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Migrationsbehörde will Frauen-Import für Gewalttäter erschweren

Migrationsbehörde will Frauen-Import bekämpfen
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Der so genannte Frauen-Import nach Schweden floriert. Die rund 10.000 Frauen pro Jahr, die als Einreisegrund eine Liebesbeziehung angeben, landen vielfach in sklavenartigen Verhältnissen. Nun will die Migrationsbehörde auch bei verheirateten Männern Einblick ins Strafregister nehmen, um diesem Treiben den Riegel vorzuschieben.

Etliche der 10.000 Frauen, die jedes Jahr dem Ruf aus Schweden folgen, erwarten sich wohl auch keine Liebesbeziehung, wohl aber ein besseres Leben als das in ihrer Heimat. Ann Isaksson von der Frauenberatungsstelle „Alla kvinnors hus" weiß jedoch aus Erfahrung, wie sich der Alltag für viele der so genannten Import-Frauen in Schweden gestaltet. Im Schwedischen Fernsehen erzählt sie: „Die Frauen leben isoliert und lernen kein Schwedisch. Sie kümmern sich von früh bis spät um ihren Mann und werden ausgenutzt, vor allem sexuell."

„Kontinuierlicher Frauen-Wechsel"

Die Gutachterin im Auftrag der Regierung, Eva Eriksson, stellte bereits zum Ende vergangenen Jahres fest, dass sich so mancher schwedische Mann einen regelrechten Sport daraus gemacht hat, Frauen nach Schweden zu holen. Nach zwei Jahren des Zusammenlebens bekommen die Einwanderinnen eine Aufenthaltsgenehmigung - doch nach Ansicht der Experten kommt es nicht selten vor, dass der Mann die Beziehung kurz vorher beendet, nur um sich anschließend eine neue Frau als Bedienstete aus dem Ausland zu besorgen.

„Es gibt Beispiele von Männern, die bereits vier, fünf Frauen hatten, und sogar einen mit sieben Frauen, die kontinuierlich ausgetauscht wurden", so Gutachterin Eriksson.

Verheiratet gilt als unbescholten

Seit Schweden vor zehn Jahren die Richtlinie zur Familienzusammenführung eingeführt hat, darf die Migrationsbehörde nur noch die Männer mittels des Strafregisters kontrollieren, die bislang unverheiratet sind - und dann den Zuzug einer Frau zwecks Heirat verhindern. Wer allerdings schon verheiratet ist, hat in den Augen des Gesetzes eine weiße Weste und kann unbeanstandet Frauen nach Schweden holen.

Bei der Migrationsbehörde regt sich nun Unmut ob dieser Praxis. „Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, dass Frauen nach Schweden kommen, um hier Opfer von Verbrechen zu werden", erklärt Sachbearbeiter Håkan Jonsson. „Es wäre wünschenswert, wenn man dieses Vorgehen rechtzeitig stoppen könnte."

Bislang jedoch sind der Behörde die Hände gebunden. Mehr Befugnisse wären die Lösung, so Jonsson im Schwedischen Fernsehen: „Man sollte sämtliche Referenzpersonen mit unseren Registern abgleichen dürfen, also sowohl dem Verdachtsregister als auch dem Strafregister. Vermutlich würde das nicht jeden zum Aufhören bringen, aber wir würden zumindest mehr Fälle aufdecken als heute."

Die Dunkelziffer von eingeflogenen Frauen, die mehr oder weniger in schwedischer Privatgefangenschaft wohnen, dürfte erheblich sein. Schließlich ist es für eine Einwanderin mit mangelhaften Schwedisch- und Englisch-Kenntnissen ein großer Schritt, den Mann anzuzeigen und so überhaupt einen Eintrag im Strafregister zu erwirken.

Liv Heidbüchel

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