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Stockholm prescht bei der Privatisierung der Kinder- und Jugendpsychiatrien voran (Foto: Sofia Boo/Sveriges Radio)
Kinder- und Jugendpsychiatrie

Privatdienstleister vernachlässigen die Sozialpsychiatrie

„Patienten mit sozialpsychiatrischen Problemen zahlen sich nicht aus"
3:55 min

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie nehmen private Dienstleister eine zunehmend prominente Rolle ein. In den Provinzen Östergötland und Stockholm übernimmt jetzt das Privatunternehmen Prima mehrere Teile der psychiatrischen Einrichtungen und sorgt damit für Unruhe bei Patienten und deren Familien. Vor allem in der Sozialpsychiatrie muss künftig mit Einsparungen gerechnet werden.

„Mein Sohn hat ADHS, er erhält in der Jugendpsychiatrie eine Kombination aus medizinischer und therapeutischer Behandlung“, erzählt Caridad, Mutter eines sechsjährigen Jungen, wohnhaft in Stockholm. „Sein Therapeut wird unter der neuen Leitung die Einrichtung verlassen müssen, und ich bin sehr besorgt, dass sich sein Zustand in Folge dessen wieder verschlechtern wird. Es war wirklich furchtbar früher. Er hat sich selbst geschlagen, gewürgt, gekratzt – sich große Schmerzen zugefügt.“

Caridad und andere Eltern in Stockholm zeigen sich nun beunruhigt angesichts der anstehenden Veränderungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Neue private Dienstleiter, allen voran das Unternehmen Prima, übernehmen Teile der städtischen Psychiatrien – von den 17 Kliniken im Großraum Stockholm gehen vier nun in private Trägerschaft über. Vor allem der Preis hat den Ausschlag für Prima bei der allgemeinen Ausschreibung gegeben: Deren Angebot lag um umgerechnet mehr als 700.000 Euro unter dem der konkurrierenden Mitbieter. Eben diese höhere Kosteneffektivität sorgt nun bei den Betroffenen für Unruhe.

Erkenntnisse aus der Erwachsenenpsychiatrie sprechen gegen Privatisierung

Birgitta Ryberg, Parteimitglied der Liberalen und mitverantwortlich für Ausschreibungen im Stockholmer Gesundheitswesen, kann der fortschreitenden Privatisierung allerdings hauptsächlich Gutes abgewinnen: „Allgemein beobachten wir, dass mehrere unterschiedliche Akteure dem Gesundheitssektor gut tun. Pflegemethoden werden entwickelt, das Angebot wächst und die Bedürfnisse der einzelnen Patienten können besser aufgegriffen werden“, so Ryberg gegenüber Radio Schweden.

 Zumindest wenn man den Vergleich mit der Erwachsenenpsychiatrie zieht, scheinen sich solche Erwartungen allerdings nur in geringen Maßen erfüllt zu haben. Dies sagt jedenfalls Jimmie Trevett vom Interessenverband RSMH: „In der Erwachsenenpsychiatrie ist das Angebot zurückgegangen. Stellt man weniger Geld zur Verfügung, muss man sich nun einmal fragen, ob dieselbe Effektivität und dasselbe Angebot aufrechterhalten werden können. In manchen Teilen der Erwachsenenpsychiatrie ist es eben nicht so.“

Sozialpsychiatrie wird leiden

In der Kinder- und Jugendarbeit werden vor allem soziale Aspekte künftig zurückgefahren  – zugunsten medizinischer Behandlung. Ärzte machen den Großteil des Personals bei Privatdienstleistern wie Prima aus – in den nun übernommenen Einrichtungen wird bevorzugt bei Sozialarbeitern gekürzt. Im Stockholmer Vorort Botkyrka etwa plant Prima, ungefähr ein Drittel des Personals zu entlassen, wobei vor allem Sozialarbeiter und -psychiater betroffen sein werden. Dies resultiert einerseits aus einer höheren Kosteneffektivität, andererseits aus neuen kinderpsychiatrischen Ambitionen des Dienstleisters. Dabei soll künftig einer sogenannten evidenzbasierten Wissenschaft Vorrang gegeben werden, in der alle Kinder zuallererst einen Arzt treffen sollen. Die ärztliche Einschätzung ist dabei entscheidend für die weitere Behandlung.   

Für einen der Psychologen in Botkyrka, Staffan Lundberg, kommen die anstehenden Personalkürzungen als schwerer Schlag. Bei den Vororten Botkyrka und Järva handelt es sich um sozial schwache Wohngebiete mit hohem Zuwandereranteil. Der Alltag in den dortigen Einrichtungen ist gezeichnet von ausbleibenden Patientenbesuchen, langwierigen Gesprächen und häufig ergebnislosen Sitzungen. Vor allem Sozialarbeiter seien hier gefragt, so Staffan Lundberg. „Die Entwicklung ist sehr unglücklich verlaufen. Es besteht nun das Risiko, dass Patienten mit sozialpsychiatrischen Problemen zwischen die Stühle fallen, eben weil es sich weniger auszahlt, mit ihnen zu arbeiten.“

Hansjörg Kissel / Jenny Hallberg / Ulf Bungerfeldt (P4 Stockholm)

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