Leihmutterschaft künftig auch in Schweden?
Neue Empfehlung des Rats für Medizinethik

Zulassung von Leihmutterschaft in Sicht

"Ethikrat empfiehlt nicht-kommerzielle Leihmutterschaft"
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Leihmutterschaft soll künftig in Schweden legalisiert werden. Diese Empfehlung hat der aus Mitgliedern von Regierung und Parlament bestehende Rat für Medizinethik am Donnerstag ausgesprochen. Nach Ansicht vieler Beobachter könnte dies zu einer liberaleren Gesetzgebung in Sachen Surrogatmütter in Schweden führen.

Das Thema Leihmutterschaft ist in vielen Ländern inner- und außerhalb Europas heiß umstritten. „Mitmenschliche Handlung“, rufen viele Befürworter. „Postkoloniale Ausbeutung“ und „Geschäft mit dem Leben“ so mancher Gegner. Etwas weniger als die Hälfte der EU-Staaten gewährt derzeit unter bestimmten Auflagen Leihmutterschaft im eigenen Land, in Deutschland und Schweden sind Surrogatmütter per Gesetz ausgeschlossen. Zwischen den politischen Parteien Schwedens hat in den vergangenen Jahren ein erbittertes Tauziehen über das Für und Wider der geliehenen Gebärmutter stattgefunden – vorneweg auf der Gegnerseite die in anderen Belangen eher ungewöhnliche Koalition aus Christdemokraten und Linkspartei.

Bei einer Leihmutterschaft besteht keine genetische Verbindung zwischen dem Kind und der Frau, die es austrägt. Eine befruchtete Eizelle, also ein Embryo, wird in die Gebärmutter eingesetzt, wächst im Leib der Leihmutter heran und wird schließlich von dieser geboren. Das Ei kann dabei von der genetischen Mutter oder aber einer Spenderin stammen.

Ethikrat empfiehlt nicht-kommerzielle Leihmutterschaft

Mit der neuen Empfehlung des Rats für medizinische Ethik könnte sich nun jedoch das Blatt zugunsten der Fürsprecher wenden. „Mit unserer Empfehlung ist nicht der kommerzielle Bereich der Leihmutterschaft gemeint“, betont der Vorsitzende des Rates, Kjell Asplund, im Schwedischen Rundfunk. „Es geht darum, dass man seinem Mitmenschen helfen kann. Es sollte sich dabei um einen näheren Verwandten wie eine Schwester oder Schwägerin handeln, oder auch um einen engen Freund.“ Mit dieser Regelung solle ein Geschäft mit der Leihmutterschaft ausgeschlossen werden.

Sollte es nun zu einer Gesetzesänderung kommen, könnten hetero- und homosexuelle Paare, denen der Kinderwunsch nicht auf anderem Wege erfüllt werden kann, eine Leihmutterschaft in Schweden beantragen. Frauen, die die Kinder austragen, müssen sich allerdings einer Eignungsprüfung unterziehen die feststellen soll, ob sich die Leihmutter der körperlichen und mentalen Anforderungen auch wirklich bewusst ist. Diese Regel soll Kritikern entgegenkommen, die auf die vorherrschenden Wissenslücken bei den psychischen Folgen für die Leihmutter hinweisen. Zudem müsse garantiert werden, dass die von einer Leihmutter geborenen Kinder über ihre Herkunft informiert sein müssen.

Leihmutterschaft in Entwicklungsländern stark kritisiert

Obgleich Schweden die Leihmutterschaft im eigenen Lande bisher ausschließt, gibt es kein hiesiges Gesetz, das Auslands-Leihmütter verbietet. Etwa 100 Kinder gibt es in Schweden, die von einer im Ausland lebenden Surrogatmutter geboren wurden, zeigt eine Statistik der Sozialbehörde. Auf eben diesen wunden Punkt zeigen viele Kritiker, denn eine große Mehrzahl der Leihmütter stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Ländern wie Indien oder der Ukraine. Das Stichwort „Babyfarmer“ macht dabei häufig die Runde; Berichte über die rücksichtslose Ausbeutung armer Frauen aus ländlichen Gebieten Indiens, die für einen Hungerlohn die Sprösslinge reicher weißer Eltern gebären müssen. So lautet jedenfalls die gängige Kritik, die in Schweden vor allem von der Linkspartei angeführt wird.

Eben diese kommerzielle Ebene der Leihmutterschaft will der Ethik-Rat bei seiner Empfehlung ausschließen. Neben den moralischen Kehrseiten könnten mit einer Legalisierung in Schweden auch die teilweise beschwerlichen bürokratischen Hürden vermieden werden. Für die schwedischen Behörden hat ein im Ausland von einer Leihmutter geborenes Kind häufig denselben Status wie bei einer Adoption. Es kann Monate, teilweise bis zu einem Jahr dauern, bis den biologischen Eltern das Sorgerecht zugesprochen wird. Zudem müssen die Eltern oft die strengen Auflagen erfüllen, die ansonsten bei internationalen Adoptionen üblich sind.

Hansjörg Kissel / Karin Runblom (SR Ekot)

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