Intensivkrankenschwestern gehen aus Protest (Foto: Tomas Groop / Sveriges Radio)
Fachkrankenschwestern kündigen aus Protest

Arbeitskampf gefährdet kleine Herz-Patienten

"Für Emil könnte dies den Tod bedeuten"
4:23 min

Ein Arbeitskampf zwischen Intensivkrankenschwestern und ihrem Arbeitgeber verursacht große Unsicherheiten bei der gesundheitlichen Versorgung in Schweden. Die Herzabteilung im Universitätsklinikum Lund hat den Auftrag, Kinder mit Herzproblemen aus dem ganzen Land aufzunehmen. Unter Verweis auf schlechte Arbeitsbedingungen hat jedoch die Mehrzahl der Intensivschwestern, die bei der prekären Personallage in Schweden so gut wie nicht zu ersetzen sind, gekündigt.

Emil ist ein aufgeweckter, fröhlicher Junge, der mit Wonne auf dem Boden herumtollt und spielt wie jeder andere Zweijährige auch. Doch, Emil ist herzkrank. Nur seine rechte Herzhälfte pumpt Blut durch seinen Körper, weshalb er bereits drei Operationen in der Kinder-Intensivabteilung im südschwedischen Lund hinter sich bringen musste. Eine weitere Operation steht noch aus. „Um das Erwachsenenalter erreichen zu können, braucht er unbedingt diese letzte Operation“, sagt Emils Mutter, Ima Falkinger, im Schwedischen Fernsehen. „Sollten die Intensivkrankenschwestern nun wirklich aufhören, so könnte dies für Emil den Tod bedeuten. Auf dem heutigen Markt gibt es letztlich keinen Ersatz für diese Krankenschwestern.“

45 Intensivschwestern arbeiten derzeit auf der Kinder-Herzstation im Klinikum Lund. Viele von ihnen verfügen über 25 Jahre Berufserfahrung, was sie angesichts des in Schweden vorherrschenden Mangels an Fachschwestern nahezu unersetzlich macht. Die Nachricht trifft viele betroffenen Familien in Schweden wie ein Paukenschlag: Über zwei Drittel der Intensivschwestern haben in einer gemeinsamen Aktion ihre Kündigung eingereicht; ab Ende April werden über 30 Stellen auf der Spezialstation frei.

Neue Arbeitsbedingungen lösen Protest aus

Hintergrund dieser Protesthandlung sind neue, vom Arbeitgeber – also der Region Skåne – diktierte Arbeitsbedingungen. Abgesehen von neuen Dienstplanbestimmungen, die letztlich Gehaltskürzungen von monatlich fast 250 Euro gleichkommen, klagen die Spezialkräfte vor allem über die geringe Wertschätzung ihrer Qualifikationen. Statt im Krankheitsfall externe Aushilfekräfte einzusetzen, wie ansonsten in schwedischen Krankenhäusern üblich, springt auf der Station grundsätzlich eine der festangestellten Schwestern ein. Ein System, das die Pflegekräfte aus Rücksicht auf ihre Patienten weiterführen wollen, das aber vom Arbeitgeber künftig untersagt wird. Laut einer Intensivschwester, die anonym bleiben will, wolle der Arbeitgeber nicht zuhören und keine wirkliche Verantwortung für die ausgezeichnete Spezialpflege übernehmen.

Wie die Vorsitzende der Krankenpflegegewerkschaft, Sineva Ribeiro, betont, steht nicht ihr Verband hinter diesen Kündigungen – die Schwestern führten ihre Aktion völlig unabhängig durch. Auf die Frage, ob dieser Protest nicht zu drastisch ausfalle, meint Ribeiro: „Sicher ist die Aktion drastisch, aber die Schwestern tun dies im Sinne der Sicherheit ihrer Patienten. Um gute Arbeit leisten zu können, brauchen sie gute Arbeitsbedingungen, und eben diese werden im Gesundheitswesen immer schlechter. Die Fachkräfte, die jetzt gekündigt haben, mussten regelmäßig viele Überstunden leisten. Wir wissen, dass ihr Fachwissen nicht ersetzt werden kann, aber wenn nicht die Krankenschwestern Alarm schlagen, wer dann? Ich finde, dass sie verantwortlich handeln.“

Nicht nur die Region Skåne ist verantwortlich

Die Krankenhausleitung spielt derzeit einen Plan-B durch, mit dem ab Ende April die drohende Personallücke geschlossen werden soll. Angestellte aus anderen südschwedischen Krankenhäusern sollen einspringen, und auch die Zusammenarbeit mit dem nahegelegenen Göteborg sowie dem gesamten skandinavischen Raum soll verstärkt werden.

Schließlich, so betont auch der Vorsitzende des Kinderherzbundes, Ulf Grape, nimmt die Herzabteilung des Universitätskrankenhauses eine zentrale Rolle bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern im ganzen Land ein: „Die Sozialbehörde hat ja in Auftrag gegeben, dass Kinder aus ganz Schweden in dem Krankenhaus operiert werden sollen. Damit ist es nicht nur ein Problem der Region – das ganze Land muss sich um eine Lösung kümmern.“ Zudem sind laut Ulf Grape die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und den Krankenschwestern zum Erliegen gekommen – eine Lösung scheint bis auf weiteres nicht in Sicht.

Die Familie des zweijährigen Emil muss unterdessen weiterbangen. „Den ganzen Tag schwirrt es mir im Kopf herum. Nachts werde ich von Alpträumen geplagt. Mein ganzes Leben dreht sich nur noch darum, während gleichzeitig der übrige Alltag auch noch bewältigt werden muss.“

Hansjörg Kissel / SVT

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