Geplanter Ausbau der Kaverne
Experten halten Sicherheitsstandards für veraltet

Kritik an Schwedens Endlager unter der Erdoberfläche

Schwedens Endlagerpläne nicht auf heutigem Kenntnisstand
3:28 min

Schwedens Endlager für radioaktivem Abfall, nur 50 Meter unter der Erde, soll ausgebaut werden. Dort plant das zuständige Unternehmen SKB, kurzlebigen radioaktiven Abfall etwa nach dem Abriss des stillgelegten AKW Barsebäck zu lagern. Die Methode wird nun als überaus unzeitgemäß kritisiert - von deutschen Experten.

Obwohl das AKW Barsebäck bereits vor acht Jahren stillgelegt wurde, sind die Abrissarbeiten noch längst nicht in die Gänge gekommen. Zwar ist aller stark strahlender Abfall seit langem abtransportiert, doch die kontaminierte Anlage steht nach wie vor. Schweden nun verwendet für den Abriss die amerikanische Methode: Demnach werden die gut 20 Meter langen Reaktortanks im Stück verfrachtet und an geeigneter Stelle versenkt. In den USA geschieht dies in der ohnehin schon durch Atomtests verseuchten Nevada-Wüste.

Billig und schnell

Rip and Ship heißt die Methode, die beim zuständigen Chef für die Rückbaupläne des AKW Barsebäck, Leif Roth, auf großen Anklang stößt: „Die Methode ist sicher, am billigsten und am schnellsten. Nun sind wir davon abhängig, dass der Ausbau des Hohlraums in 100 Metern Tiefe fertig wird, aber dann wären die Rückbauarbeiten spätestens 2029 abgeschlossen."

Allein der Abrissschrott aus Barsebäck umfasst 130.000 Kubikmeter. Wenn der erste Hohlraum in 50 Metern Tiefe voll ist, geht es in die zweite Kaverne in 100 Metern Tiefe - so der Plan des für die Atommüll-Endlagerung zuständigen Unternehmens SKB. Wenn die Kaverne dann in ungefähr 50 Jahren auf immer versiegelt wird, sickert Wasser aus der Ostsee hinein, verdünnt den radioaktiven Inhalt und spült ihn langsam, aber beständig in das Binnenmeer.

„Auf Niveau der 1980er"

Kritik an der Methode kommt nun unter anderem vom Ökoinstitut in Darmstadt. Atommüll-Experte Gerhard Schmidt betonte gegenüber dem Schwedischen Rundfunk, dass eine so schlechte Lösung in Deutschland vollkommen undenkbar sei. Die Technik sei gemessen am Kenntnisstand in den 1980er Jahren noch angebracht gewesen, jedoch nicht mehr im Jahr 2013.

Die deutsche Methode gilt in Schweden als sowohl zu teuer als auch zu gefährlich für die Arbeiter. In Deutschland werden beispielsweise die Tanks in kleinere Teile zersägt und gespült. Dadurch kann ein Großteil des Schrotts recycelt werden, nur ein vergleichsweise kleiner Teil muss ins Endlager.

Sascha Gentes, Rückbau-Spezialist am Karlsruher Institut für Technologie, machte im Schwedischen Rundfunk deutlich, dass Deutschland beim Thema AKW-Rückbau eine Vorreiterrolle in Europa einnehme. „Man verlagert die Probleme nicht in die Zukunft, sondern löst sie jetzt", so Gentes.

Schweden über jeden Zweifel erhaben

Die Direktorin von SKB, Saida Laârouchi Engström, hält die Rip-and-Ship-Methode dennoch für tadellos: „Unsere Anlage ist ausgezeichnet und erfüllt die an uns gestellten Anforderungen. Wir haben vollstes Vertrauen in sie und sind überaus zufrieden. Die zuständigen Behörden halten die Kaverne auch für eine gute Lösung und haben sie entsprechend gutgeheißen. Für mich gibt es also keinerlei Anlass, uns mit Deutschland oder irgendeinem anderen Land zu vergleichen."

Dass dereinst aus dem Hohlraum Strahlung in die Umwelt dringt, sieht Laârouchi Engström entsprechend als wenig dringliches Problem: „Sicher rechnet man damit, dass in 500 Jahren etwas nach außen dringt, aber dabei handelt es sich um ein Niveau, das die Radioaktivität in der Gegend nicht wesentlich erhöhen wird. Es gibt diesbezüglich Auflagen, und denen kommen wir nach."

Liv Heidbüchel/Marcus Hansson, Vetenskapsradion

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