Julgranskulor
Noch hängen alle Kugeln am Baum
Verunsicherung bei Behörden und Schulen

Wie feiert man Weihnachten konfessionslos?

„Stille Nacht" verboten?
4:21 min

Die an vielen schwedischen Schulen traditionelle Weihnachtsfeier darf auch in einer Kirche stattfinden, vorausgesetzt sie beinhaltet keine religiösen Elemente. Mit dieser Empfehlung wollte die Schulbehörde nochmals klarstellen, was mit dem neuen Schulgesetz gemeint ist. Während die schwedische Kirche Unverständnis und Verwunderung signalisiert, denken zwei Minister über eine Gesetzesänderung nach, um den Weihnachtsfrieden nicht zu gefährden.

Die Weihnachtsabschlussfeier mit dem Singen traditioneller Lieder und einem kleinen Weihnachtsspiel, gehört bei vielen schwedischen Schulen zur Tradition. Meist findet sie in einer Kirche statt. Viele Schweden haben nichts dagegen, diese Tradition fortzuführen.

„Das ist eine nette Tradition, an der ich schon teilgenommen habe, ohne dass das sehr religiös geprägt war“, wie dieser Vater zweier Kleinkinder dem Schwedischen Fernsehen erklärt. „In unserer Schule haben sie damit aufgehört“, sagt dagegen diese Schülerin.

Deutliches Schulgesetz

Die Schulbehörde fand sich jetzt bemüßigt, nochmals Verhaltensmaßregeln auszugeben, um den Schulen nach der Änderung des Schulgesetzes im vergangenen Jahr beizustehen. Dort wurde ausdrücklich festlegt, dass die schwedischen Schulen konfessionslos sein müssen. Anna Ekström ist die Generaldirektorin der Behörde:  

„Die Schulen dürfen keine für Schüler obligatorische Abschlussfeier ausrichten, wo sie an der Ausübung von Religion teilnehmen. Das kann eine Predigt sein, das Glaubensbekenntnis, Gebete, und nach Entscheidung der Schulinspektion auch die Segnung.“

Von diesen Vorgaben hält die Schwedische Kirche allerdings recht wenig, wie Erzbischof Anders Weiryd deutlich macht: „Wenn da nichts Religiöses vorkommen darf, können wir ja nichts mehr erzählen oder singen, kaum noch eine Kerze anzünden. Das wird sehr mager.“

Welches Lied ist erlaubt?

Die Verunsicherung scheint groß und schnell geht es ins Detail. Welches Lied ist dann beispielsweise erlaubt, und welches geht auf keinen Fall? Dazu nochmal Generaldirektorin Ekström, was erlaubt ist: „Bei einem Schulabschluss im Sommer hätte ich gesagt ‚Den Blomstertid nu kommer‘ ist so ein Psalm. Ich kann mir vorstellen, dass in vielen Schulen ‚Stille Nacht‘ zur Tradition gehört. Das müssen die Schulleiter entscheiden.“

Doch Weihnachten so mal mir nichts dir nichts von der religiösen Bedeutung zu befreien, sie nicht so einfach. Erzbischof Weiryd empfiehlt der Schulbehörde, sich die Texte vielleicht dann doch noch mal genauer anzusehen: „Gerade dieses Lied ist doch sehr religiös, wie auch ‚Den blomstertid nu kommer‘ Es handelt ja von Gottes Gnade. Religion und Tradition sind eben nicht so einfach zu unterscheiden.“

Gesetzesänderung?

Die Politik reagiert unterdessen gereizt. Der christdemokratische Sozialminister Göran Hägglund lässt wissen, dass die alljährliche Debatte jeweils im Sommer und zu Weihnachten um die Schulabschlussfeiern nicht das wirkliche Problem der Schüler sei. Um die Debatte aber aus der Welt zu schaffen, könne über eine Änderung des Schulgesetzes nachgedacht werden, wonach einzelne Ausnahmen im Zusammenhang von traditionellen Feiern zugelassen werden könnten. Die Teilnahme müsse jedoch freiwillig sein. Ein Vorschlag, der offenbar auch vom liberalen Schulminister Jan Björklund mitgetragen wird.

Beobachter rechnen jedoch damit, dass eine entsprechende Gesetzesänderung vor allem bei säkular geprägten Humanisten, die jeglichen Einfluss der Kirche an Schulen eliminieren wollen, auf großen Widerstand stoßen wird.

Dieter Weiand

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