Häufig in den Schlagzeilen: Atomkraftwerk Forsmark (Foto: Tomas Oneborg/Scanpix)
Geheimer Bericht

Kernschmelze-Gefahr: Greenpeace will Klarheit

"Das sind Ausflüchte"
3:10 min

Wie groß ist die Gefahr eines schweren Störfalls in schwedischen Kernkraftwerken? Die Antwort auf diese Frage ist mittlerweile geheim.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace einen Bericht mit so genannten PSA-Analysen über die Risiken einer Kernschmelze beantragt. Bis vor kurzem waren diese Analysen öffentlich zugänglich. Doch diesmal wurde der Greenpeace-Antrag abgewiesen. Die Strahlenschutzbehörde versah den gesamten Bericht mit dem Geheimhaltungs-Stempel. Eine Maßnahme, die laut dem im Allgemeinen geltenden schwedischen Öffentlichkeitsprinzip nur in ganz bestimmten Fällen zur Anwendung kommt - nämlich dann, wenn die Sicherheit des Landes auf dem Spiel steht. Und genau darum gehe es hier, heißt es von Seiten der Strahlenschutzbehörde.

Sicherheitsmängel verschleiern?

"Man hat die Sicherheit stärker im Blick, insbesondere seit den Terrorattentaten vom 11. September 2001", so Chefjurist Ulf Yngvesson im Schwedischen Fernsehen. Den gesamten Sicherheitsbericht mit all seinen technischen Details öffentlich zu machen, sei angesichts terroristischer Bedrohungen allzu riskant. Doch die Umweltschützer nehmen der Behörde diese Begründung nicht ab. In Wirklichkeit, mutmaßen die Greenpeace-Aktivisten, wolle man eventuelle Sicherheitsmängel schlicht verschleiern. "Das sind doch Ausflüchte", meint Rolf Lindahl, Kernkraftspezialist bei Greenpeace. "Selbstverständlich hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf zu erfahren, welche Risiken schwedische Kernkraftwerke bergen."

Greenpeace hat die Strahlenschutzbehörde daher wegen der Geheimhaltung des Berichts verklagt - und zumindest einen Teilerfolg errungen: Das Berufungsgericht der Verwaltungsgerichtsbarkeit, das einschlägige Streitfälle zum Thema Öffentlichkeitsprinzip behandelt, stellte in seinem Urteil kürzlich fest, dass die Geheimhaltung des gesamten Berichts nicht rechtens ist.

Stark verkürzter Bericht

Dies bedeute jedoch nicht, dass die sensiblen technischen Details veröffentlicht werden müssten, sagt Ulf Yngvesson von der Strahlenschutzbehörde: "Nein, das glaube ich nicht. Das Gericht betont ja, dass der Bericht auch allgemeinere Aussagen enthält, die man durchaus veröffentlichen kann - und genau das werden wir tun." Einen entsprechend zensierten Bericht bekam auf Anfrage denn auch das Schwedische Fernsehen. Enthalten darin: ein Vorwort sowie ein Verzeichnis des Inhalts der verschiedenen Kapitel. Bei Greenpeace gibt man sich mit dieser Miniaturvariante nicht zufrieden. Nun will man erneut klagen - Terrorismus-Gefahr hin oder her. "Die wichtige Frage ist doch: Wie groß ist die Gefahr für die Allgemeinheit, wenn eine Kernschmelze eintritt", so Rolf Lindahl, „und radioaktive Strahlung in die Umwelt gelangt?"

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