Ein eher klassisches Nachrichten-Profil des SVT der 1970er Jahre: Lars Orup
Richtlinie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

Muslimisches Netzwerk kritisiert Kopftuchverbot beim Schwedischen Fernsehen

"Kein Nachrichtensprecher darf frei über Kleidung bestimmen"
2:37 min

Repräsentanten schwedischer Muslime richten scharfe Kritik an die Adresse des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Gläubige Muslime würden demnach systematisch diskriminiert. Die Rundfunkanstalt schließt jedoch eine Änderung ihres Regelwerks aus.

„Wir fordern die Abschaffung des diskriminierenden Kopftuchverbots für Nachrichtensprecher. Es steht unserer Ansicht nach auf juristisch unsicherem Boden und sollte deshalb jetzt neu überprüft werden“, so Kitimbwa Sabuni vom Netzwerk „Svenska muslimer i samarbete“ (Zusammenarbeit Schwedischer Muslime). Mit seinem Bericht an den UN-Ausschuss zur Beseitigung von Rassendiskriminierung vom Montag hatte das Netzwerk große mediale Aufmerksamkeit erregen können. Jetzt stehen die Geschäftsregeln des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, SVT, im Zentrum der Kritik.

Interne Richtlinie in der Kritik

Stein des Anstoßes ist dabei eine interne Richtlinie aus dem Jahr 2008 mit folgendem Wortlaut: „In Bezug auf unterschiedliche Glaubensrichtungen sollen SVT und seine Repräsentanten unparteiisch auftreten.“ Wie der Programmchef des SVT, Jan Axelsson erklärt, bedeutet dies unter anderem, dass keiner der Nachrichtensprecher während der Sendung religiöse Symbole tragen darf.

Unter dieses Verbot fällt laut Axelsson auch das muslimische Kopftuch: „Wir wollen betonen , dass unsere Nachrichtensprecher ein unparteiisches Auftreten bezüglich religiöser, politischer und wirtschaftlicher Interessen an den Tag legen müssen. Neutrale Kleidung ist deshalb notwendig. Es kann sich um eine Kopfbedeckung, ein Abzeichen oder ein Buchstabe handeln“, so der Programmchef gegenüber der Kulturredaktion des Schwedischen Fernsehens.

Kopftuch als Teil der Identität

Für den Sprecher des muslimischen Netzwerkes keine hinreichende Erklärung: „In Schweden herrscht Religionsfreiheit, und zu dieser gehört auch die Ausübung von Religion. Für praktizierende Muslime ist das Kopftuch ein Teil der Identität – man kann sich nicht einfach so davon trennen. So etwas als Voraussetzung für eine Arbeitsstelle zu verlangen, geht gegen die Prinzipien der Religionsfreiheit“, meint Sabuni.

Der Kritik seines Netzwerkes zum Trotz ist es jedoch unwahrscheinlich, dass SVT die Richtlinie zur Unparteilichkeit im Regelwerk ändern wird. Jan Axelsson rechne auch nicht damit, dass sich die Uno in Folge des Beschwerdeberichts gegen die Fernsehanstalt wendet. „Es handelt sich bei der Richtlinie keinesfalls um Diskriminierung. Ein Nachrichtensprecher des SVT hat nun einmal nicht das menschliche Grundrecht, völlig privat über seine Kleidung zu bestimmen.“

Hansjörg Kissel / Sindra Grahn (SVT)

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