A wie Annie und Allianz: Zentrums-Chefin Lööf bereitet sich auf Eintreffen der Amtskollegen in Maramö vor (Foto: Henrik Montgomery/Scanpix Schweden).
Zentrums-Vorsitzende strengt Aktualisierungs-Treff an

Bürgerliche Allianz sucht Ausweg aus Dilemma

Bürgerliche Allianz sucht in Småland alte Geschlossenheit
3:29 min

Angesichts sinkender Vertrauenszahlen in die kleinen Parteien der Regierungskoalition steht die bürgerliche Allianz vor der Frage, wie künftig gemeinsam regiert werden und vor allem die nächste Wahl gewonnen werden soll. Acht Monate nach der Einladung von Zentrums-Chefin Annie Lööf in ihr Elternhaus im småländischen Maramö folgen die Parteichefs nun dem Ruf, um - wenn schon nicht das Feuer in der Koalition neu zu entfachen - so doch zumindest Einigkeit zu demonstrieren. Ob damit ein Auseinanderbrechen der Allianz bei der nächsten Wahl verhindert werden kann?

2004, im västerbottnischen Högfors bei der damaligen Zentrums-Chefin Maud Olofsson zu Gast, war die Welt noch in Ordnung: Die vier bürgerlichen Parteien formierten sich gerade zu ihrer Allianz, 2006 stießen sie den damaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Göran Persson vom Thron und bildeten die Regierung. 2010 dann folgte die erfolgreiche Wiederwahl.

Seitdem habe man sich jedoch aufs Verwalten verlegt, es fehlten die Ideen, meint Heidi Avellan, politische Redakteurin beim unabhängig-liberalen Sydsvenska Dagbladet gegenüber Radio Schweden: „Nach anderthalb Jahren Legislaturperiode sind die Visionen und Ideen ins Hintertreffen geraten. Man regiert und beschäftigt sich natürlich schon die ganze Zeit mit dringlichen Fragen. Aber was man künftig will, kann man nicht recht vermitteln. So lässt sich keine Wahl gewinnen."

Ohne Wähler keine Allianz

Hauptschwierigkeit der Regierungskoalition ist der Wählerschwund bei den kleinen Parteien. Zentrumspartei und Christdemokraten würde der Einzug ins Parlament derzeit schwer fallen, und auch die Liberalen können sich mit einem Zustimmungswert um 5 Prozent nicht gerade schmücken.

Der jüngsten Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Tageszeitung Dagens Nyheter zufolge, sinkt auch das Vertrauenskapital der Parteichefs deutlich. So traut etwa nur noch jeder vierte bürgerliche Wähler der Zentrums-Chefin Lööf ihre Führungsposition zu. Die Beliebtheit von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt dagegen ist ungebrochen. In derselben Meinungsumfrage konnte der Vorsitzende der Konservativen seinen Vorsprung sogar noch ausbauen: 54 Prozent sämtlicher Befragten haben demnach Vertrauen in Reinfeldts Amtsausübung.

Konservative im Abwarten erstarrt

Die Situation der Konservativen ist dennoch prekär: Eine erfolgreiche Wahlkampagne würde den kleinen Parteien noch mehr Leihstimmen abziehen - mit der Folge, dass der eine oder andere Partner an der Vier-Prozent-Hürde scheitert. Die Allianz würde zerbrechen. Wenn sich die Konservativen jedoch gar nicht profilieren, sondern den Allianzkollegen immer den Vortritt lassen, so werden die Wähler dies auch abstrafen, ist sich Heidi Avellan vom Sydsvenska Dagbladet sicher.

„Man macht den klassischen Fehler, der 2006 den Sozialdemokraten den Wahlsieg gekostet hat: zu denken, dass man sich auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. Die Wähler interessiert bloß überhaupt nicht, was von früher bis heute passiert ist, sondern sie wollen wissen, wo es in Zukunft langgeht. Wenn die Konservativen jetzt nicht nach vorn zeigen, wird es ihnen gehen wie Göran Persson 2006."

Jede der Parteien sucht ihr eigenes Profil und die ganz eigene Frage, mit der man im Wahlkampf auftrumpfen will. Gleichzeitig soll eine Einigkeit beschworen werden, von der in jüngster Zeit nicht mehr allzu viel zu spüren gewesen ist.

Aktualisieren-Taste drücken

Schon während der Politikerwoche in Almedalen auf Gotland im vergangenen Sommer überraschte Zentrums-Chefin Annie Lööf ihre Kollegen mit der Einladung ins elterliche Heim in Småland, um dort den Geist früherer Zeiten wieder heraufzubeschwören. Es sei Zeit, auf „Aktualisieren" zu drücken, befand Lööf damals.

Bei den Amtskollegen hält sich die Begeisterung in Grenzen. Am Wochenende stand auf den Homepages der Parteien von dem Treffen in Maramö nichts zu lesen.

Liv Heidbüchel/Anders Ljungberg

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