Noch ein zu seltenes Bild auch Chinas Strassen
Kaum Erfolg auf dem chinesischen Markt

Volvo auf der Suche nach dem Luxusfeeling

"Volvos Schwachpunkt ist das Design"
3:52 min

Sinkende Verkaufszahlen auf fast allen Märkten: Der schwedische Automobilhersteller Volvo muss in China, der Heimat seiner Muttergesellschaft Geely, erfolgreich sein, um überleben zu können. Das wurde von der Unternehmensführung vorgegeben. Die bisherige Bilanz sieht nicht so rosig aus – der Konzernchef wurde ausgewechselt, neue Modelle vorgestellt – doch bisher läuft es alles andere als rund für Volvo. 

Die chinesische Geely war der Retter in der Not, als Volvo 2009 das Wasser bis zum Hals stand. Die Märkte waren nach der Finanzkrise eingebrochen und die damalige amerikanische Muttergesellschaft Ford hatte die Geduld verloren. Mit der Übernahme durch Geely schien das Unheil abgewendet und in der Zentrale in Göteborg keimte die Hoffnung, mit der Hilfe von Geely auch schnell auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Schließlich hatte Volvo in China bereits einige bescheidene Erfolge und die Wirtschaft dort boomte.

Doch es kam anders. Im vergangenen Jahr verkaufte Volvo rund 11 Prozent weniger Autos in China. Stellen wurden abgebaut. Die Produktion ruhte teilweise. Konzernchef Stefan Jacoby musste gehen und wurde durch Håkan Samuelsson ersetzt. Ende Februar stellte Volvo sechs neue Modelle vor. Doch der Erfolg in China wird sich nicht so schnell einstellen, meint Vorstandsvorsitzender Li Shufu, und hat dabei eine der wichtigsten Ursachen ausgemacht: „Volvos Schwachpunkt ist das Design. Auch im Innenraum strahlt das Auto nur wenig Luxus aus. Es wird als zu skandinavisch empfunden. Was das Design des Innenraums angeht, hat man sich noch nicht dem angepasst, was die Chinesen als Luxusklasse ansehen. Das muss verbessert werden.“

Gediegenheit als Nachteil

Volvo kämpft also mit Imageproblemen. Was früher die Vorteile eines Volvo waren: die gediegene Sicherheit, ohne groß aufzufallen – gereicht der Marke jetzt zum Nachteil.

Die Konkurrenz schaut einfach besser aus. Ähnliche Urteile hört man auch auf anderen Wachstumsmärkten wie etwa Russland. Vielleicht wiederholt sich ja für die Schweden die Geschichte. In der DDR war ein Volvo ein Nonplusultra und Staatskarosse. Als die Mauer fiel, kauften sich viele jedoch lieber einen Benz oder BMW. Volvo gilt als die sichere, aber eben auch als die biedere Wahl.

Gegen dieses Image kämpft Volvo mit durchwachsenem Erfolg an. Das mussten auch die chinesischen Investoren gewusst haben, als sie die schwedische Traditionsmarke vor drei Jahren übernommen haben. Bei der Entwicklung neuer Modelle werden die Wünsche des Aufsichtsrates jedenfalls berücksichtigt, wie Entwicklungschef Peter Mertens dem Schwedischen Fernsehen erklärt: „Wir denken viel an den chinesischen Markt – selbstverständlich. Er gehört schließlich zu den drei größten und wird sicher noch wichtiger werden. Wir werden deshalb auch speziell Modelle für den chinesischen Markt entwickeln.“

Volvo mit Chauffeur?

Volvo wird in den Spagat müssen, um den verschiedenen Anforderungen der Märkte in Europa, Amerika und Asien gerecht zu werden. Dessen ist sich auch Entwicklungschef Mertens bewußt: „In Bezug auf das Design gibt es nicht so viele Konflikte. Schon eher was andere Anforderungen angeht. Die Volvo-Kunden in China fahren meist mit Chauffeur. Der Kunde sitzt also im Fond, worauf wir mehr achten müssen. Das ist in Schweden und Europa weniger wichtig.“

Zum Bentley mutieren wird Volvo deshalb nicht. Aber es wird weiter mit Hochdruck an neuen Modellen und damit an einem neuen Image gearbeitet. Dazu gehört auch die Eröffnung eines neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums in Göteborg, wo schwedische und chinesische Ingenieure gemeinsam am neuen Erfolg arbeiten sollen. Unterdessen kündigt sich vorläufig eine leichte Entspannung an. Diese Woche konnte die Unternehmensleitung mitteilen, dass der Produktionstakt etwas angehoben werde.

Hans Åke Mossberg/Dieter Weiand

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