Leksand hat die Bude (wie hier vor ein paar Wochen gegen Erzrivallen Mora) meist voll - die Kassen sind dagegen leer (Foto: Claudio Bresciani/Scanpix)
Leksands IF in wirtschaftlichen Schwierigkeiten

Mit Steuergeldern in die höchte Spielklasse

"Leksand Hockey muss überleben"
5:05 min

Der Tradtionsverein Leksand IF steht kurz vor dem Wiederaufstieg in die höchste schwedische Eishockeyspielklasse. Nach einem 3:1 Auswärtssieg bei Djurgården in Stockholm ist die Qualifikation für die Aufstiegsplayoffs so gut wie sicher. Doch der Stolz der mittelschwedischen Provinz Dalarna ist wirtschaftlich schwer angeschlagen und hält sich momentan mit Steuermitteln über Wasser. Eine höchst fragwürdige Wettbewerbsverzerrung, so die Kritiker.


Egal, wo Leksand spielt – meistens ist die Hütte voll. So auch am Mittwochabend im gut 8.000 Zuschauer fassenden „Hovet“ in Stockholm, wo Leksand mit einem Auswärtserfolg den Sieg in der zweithöchsten Spielklasse „Allsvenskan“ so gut wie sicher gemacht hat und sich somit berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die „Elitserie“ machen darf.

Der Verein aus der Kleinstadt am Siljansee hat Kultstatus. Mehrere Meisterschaften in den 60er und 70er Jahren – davon zehrt die Volksseele bis heute noch. Auch in den 90er Jahren gab es noch einige Erfolge. Dann ging es jedoch bergab: Abstieg – Aufstieg – und wieder Abstieg. Ziel war immer die höchste Spielklasse, doch das wurde in den vergangenen Jahren nicht erreicht. Gleichzeitig hat man mit einer neuen Arena und einem für „Allsvenskan“ teuren Spielerkader weit über seine Verhältnisse gelebt.

Vor dem Konkurs gerettet

Die Konsequenz war vor Jahreswechsel ein drohender Konkurs. Sehr zum Verdruss dieser Leksänderin, die lieber nicht beim Namen genannt werden will. „Immer wieder wird Geld geliehen. Es gibt vernünftigere Sachen, um Geld auszugeben. Es ist gut, unser Eishockey zu haben – aber zu welchem Preis?“

Der Preis war hoch – mit umgerechnet rund 18 Millionen Euro stand Leksands Eishockeyverein in der Kreide. Bei einem Gläubigerschutzverfahren haben die Kreditgeber jetzt auf 75 Prozent der Schulden verzichtet. Kommune und Staat hatten zuvor Kredite und Bürgschaften unter anderem für die Spielergehälter übernommen.

Unmut bei der Konkurrenz

Jetzt ist der Aufstieg nahe. Doch der Unmut der Konkurrenz ist spürbar. Während sich die anderen Vereine selbst über Wasser gehalten haben, finanziere Leksand seinen Erfolg über den Steuersäckel, so der Vorwurf. Das lässt dieser Leksand-Fan jedoch nicht gelten: „An einem Spieltag beginnt es bereits am Morgen im ganzen Körper zu kribbeln. Ich finde die Zeitungen übertreiben. Das ist fast schon eine Schmutzkampagne. Leksand Hockey muss überleben.“

Auch der Geschäftsführer von Leksands IF, Anders Doverskog, glaubt von einer Vision angetrieben zu sein: „Wenn ich unser Stadion sehe, bekomme ich schon ein wenig Gänsehaut. Wir wollen den Aufstieg schaffen und dann die Meisterschaft gewinnen. Wir sind einfach wieder dran. Das war zuletzt 1975. Dazu kriege ich im Stadion Inspiration.“

Wieder ganz oben dabei zu sein – das ist der Traum von Leksand – koste es was es wolle. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es laut Doverskog auch ein wenig Risikobereitschaft: „Klar haben wir uns selbst in den letzten Jahren in diese Situation gebracht. Das war ein langer Prozess und klar gehört da Zocken dazu.“

Aufstieg bringt mehr Geld

Bei einem Aufstieg in die höchste Liga würde sich das Risiko dann auszahlen, weil Leksand dann weitaus mehr von Fernseh- und Sponsorgeldern profitieren würde. „Wenn wir es in die 'Elitserie' schaffen, erhöhen wir unsere Einnahmen mit 40 Millionen Kronen. Es wäre doch falsch, wenn wir nicht die besten Spieler nutzen würden, um bei diesem Kampf dabei zu sein.“

Doch agiert eben Leksand bisher mit einem Erstliga-Etat in der zweiten Liga. Ausgeholfen hat bisher auch die Kommune Leksand mit umgerechnet knapp vier Millionen Euro. Für eine Kleinstadt nicht gerade ein Pappenstiel. Geld das Schulen und Betreuungsstätten fehlt. Doch für die konservative Stadträtin Annelie Stenberg ist es gut angelegtes Geld.

„Keine andere Gemeinde in unserer Größenordnung ist so bekannt wie Leksand. Das ist ein unglaubliches Warenzeichen. Klar ist das viel Geld. Aber der Eishockeyverein bedeutet so viel für unsere Stadt. Deshalb finde ich, das ist ein gutes Geschäft. Ich hoffe, Leksand schafft das. Denn am schlimmsten wäre, wenn der Verein in Konkurs ginge.“

Beruft sich auf Regeln

Derweil träumt Doverskog wie so viele vom Aufstieg Leksands. Die Bedenken der Konkurrenz wischt er beiseite: „Wir richten uns nach den geltenden Regeln. Es liegt nicht an Leksand, diese Regeln zu bestimmen. Wir sind gerne bereit, darüber zu diskutieren, wie diese Regeln in Zukunft aussehen sollen. Ich verstehe sogar die Kritiker, die sagen, das darf nicht so sein. Aber so sind nun mal die Regeln und wir richten uns danach.“

Doch gerade diese Regeln will der Eishockeyverband jetzt auch ändern. Wer 2014 wirtschaftlich nicht auf gesunden Füssen steht, soll auch keine Lizenz erhalten – weder für „Elitserien“ noch für „Allsvenskan“. Die Gefahr ist also groß, dass dem Traditionsverein die Zeit wirtschaftlich und sportlich davonläuft.

P1 Morgon/Dieter Weiand

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