Eine muss sich kümmern
Mutterfalle schnappt zu

Männer bekommen 20.000 Euro mehr

Muttersein kostet - auch in Schweden
2:19 min

Die Schere zwischen Männer- und Frauengehältern klafft auch in Schweden weiter auseinander. Männer verdienen im Schnitt 14 Prozent mehr als Frauen. Wie nun eine Studie des staatlichen Forschungsinstituts für arbeitsmarkt- und ausbildungspolitische Fragen zeigt, sieht der Vergleich zwischen den Jahreseinkommen noch düsterer aus. Demnach verdient ein gut ausgebildeter Mann Mitte 40 im Schnitt 40 Prozent mehr als eine Frau mit gleicher Qualifikation. Schuld daran ist die Zeit zu Hause mit den Kindern – eine Aufgabe, der auch im gleichberechtigten Schweden vor allem die Mütter nachkommen.

Untersucht hat das Forschungsinstitut zwei Gruppen 45-jähriger Männer und Frauen: Die eine Gruppe ist in den 1940ern geboren, die andere in den 1960ern. Dabei blickten die Forscher auf die Anzahl Kinder der Betroffenen sowie die Entwicklung ihres Einkommens. Ergebnis: Das Einkommen von Männer und Frauen klafft erheblich auseinander – bei den Höhergebildeten bis zu 40 Prozent. 

Verantwortung kostet 

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Ausgangsgehalt vor dem Eintritt ins Elterndasein dasselbe ist. Das Problem ist vielmehr, dass Frauen länger Elternzeit nehmen, anschließend verstärkt Teilzeit arbeiten und zudem öfter kranke Kinder zu Hause betreuen. All dies führt zu weniger Arbeitszeit, was sich folglich für Frauen negativ im Jahreseinkommen niederschlägt. 

Kinder als Karrierebremse – so sieht es trotz umfassendem Kinderbetreuungsangebot auch in Schweden aus. Gut drei Viertel der Elternzeit nehmen noch immer die Mütter, nur ein Viertel entfällt bislang auf die Väter. Dass auch die Väter mehr Verantwortung für die Aufzucht der lieben Kleinen übernehmen, sieht Anna Sjögren vom Forschungsinstitut als einzige Lösung. 

Gegenüber Radio Schweden sagte die Volkswirtin: „Eine Entwicklung, die sich schon jetzt beobachten lässt, ist, dass sich Frauen und Männer die Elternzeit inzwischen stärker aufteilen. Wenn beide gleich viel arbeiten, wird sich auch die Einkommenskluft schließen.“ 

Arbeitgeber sind gefragt – im eigenen Interesse 

Zwei Drittel der Studierenden in Schweden sind heute Frauen. Dieses Ausbildungsniveau seitens der Akademikerinnen wird sich früher oder später auf das Arbeitsleben niederschlagen, ist sich Anna Sjögren sicher. 

„Arbeitgeber, die um die besten Arbeitskräfte konkurrieren wollen, werden nicht darüber hinweg sehen können, dass sich diese Kompetenz vielfach unter Frauen findet. Das Arbeitsleben wird sich folglich in gewissem Grad anpassen, so dass sich Karriere und Kinder besser vereinbaren lassen. So werden auch die Anforderungen an Väter wachsen, genauso viel Verantwortung für Kinder und Familie zu übernehmen wie die Mütter.“

Liv Heidbüchel/Ingrid Forsberg

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