, soll heißen, eine demokratische Grundhaltung und die Überzeugung, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Für Vorurteile aufgrund von Ethnizität ist da kein Platz. Diesbezüglich haben wir bei Gina Dirawi keinerlei Bedenken.“ 

Nyrén verweist außerdem darauf, dass Dirawi zum Zeitpunkt des Blog-Eintrags nicht beim Fernsehen angestellt war. Der Vertrag für die Moderation des Eurovision-Vorentscheids beginnt erst im Januar. Von Fernsehseite habe man keine Zweifel daran gelassen, dass dann mit Einträgen politischer Art Schluss sein müsse. 

Talentiert – und ungebildet 

Nun fällt Gina Dirawi unter schwedischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihrem Wissensstand zum Thema Antisemitismus nicht weiter aus dem Raster: Eine Untersuchung des Schwedischen Komitees gegen Antisemitismus vor zwei Jahren zeigte, dass inzwischen jeder fünfte schwedische Schüler Juden gegenüber eine negative Einstellung hat.

Das Fernsehen will Dirawi als wortgewandte und clevere junge Einwanderin auf jeden Fall behalten, daran lässt der Verantwortliche der Unterhaltungssparte, Peter Nyrén, keinen Zweifel: „Wir stellen Dirawi als Moderatorin an, weil wir in ihr jemanden mit großem Talent und viel Charisma sehen. Wir beobachten natürlich, dass im Eifer der Debatte leicht untergeht, dass wir diese ernste Diskussion mit Dirawi geführt haben. Manch einer denkt vielleicht, dass wir irgendeinen Hintergedanken haben, doch so ist es nicht. Wir wollen mit einer talentierten Moderatorin arbeiten, die in keiner Weise eine Einstellung vertritt, wie sie ihr jetzt nachgesagt wird.“ 

Angesprochen auf den Skandal im Schwedischen Radio kürzlich, als ein ehemaliger TV-Sportreporter in einer Fußball-Liveübertragung einige Spieler des Stockholmer Clubs AIK als „Neger“ bezeichnete, machte Nyrén deutlich, dass sich diese Fälle nicht vergleichen ließen. Der TV-Veteran habe sich mit seiner Äußerung deutlich disqualifiziert, so eine Grenze habe Gina Dirawi mit ihrem Blog nicht überschritten.

Liv Heidbüchel

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