Rullatorer i en korridor vid ett äldreboende i Nynäshamn. Foto: Claus Gertsen/Scanpix
Pflegeeinrichtungen brauchen nachvollziehbare Risikoeinschätzungen, meint die Branchenorganisation der privaten Pflegeanbieter
Radio-Schweden-Blickpunkt: Gewinne in der Pflege

Deutscher Diplom-Pflegewirt: „Die schwedische Altenpflege ist gut“

"Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten"
3:46 min

Nach den Skandalen innerhalb der Altenpflege wird vermehrt der Ruf nach Qualitätskontrollen laut. Wie Radio Schweden bereits berichtete, ist besonders den privaten Akteuren daran gelegen, ihre Leistungen öffentlich nachvollziehbar zu machen. Dabei könnten die Qualitätsregister behilflich sein, die die privaten Pflegeanbieter zunehmend einführen. Vorangetrieben wird diese systematische, interne Qualitätssicherung beim Verband der privaten Pflegeunternehmen „Vårdföretagarna“ von Michael Ritter, deutscher Diplom-Pflegewirt mit Erfahrungen im deutschen Pflege-Management. Radio Schweden hat mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

„Die schwedischen Untersuchungen, die ich kenne, zeigen ja, dass die Qualität der schwedischen Altenpflege gut ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass es keine Verbesserungsmöglichkeiten gibt, und das ist auch Teil meiner Arbeit. Ich unterstütze unsere Mitgliedsunternehmen darin, für die Altenpflege relevante Qualitätsregister in Schweden einzuführen, und helfe ihnen bei der Verbesserungsarbeit.“ 

Michael Ritter ist Diplom-Pflegewirt und blickt auf langjährige Erfahrungen im praktischen Bereich als Krankenpfleger zurück, kennt sich aber mindestens genauso in Sachen Pflege-Management aus. So hat der heute 54-Jährige früher in Frankfurt am Main unter anderem als Qualitätsbeauftragter bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet, aber auch als Heimleiter und Hochschuldozent.

Nach einiger Zeit als Krankenpfleger im nordschwedischen Östersund, wohin es ihn mit seiner Frau 2008 verschlagen hat, arbeitet Michael Ritter nun für die Branchenorganisation der privaten Pflegeunternehmen.

„Es gibt ein Qualitätsregister, in das man einträgt, welche Risikobestimmungen man festgelegt hat, etwa in den Bereichen Fall, Unterernährung und Dekubitus, also Druckgeschwüre. Die vorgenommenen Einschätzungen klickt man in das Register ein und setzt gleichzeitig Maßnahmen fest, die das Register schon mitliefert. Damit sollen die Risiken aktiv eingeschätzt werden, um dann die Pflege entsprechend gestalten zu können.“

Großes Interesse an systematischer Buchführung 

Bei Vårdföretagarna ist mit 2.000 Mitgliedern und deren rund 20.000 Angestellten ein beträchtlicher Teil der Privatakteure organisiert. Michael Ritter freut, dass sich die 20 größten Pflegeunternehmen bereits dem Qualitätsregister angeschlossen haben. Immerhin sind dort 90 Prozent der Mitarbeiter beschäftigt. 

„Ich finde es gut, dass man die Initiative ergriffen hat, diesen Bereich weiter auszubauen, und das heißt natürlich auch, dass hier Verbesserungspotenzial besteht.“ 

So hat bislang nur etwa jeder zweite Betroffene eine Risikoeinschätzung bekommen. Bei vielen Unternehmen stößt Michael Ritter zunächst auf Unverständnis, denn eine Risikoeinschätzung werde immer vorgenommen, heißt es oft seitens der Verantwortlichen. Was bislang allerdings fehlte, ist das systematische Einpflegen in ein Register. Allein seit Juli vergangenen Jahres hat sich Ritter zufolge die Zahl der angeschlossenen Pflegeeinheiten in Schweden an dieses Register verdoppelt. 

Auch bettlägrige Kunden wollen König sein 

Künftig wird es im Pflegebereich noch viel stärker um Fragen der Wettbewerbsfähigkeit und der Wahlfreiheit gehen, glaubt der Diplom-Pflegewirt. 

„Die Kunden, das sieht man in Deutschland, werden natürlich den Pflegedienst wählen, von dem sie meinen, dass er die bessere Qualität hat – wenn sie denn die Möglichkeit dazu haben. In Deutschland ist es möglich, dass man, wenn man auf der Suche nach einem Pflegedienst oder –heim ist, im Internet die Ergebnisse des medizinischen Dienstes zu seinen Qualitätsprüfungen vergleichen kann. Ein solches Portal gibt es in Schweden zurzeit nicht, aber Vårdföretagarna hat ein entsprechendes Projekt aufgelegt und beschäftigt sich nun mit diesen Fragen.“ 

Dieses Projekt sieht vor, dass zum Beispiel Patientenbefragungen im Internet abrufbar sein sollen, so dass ein potenzieller Kunde einen Eindruck von der jeweiligen Einrichtung bekommt. Nun sind die Ergebnisse der Qualitätsregister, mit denen Michael Ritter arbeitet, nur für den unternehmensinternen Gebrauch bestimmt. Dennoch könnten sie – zumindest längerfristig gesehen - für die Arbeit an den öffentlichen Ergebnissen nützlich sein.

Liv Heidbüchel/Sybille Neveling

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